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[P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: Michael Dittrich

Datum: 11.08.12 10:33

Hallo,

unter dem im Betreff genannten Titel schreiben die Potsdamer Neueste Nachrichten heute:

Stadt will Golm-Tram
von H. Dittfeld

Rathaus hält am Bau umstrittener Linien zum Wissenschaftspark und durch Babelsberg fest

Auch wenn das Land die Fördermittel für die Straßenbahnnetze in Brandenburg kürzen will, hält Potsdams Stadtplanungschef Andreas Goetzmann am Bau der Tramlinien nach Golm und durch die Babelsberger Großbeerenstraße bis zum Jahr 2025 fest. Das erklärte er am Donnerstagabend auf einer öffentlichen Veranstaltung der SPD zum Stadtentwicklungskonzept Verkehr. Wie und wann die Stadt das Geld dafür bereitstellen will, sagte er allerdings nicht. Der Bau beider Straßenbahnlinien stößt bei den Anwohnern bisher auf heftigen Protest. Unstrittig ist dagegen die Verlängerung der Tramlinie zum Plattner-Campus am Jungfernsee, die etwa 4,6 Millionen Euro kosten soll.

[www.pnn.de]

Viele Grüße
Michael

http://www.michaeldittrich.de/images/mdbanner-2.gif

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Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: S21

Datum: 11.08.12 11:36

Potsdam sollte erst mal das Fahrzeug Problem lösen mit diesen kurzen Fahrzeugen braucht die VIP nicht nach Golm fahren.Nebenbei die Uni Standorte Griebnitzsee und Golm plus weitere Standorte
sind viel besser und schneller erschlossen über die RB Züge.Die DB bietet eine 30.Minuten Takt und ab Dezember sogar eine eigene Linie von Golm nach Berlin über Griebnitzsee.
Die Aussage der Stadt die DB stelle die Linie ein ist unsinnig ab Dezember.Potsdam sollte sich der rolle als Landeshauptstadt klar werden und nicht noch mehr Luftschlösser Bauen.


Keine DB S-Bahn für Berlin
Für einen Betrieb unter BVG Regie

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Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: def

Datum: 11.08.12 12:05

@ S21: Es ist schön, dass die Potsdamer Studenten ab Dezember noch besser nach Berlin kommen. Doch sollte es nicht eigentlich auch im Interesse einer jeden Universitätsstadt sein, dass möglichst viele ihrer Studenten auch dort wohnen?
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Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: Michael Dittrich

Datum: 11.08.12 12:14

Hallo,

gemeint ist die Verbindung des RE1 und der RB22 über Spandau nach Berlin Hbf.
Diese beiden Verbindungen werden ab Dezember wieder eingestellt.

Die Verbindung Golm - Potsdam - Griebnitzsee - Berlin Friedrichstr. wird es nur in der Früh-HVZ geben.

Gruß,
Michael

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Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: Michael Dittrich

Datum: 11.08.12 12:16

Hallo,

def schrieb:
-------------------------------------------------------
> @ S21: Es ist schön, dass die Potsdamer Studenten
> ab Dezember noch besser nach Berlin kommen. Doch
> sollte es nicht eigentlich auch im Interesse einer
> jeden Universitätsstadt sein, dass möglichst viele
> ihrer Studenten auch dort wohnen?

dazu müsste man in Potsdam eine vernünftige Wohnungspolitik betreiben.
Die Mieten in Potsdam sind für Normalverdiener schon nicht zu bezahlen, Studenten können sich das erst recht nicht leisten.

Gruß,
Michael

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Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: def

Datum: 11.08.12 12:29

@ Michael Dittrich:

Das stimmt natürlich auch wieder. Allerdings glaube ich da in absehbarer Zeit nicht an eine Besserung. Die paar Plattenbaugebiete werden systematisch schlecht geredet, und in der Innenstadt errichtet man sich seine pseudohistorische Scheinwelt, die völlig entrückt von den Problemen vieler Potsdamer ist.
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Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: Michael Dittrich

Datum: 11.08.12 12:44

Hallo,

Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.
Wenn man sogar darüber nachdenkt die Neubauten am Platz der Einheit abzureißen, wird mir nur übel.
So ist es eben in Potsdam.

Gruß,
Michael

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Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: Nahverkehsrfreund

Datum: 11.08.12 17:43

Guten Tag!

Michael Dittrich schrieb:
-------------------------------------------------------
> dazu müsste man in Potsdam eine vernünftige
> Wohnungspolitik betreiben.
> Die Mieten in Potsdam sind für Normalverdiener
> schon nicht zu bezahlen, Studenten können sich das
> erst recht nicht leisten.

Tja, auch Politik kann geografische Zwangslagen nicht lösen. Letztlich ist der Platz in Potsdam begrenzt, und das ist naturgemäß nicht gut für niedrige Preise. zudem ist die Konkurrenz ja groß: Ich musste gestern lernen, dass z.B. kleine Wohnungen in der Nähe des Campus Golm bevorzugt von älteren Damen angemietet werden. Das hätte ich weniger erwartet. Ob man allerdings den total verrotteten Staudenhof unbedingt erhalten muss, da kann man sicher streiten. Die ganze Gegend dort ist ein einziger Schandfleck.

Ich muss allerdings in der Rückschau auch zugeben, dass ich als junger Student auch eher nach Berlin tendiert hätte als zum Wohnen im Museum. Heutzutage sehe ich das anders.

Um zum ursprünglichen Thema zurück zu kommen: Was die Stadt bisher nicht erklärt hat, ist, wie man einen ausreichenden Takt auf der Trasse nach Golm hinbekommen will. ALLE bisher vorgelegten Planungen sind auf Teilstrecken einspurig, und das hat deutlich negative Folgen für die Zahl der möglichen Kurse. An der TU Berlin hat es eine Diplomarbeit gegeben, die dann am Ende ergeben hat, dass das im Vergleich zu den jetzt fahrenden Buslininen zu einer Verringerung der Beförderungsleistung um 20% sowie eine zu einer Halbierung des Takts führt. da haben die Anwohner ja unglaublich viel davon.

Wenn man das vernünftig machen will, muss man wie ins Bornstedter Feld planen. dazu wären aber heftige Eingriffe in das bestehende Wohngebiet notwendig, was die Kosten weit über die zu erwartenden 50 bis 60 Millionen Euro hinaus erhöhen würde. Ich glaube nicht, dass das jemals finanzierbar ist, von wirtschaftlich mal ganz zu schweigen.

Was das Umland viel eher braucht, ist eine unabhängige Verbindung nach Berlin über Spandau sowie gute Park-and-ride Angebote.
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Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: Türen schließen selbsttätig

Datum: 11.08.12 19:02

Hallo Michael,

das kann man natürlich auch anders sehen: mir wird z.B. eher übel beim Gedanken, dass man bestimmte innerstädtische Bauten stehen lassen würde. Da steht Einiges rum, was architektonisch völlig wertlos, ästhetisch primitiv und dem zentralen Standort einfach nicht angemessen ist. Das sollte lieber heute nachmittag als morgen früh verschwinden. Potsdam hat die einmalige Chance, seine vordem zerrissene und dann entstellte Innenstadt wieder zu heilen und zu komplettieren und ich bin sehr, sehr froh, dass diese Chance genutzt wird. Keine Stadt im Osten hat sich seit der Wende in jeder Hinsicht so positiv entwickelt wie Potsdam. Ich habe die Zeiten noch nicht vergessen, als alles vor sich hingammelte und Stück für Stück in sich selbst zusammenbrach. Hätte die DDR weiter Bestand gehabt, dann gäbe es gemäß Planung kein Holländisches Viertel mehr und bis auf ein paar repräsentative Bauten wäre die ganze Altstadt dem Untergang geweiht gewesen - die Baumuster angepasster "Pseudoplattenbäuchen" waren ja fertig. Potsdam lebt zu einem nicht geringen Teil vom Tourismus, ist weltoffen und liberal geworden - Gottseidank.... Der Kulturkampf, der da stattfindet, ist sinnlos - Städte haben sich immer entwickelt und nichts anderes passiert in Potsdam, und zwar zum Vorteil der Stadt. Wer würde wohl Potsdam besuchen und sein Geld dort ausgeben, um Plattenbauten zu besichtigen? Und ich jedenfalls bin froh über das bunte Kulturleben, die Kneipenvielfalt usw. - die Wohngebietsgaststätte Nr. 4 mit Bockwurst-Kaffee vermisse ich nicht.

Grüssle
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Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: def

Datum: 11.08.12 19:20

@ Türen schließen selbstständig

Das mag ja alles sein. Dennoch sollte eine Stadt aber nicht nur zum Angucken und Besuchen, sondern auch zum Wohnen da sein, und zwar für möglichst viele Einkommensgruppen. Noch hat gerade Ostdeutschland das Glück, dass die Städte relativ (!) durchmischt, die Segregationsprozesse noch nicht so weit fortgeschritten sind. Diesen Vorteil gilt es beizubehalten - wohin die strenge Teilung der Stadt nach Einkommensgruppen führt, durften wir vor einigen Jahren in Paris und letztes Jahr in London erleben. Solche Zustände will ich in Deutschland ebenso wenig wie bis auf Touristenleben ausgestorbene Innenstädte. Der Neumarkt in Dresden ist ein gutes Beispiel dafür.

Dann lieber ein paar "hässliche" Plattenbauten (wobei das auch relativ ist, heute begehrte Architektur der Moderne war zu ihrer Bauzeit und auch Jahre danach noch sehr umstritten) als ein bloßes Disneyland.

Edit: "Neustädtischer Markt" in "Neumarkt" geändert.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:08:11:23:58:19.
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Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: Türen schließen selbsttätig

Datum: 11.08.12 20:39

@ def: da sind wir völlig einer Meinung. Aber wir müssen akzeptieren, dass nicht jeder an jedem Platz zu sehr güstigen Bedingungen wohnen kann. Das wurde zu Ostzeiten ausprobiert und hat mit dem bekannten Totalverfall der Innenstädte geendet, weil die Einnahmen nicht ansatzweise die Unterhalts- / Modernisierungskosten erwirtschaften konnten. Nicht nur bei den "Arbeiterpalästen" der Stalinallee, sondern auch bei deren Weiterentwicklung, die immer und immer pragmatischer und simpler wurde, bis dann halt die Platte übrig war - ich kannte sie auch unter "Arbeiterintensivhaltung"; selbst das war nicht mal im Ansatz durch Einnahmen zu erhalten - Rest bekannt. Und von Zuständen wie in Paris oder London sind wir in Deutschland selbst dort, wo es am teuersten ist, gottlob meilenweit entfernt. Aber ich sage auch: der Neustädter Markt in DD ist ein winziges Fleckchen - solange die Segregationsflächen nicht größer werden, kümmerts mich wenig... Den wirtschaftlichen Nutzen, den der Neustädter Markt abwirft und der zu großen Teilen der Stadt und ihrer Bevölkerung zugute kommt, sollte man nicht zu gering einschätzen. Und in Potsdam sehe ich eigentlich ziemlich große Flächen, auf denen durchaus "normaler" Wohnungsbedarf gedeckt werden kann - gerade entlang der Tram in den Norden ist doch jede Menge Platz. Da muss sich was tun, gar keine Frage! Ich denke nur, es macht keinen Sinn, das eine mit dem anderen zu verknüpfen und Wechselwirkungen zu beschwören, wo keine vorhanden sind. Wenn ein Hotel durch ein Museum ersetzt werden soll und Hasso Plattner viel privates Geld dafür investiert, dann verhindert das nicht einen einzigen Wohnungsbau. Im Gegenteil, es schafft in der Konsequenz eine attraktivere Stadt und erzeugt Einnahmen im Schneeballsystem. Andere Städte würden Einiges geben, um so etwas zu bekommen, einige Kräfte in Potsdam möchten es nicht einmal geschenkt haben.... Das verstehe wer will! Dito, wenn der Landtag ohnehin erneuert werden muss - das Notwendige mit dem Schönen zu verbinden und letzteres bezahlt wieder Hasso Plattner: ich weiss nicht, was daran schlimm sein soll? Und wenn dort rundrum exklusive Grundstücke auch exklusiv vermarktet und genutzt werden, es schadet doch niemandem - heute ist dort Ödland. Warten wirs ab - ich bin überzeugt, die Potsdamer werden in ihrer großen Mehrheit begeistert sein von der wieder erstehenden Mitte.... Die Wohnungsdiskussion ist an anderen Stellen zu führen, nicht dort. Dass sie deswegen weniger wichtig wäre, das zu glauben wäre in der Tat ein Irrweg. Aber andere Städte haben das Wohnungsproblem auch, den Charme von Potsdam aber nicht. Da nehme ich doch lieber den Charme einer wachsenden und blühenden Stadt mit ihren Problemen als nur die Probleme....:)
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Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: P-134

Datum: 11.08.12 21:50

@Türen schließen selbsttätig
Hallo,
Deine PNN würdigen Plattitüden solltest Du Dir hier verkneifen.
Dieses Niveau gehört nicht in dso

Exilpotsdamer

PS: falls Du Dir in P ein häßliches, deplatziertes Gebäude ansehen willst, folgender Tipp:
Neuer Garten vom Mamorpalais den Blick zur Berliner Vorstadt



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:08:11:22:48:52.
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Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: S21

Datum: 11.08.12 21:56

def schrieb:
-------------------------------------------------------
> @ S21: Es ist schön, dass die Potsdamer Studenten
> ab Dezember noch besser nach Berlin kommen. Doch
> sollte es nicht eigentlich auch im Interesse einer
> jeden Universitätsstadt sein, dass möglichst viele
> ihrer Studenten auch dort wohnen?


Es gibt viele Pendler weil in Potsdam Wohnungsmangel besteht.


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Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: Thomas Mueller

Datum: 11.08.12 23:38

P-134 schrieb:
-------------------------------------------------------
> @Türen schließen selbsttätig
> Hallo,
> Deine PNN würdigen Plattitüden solltest Du Dir
> hier verkneifen.
> Dieses Niveau gehört nicht in dso
>
> Exilpotsdamer
>
> PS: falls Du Dir in P ein häßliches, deplatziertes
> Gebäude ansehen willst, folgender Tipp:
> Neuer Garten vom Mamorpalais den Blick zur
> Berliner Vorstadt


Welche Plattitüden schreibt er denn? Ohne den von Potsdam eingeschlagenen Weg wäre die Stadt so interessant wie Eisenhüttenstadt oder andere verfallenen Provinzstädte mit Plattenbauten drumherum.
Potsdam lebt vom Tourismus und das nicht schlecht. Für Wohnraum ist drumherum genug Platz, man hat sich ja vor einigen Jahren einige Dörfer samt Land dazwischen eingemeindet.
Potsdam soll mal lieber weitermachen auf dem Weg Preußens Glanz&Gloria und den VEB-Charme aus der Stadt verbannen, braucht keiner und will keiner sehen!

einen schönen Tag wünscht Thomas Mueller

Tradition ist eine Laterne, der Dumme hält sich an ihr fest, dem Klugen leuchtet sie den Weg. (George Bernard Shaw)

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Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: def

Datum: 11.08.12 23:57

@ Türen schließen selbstständig:

Ich muss zu meiner Schande gestehen, den "Neustädter Markt" mit dem "Neumarkt" verwechselt zu haben - ich meinte den Neumarkt, den Platz vor der Frauenkirche. Aber Du hast es nachgeplappert. :) Wie dem auch sei, es steht auch in Dresden zu befürchten, dass die Segregationsflächen immer größer werden. Die Stimmen, den tatsächlich historischen Kulturpalast durch pseudohistorische Fassadenarchitektur zu ersetzen, kamen schon auf. Zum Glück wird er jetzt erstmal saniert und bleibt erhalten. Auch in Potsdam fing es mit dem Landtag an, nun soll es also mit dem Platz der Einheit und dem Hotel weitergehen. Gerade bei dem Hotel frage ich mich: Bringt das keine Einnahmen für die Stadt? Und nebenbei auch noch weitaus mehr Arbeitsplätze als eine Kunstgalerie? Wo soll das enden?

Man bereut heute vielfach, dass von mittelalterlicher Architektur vielerorts kaum etwas übrig ist. Das liegt nicht nur am 2. Weltkrieg, sondern auch daran, dass man mittelalterliche Städte im 18. und 19. Jahrhundert schlicht als hässlich und unmodern empfand (die Romantik und das erwachende Nationalgefühl bildeten hier Ausnahmen). So ändern sich die Zeiten. Und gerade deshalb müssen auch Gebäude und Ensembles geschützt werden, die heute vielfach als hässlich wahrgenommen werden. Auch sie sind Zeugen einer bestimmten Art des Bauens und des dahinterstehenden Gesellschaftsbildes. Das gilt natürlich nicht nur für DDR-Bauten, sondern auch z.B. für das ICC in Berlin.
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Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: ingolf

Datum: 12.08.12 04:20

...Es gibt da eine sehr schöne Aussage, die diese Entwicklung zusammenfasst: "Nichts wird so sher gehasst, als das was die Elterngeneration gebaut hat."

Vor kaum 30-40 Jahren hat man noch intensiv die heute wieder so beliebten Gründerzeitviertel abgerissen - mit der Meinung, sie wären veraltet, hässlich, unmenschlich, nicht an die modernen Zeiten anpassbar u.s.w. Heute vergreifen wir uns allzugerne an der Architektur der Nachkriegsmoderne - mit fast genau diesen Argumenten, mit denen vor wenigen Jahrzehnten die Gründerzeitstadt abgerissen wurde. Im Osten unseres Landes kommt hinzu noch das Totschlagargument, es wäre ja sowieso nur minderwertige Machtarchitektur des Kommunismus.

Und nicht nur, dass wir uns unreflektiert an Architekur und Städtebau der Nachkriegsmoderne vergreifen, nein wir vernichten weiterhin massiv das dwas unsere Vorfahren uns an wertvoller Architekur und wertvollem Städtebau hinterlassen haben und noch original erhalten ist. Sei es duch brachiale Straßenplanungen (Waldschlösschenbrücke Dresden), den massiven Abriss der Gründerzeit (fast überall in Ostdeutschland) oder gar barocker Altstädte (Weißenfels) infolge des ökonomischen Kollapses nach 1990 (folglich Schrumpfung der Städte) oder ganz aktuell durch eine unsäglich technokratische Auslegung der Dämmmverordnungen. Und wir schaffen damit völlig seelenlose Stadträume ohne sichtbare Geschichte und Ästhetik - was wir ja genau der Architekur der Moderne vorwerfen...

Und als Ersatz schaffen wir uns dann an wenigen Orten Attrappen, die uns Gechichte vorgaukeln sollen - so zum Beispiel Schlossfassaden mit Einkaufszentren dahinter (Braunschweig), Schlossfassaden mit Büro- und Hotelhochhaus dahinter (Frankfurt am Main), Schlossfassaden vor einem Betonkörper mit großem Sitzungssaal dahinter (Potsdam) und bald so etwas Ähnliches auch in Berlin. Mit Geschichtspflege und Schaffung wirklich lebendiger und attraktiver Städte hat das nicht viel zu tun. So etwas ist nicht einmal langfristig ein Magnet für Touristen, sondern schnell wieder außer Mode - es sei denn, es ist so absurd und duchgedreht, dass es ein Unikum ist (Neschwanstein).

Am spannendsten und bliebtesten sind übrigens die Städte, wo man geschichtliche Schichten tatsächlich sichtbar nachvollziehen kann - auch mit all ihren Brüchen und Ungereimtheiten. Und dazu zählen auch Bauwerke, die der augeblickliche Mainstream bezüglich ihrer Architektur und/oder Herkunft nicht mag. Das bedeutet natürlich nicht, dass alles, was jemals gebaut wurde, erhalten werden muss - denn natürlich gab und gibt es un jeder Epoche Fehlplanungen und Fehlentscheidungen gravierender Natur, die nur durch Beseitigung dieser geheilt werden können.
Aber es ist ein Irrglaube zu meinen, dass wir mit dem Tilgen einer Geschichtsschicht aus dem Stadtbild und deren Ersatz mit etwas, was uns eine vorherige Schicht vortäuscht, eine bessere und attraktivere Stadt bekommen. Dazu gehört mehr - viel mehr.

Im Fall Potsdam kommt zum Beispiel noch hinzu, dass der Nachbau der alten Stadt verbunden ist mit der Schaffung exklusiver Räume für ein wohlhabendes Publikum und (gewollter) Verdrängung großer Teile der Bevölerung aus der Innenstadt hinaus. Die Diskussion würde dort ganz anders verlaufen, wenn es nicht nur eine sich allein auf ausschließlich historisierend-architektonische Kriterien reduzierte Debatte gäbe, sondern auch eine ernsthafte Strategie, sozial und funktional gemischte Strukturen und Wohnnutzungen (für alle) in der Innenstadt zu halten und zu stärken. Es dreht sich in Potsdam eben nicht nur um die Frage historisierender Fassaden, sondern vor allem darum, wem die Stadt gehört und wer sie nutzen darf.

Ingolf
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Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: S21

Datum: 12.08.12 12:48

ingolf schrieb:
-
> Im Fall Potsdam kommt zum Beispiel noch hinzu,
> dass der Nachbau der alten Stadt verbunden ist mit
> der Schaffung exklusiver Räume für ein
> wohlhabendes Publikum und (gewollter) Verdrängung
> großer Teile der Bevölerung aus der Innenstadt
> hinaus. Die Diskussion würde dort ganz anders
> verlaufen, wenn es nicht nur eine sich allein auf
> ausschließlich historisierend-architektonische
> Kriterien reduzierte Debatte gäbe, sondern auch
> eine ernsthafte Strategie, sozial und funktional
> gemischte Strukturen und Wohnnutzungen (für alle)
> in der Innenstadt zu halten und zu stärken. Es
> dreht sich in Potsdam eben nicht nur um die Frage
> historisierender Fassaden, sondern vor allem
> darum, wem die Stadt gehört und wer sie nutzen
> darf.


Gut auf dem Punkt gebracht und zustimmung von mir.Nebenbei in Potsdam Leben doch schon die mehr zahl der Einwohner in den Plattenbaugebieten weil die Innenstadt oder Babelsberg wirklich
unbezahlbar ist.Ich Schreib nicht umsonst Luftschlösser Bauen oder Schwimmbäder oder Abfindungen für Stadtwerke Chefs die Dreck am Fuß haben.Wenn man die Einkommensverhältnisse mal
vergleicht hat Potsdam beim Wohnraum schon Münchner Verhältnisse.In keiner anderen Ostdeutschen Stadt weder Leipzig Jena Dresden gibt es solche hohen Mieten selbst Berlin ist Bezahlbar.


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Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: Thomas Mueller

Datum: 12.08.12 15:04

S21 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Wenn man die Einkommensverhältnisse mal
> vergleicht hat Potsdam beim Wohnraum schon
> Münchner Verhältnisse.In keiner anderen
> Ostdeutschen Stadt weder Leipzig Jena Dresden gibt
> es solche hohen Mieten selbst Berlin ist
> Bezahlbar.


Es war schon immer teurer in Vorderhaus zu wohnen als auf dem Hinterhof, wo ist da jetzt das Problem?
Je mehr privates Kapital eine Stadt binden kann, desto besser auch für diejenigen die (aus welchen Gründen auch immer) nicht so vermögend sind.

Jetzt haben wir uns ziemlich weit vom eigentlichen Thema entfernt, aber eine Tramstrecke nach Golm und Babelsberg dürfte realistischer und nachhaltiger sein als irgendwelche S-Bahnträume nach Golm.
Wenn das Land zu wenig geld für solche Projekte gibt, muß der Bürgermeister und das Bürgertum eben mit der Spendendose hausieren gehen und die Kohle selber sammeln oder beim Bund für sein Projekt werben.

einen schönen Tag wünscht Thomas Mueller

Tradition ist eine Laterne, der Dumme hält sich an ihr fest, dem Klugen leuchtet sie den Weg. (George Bernard Shaw)

Einige auf DSO vermitteln mir die geistige Frische einer Tigerente (abgwandelt urspr. von G.Jauch)
Optionen:

Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: Nahverkehsrfreund

Datum: 12.08.12 15:51

Guten Tag!

Thomas Mueller schrieb:

> Jetzt haben wir uns ziemlich weit vom eigentlichen
> Thema entfernt, aber eine Tramstrecke nach Golm
> und Babelsberg dürfte realistischer und
> nachhaltiger sein als irgendwelche S-Bahnträume
> nach Golm.
> Wenn das Land zu wenig geld für solche Projekte
> gibt, muß der Bürgermeister und das Bürgertum eben
> mit der Spendendose hausieren gehen und die Kohle
> selber sammeln oder beim Bund für sein Projekt
> werben.

Es geht bei der Diskussion um neue Relationen in Potsdam leider IMMER nur um den Kampf der Systeme. Niemand fragt, wo die potentiellen Nutzer einer neuzuschaffenden Verbindung hin wollen, das ist aber für die Auswahl des richtigen Verkehrsmittels unerlässlich, nur will es die Stadtverwaltung erst gar nicht wissen, die sind ausschließlich dogmatisch gesteuert.

Wir haben nicht nur den Pendlerstrom der Studenten aus Berlin nach Potsdam, es gibt auch den genau entgegen gesetzten von Potsdam UND Umland (durch Potsdam hindurch) nach Berlin. Diese potentiellen Nutzer des ÖPNV suchen schnelle und zuverlässige Angebote, die es derzeit gar nicht und wenn der RE1 wieder planmäßig verkehrt eben entlang dieser Verbindung gibt. Startet man woanders oder will woanders hin, beginnt es deutlich weniger attraktiv zu werden. Diesen Nutzern ist mit schnellen Verbindungen gedient, nicht mit einer Straßenbahn, die in etwa gleich schnell wie die jetzigen Busse verkehrt. Daneben würde es Potsdam in Sinne der Anbindung an den Fernverkehr sehr helfen, wenn man regelmäßig zügig nach Spandau kommen könnte, denn anzunehmen, dass es wieder Fernverkehr über Potsdam HBf geben könnte, ist realitätsfern. Immerhin ist das Parken am Bahnhof in Spandau preiswert, nur ist das ja nicht wirklich der Sinn der Sache.
Die Stadtverwaltung und die Planer in Potsdam verfügen zudem gar nicht über sinnvoll nutzbare Statistiken zum Verkehr, weil man sich gar nicht die Mühe macht, brauchbare Daten zu erfassen. Regelmäßig sitzen Rentner an den Kreuzungen und führen Strichlisten. Damit kann man aber im Grunde fast nichts anfangen, solange man nicht belastbare Zahlen über die Mengen an Quell-, Ziel- bzw. Durchgangsverkehr bekommt. Dazu muss man aber Kennzeichen verfolgen und die Wege der Verkehrsteilnehmer wirklich nachvollziehen. Das kann man der Stadtverwasltung jedes Jahr aus Butterbrot schmieren, aber es isteressiert keinen, die spekulieren einfach weiter und planen Luftschlösser, anstatt sinnvolle Dinge zu verändern wie Park and Ride. Der größte Witz ist das mit Millionen geförderte Versuchsprojekt zur Verkehrsdosierung. Der Stau hat sich weder verlagert noch verringert, eine Veränderung ist für den Nutzer nicht erkennbar. Wwer sich mal versucht, inhaltlich mit dem Entwurf des Stadtentwicklungskonzepts Verkehr auseinanderzusetzen, stellt sehr schnell fest, dass da sehr wenig Inhalt drin ist.

Es könnte sicher bereits vieles besser sein, aber dazu ist die Administration gar nicht fähig. Leider.
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Re: [P] Stadt will Golm-Tram

geschrieben von: NVB

Datum: 12.08.12 19:09

"... Diesen Nutzern ist mit schnellen Verbindungen gedient, nicht mit einer Straßenbahn, die in etwa gleich schnell wie die jetzigen Busse verkehrt."

Das ist ja noch nicht einmal das Schlimmste!

Höchst problematisch ist die Siedlungsstruktur von Eiche, wo sich die Busse durchquälen und für den Fall der Fälle auch die Straßenbahn durchmuss. Wer eine Siedlung wie Eiche als Haufendorf ohne jede ÖPNV-Erschließung plant und vernünftige Bustrassen "vergessen" hat, kann doch nicht erwarten, dass da je eine Straßenbahn sinnvoll fahren kann. Der Bus kann wenigstens noch zwei Routen bedienen und die Fahrgäste mit einigermaßen akzeptablen Fußwegen auflesen. Mit einer einzigen Trasse würde man an der Hälfte der potenziellen Fahrgästen vorbeifahren, deshalb kann eine Straßenbahn in diesem kleinzelligen Siedlungsraum nur verlieren. Also was soll dieser Unsinn? Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Planungsbüros?

Das gleiche gilt auch für eine Straßenbahn über die Großbeerenstraße. Wer um Himmels willen denkt sich so einen Schwachsinn aus? Man provoziert größte Probleme mit sicherlich unbezahlbaren Lösungen im Bereich des Bahnhofs Babelsberg und mit der Kreuzung der Wetzlarer Bahn. Außerdem macht man die ohnehin nicht gerade vor Fahrgästen überquellende Strecke zur Fontanestraße endgültig zum Verlierer. Schließlich muss ein erheblicher Überland-Busverkehr auf der Großbeerenstraße verbleiben, so dass sich Bus und Bahn sogar noch kannibalisieren. Wirklich eine klasse Idee der Potsdamer Stadtverwaltung, schon über zwanzig Jahre alt, taucht immer mal wieder auf, diente schon als Argument zur Obus-Stilllegung und zeigt das diese Potsdamer Herrschaften nichts aber auch gar nichts gelernt haben.

Wobei die Zeitungsmeldung ja keine offizielle Verlautbarung der Stadtverwaltung war ...
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