AnzeigeHIER KLICKEN!

 

 

 05 - Straßenbahn-Forum 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Test-Forum aufsuchen!  Tipps zu den Formatierungsmöglichkeiten sind in Kürze online.
Bilder, Berichte, News, Fragen und Antworten zum Thema Straßenbahn - Sonstiger ÖPNV ist gestattet, allerdings ist dies kein Busforum.
Moderatoren: Carsten Kathmann - Michael Dittrich - TCB

Gehe zum Thema :

Navigation :

Seiten: 1 2 All nächste Seite

Aktuelle Seite: 1 von 2    Angemeldet: Niemand

?Blöde Frage wg. Weichenbedienung?

geschrieben von: silvestergm

Datum: 10.08.12 16:40

Hallo Fachleute,

wie werden heutzutage die Weichen bei der Straßenbahn gestellt?
Ich kenne nur das Stellen von Hand durch den Fahrer, bzw. Schaffner, so gesehen 1974 (meine letzte Straba-fahrt) bei der Hagener Straßenbahn. (meine nächste Straba-fahrt war dann Mitte 2007 in Kölle).



Der Westfale im Rheinland.
Optionen:

Re: ?Blöde Frage wg. Weichenbedienung?

geschrieben von: Türen schließen selbsttätig

Datum: 10.08.12 17:00

....:):) Das ist wirklich eine lustige Frage....:):) Der Abstand von Deinem Hagener Erlebnis (was selbst für damalige Verhältnisse schon völlig aus der Zeit und auch in Hagen mit Sicherheit nicht mehr als ein Ausnahmefall mehr war)zum state of the art ist ungefähr so weit wie der Fußweg von Spitzbergen nach Kapstadt....:):)

Normalerweise macht der Fahrer heute gar nix mehr - das Betriebsleitsystem erledigt das für ihn. Der Wagen meldet sich bei Dienstbeginn mit seinen ganzen Daten für den Dienstplan, der bevorsteht, an und die Weichen stellen sich wie von Geisterhand vor dem Wagen in die richtige Richtung. Und als Du damals Dein Hagener Erlebnis hattest war es eigentlich üblich, dass vor einer Weiche entweder stromlos über eine Trennstelle gefahren wurde (dann blieb die Weiche so stehen wie sie stand) oder mit eingeschalteter Bremsstufe - dann haute es die Weiche rum... Weichen mit einem Stelleisen per Hand zu stellen war als Standard eigentlich selbst in den 1960er Jahren schon so gut wie Geschichte. Die lange Jahre auf Verschleiß und mit dem Ziel völliger Einstellung betriebene Straßenbahn in Westberlin stellt die Weichen bis zum Ende (1968) mit Stelleisen vom Fahrer aus dem Wagen raus (die Wagen hatten ein schmales Fenster an der Stirnwand, wo dann davor draussen das Stelleisen hing)

Grüssle



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:08:10:17:02:38.
Optionen:

Re: ?Blöde Frage wg. Weichenbedienung?

geschrieben von: JanH

Datum: 10.08.12 18:59

Türen schließen selbsttätig schrieb:
-------------------------------------------------------
> Normalerweise macht der Fahrer heute gar nix mehr
> - das Betriebsleitsystem erledigt das für ihn. Der
> Wagen meldet sich bei Dienstbeginn mit seinen
> ganzen Daten für den Dienstplan, der bevorsteht,
> an und die Weichen stellen sich wie von
> Geisterhand vor dem Wagen in die richtige
> Richtung.

Wobei das auch eine Philosophiefrage des jeweiligen Betriebes ist. Mancherorts ist man der Meinung, dass der Fahrer durch die Automatik zu unaufmerksam wird, deswegen muss dort dann die Weiche weiterhin "händisch" gestellt werden. Dann natürlich nicht mehr über Stelleisen, sondern über entsprechende Knöpfe im Führerstand (meistens drei Stück für links - geradeaus - rechts).
Optionen:

Re: ?Blöde Frage wg. Weichenbedienung?

geschrieben von: Tw480

Datum: 10.08.12 19:25

Und bei Betrieben, wo das noch nicht ganz so neumodisch läuft (zum Beispiel in Hannover) gibt es drei Möglichkeiten:

1.) wenig genutzte Weichen (wir reden jetzt natürlich nur über welche an der Oberfläche, also nicht in der Zugsicherung!), etwa in Überhol- und Abstellgleise, werden nach wie vor mit dem Stelleisen von Hand gestellt. Ebenso natürlich defekte E-Weichen. Oder solche, die man mit falscher Zielkennung angefahren hat. Beispiel: man soll zwecks Zug-Auswechslung auf den Betriebshof fahren, hat diese Anweisung aber erst bekommen, als man schon über die Fernabfrage weg war. Wenn die Weiche bereits verblockt ist, kann sie nur noch mechanisch umgepumpt werden.

2.) Weichen auf Strecke stellen sich per Fernabfrage-Magnet nach der Zielkennung des Zuges. Dafür befindet sich eine Koppelspule etwa 50-100m vor der Weiche, die die von der Wagenspule abgestrahlte Kennung auswertet und die Weiche entsprechend umlaufen lässt. Dies funktioniert bei uns beim größten Teil der Streckenweichen inzwischen hydraulisch. Bei älteren Weichen elektromagnetisch nach dem Märklin-Prinzip (mit Schnappfeder!).
Wenn die Weiche in Endlage und verriegelt ist, leuchtet das W-Signal (W11 geradeaus, W12 rechts oder W13 links) entsprechend der Fahrtrichtung, wodurch man die Berechtigung erhält, die Weiche schneller als 10 km/h zu befahren (bei geradem Strang bis zur Streckenhöchstgeschwindigkeit).

Weiche mit W13-Signal (Langenhagen)
P1050147kl.jpg

3.) Weichen in Betriebshofzufahrten oder Kehranlagen werden mit dem Weichentaster vom Fahrerstand aus gestellt. Das funktioniert ebenfalls induktiv, aber erst zehn Meter vor der Weiche. Früher, nach der Beseitigung der Fahrleitungskontakte, wurden die meisten Weichen auch auf Strecke so gestellt. Es gab da ein paar sehr lustige Exemplare (Steintor, Strangriede...), die man gern bei Regen stellte, wenn gerade ein Fußgänger daran vorbei oder darüber hinweg schritt ;). "Klatsch! Platsch! Iiiih!" Im günstigsten Fall spritzte das Wasser aus der Rillenschiene drei Meter hoch!

Der Weichentaster kommt auch zum Einsatz, wenn die Fernabfrage nicht funktioniert, was relativ oft vorkommt. Das W-Signal leuchtet dann nach dem Überfahren der Fernabfragespule nicht auf.
Dafür gibt es dann noch eine zweite Koppelspule ein paar Meter vor der Weiche. In diesem Fall gibt es zwei Möglichkeiten: entweder liegt die Weiche richtig (oder läuft um), oder sie liegt falsch und läuft nicht. Im ersteren Fall gibt es wiederum zwei Möglichkeiten: entweder leuchtet dann das W-Signal auf oder es bleibt dunkel. Wenn es aufleuchtet — siehe oben. Wenn nicht, ist Schrittgeschwindigkeit mit der gesamten Zuglänge angesagt, da die Zungen dann nicht verriegelt sind.
Bleibt die Weiche auch am Nahstellpunkt in der falschen Lage, kommt das Stelleisen zum Einsatz. Anschließend, da dann nie ein W-Signal leuchtet, wieder Schrittgeschwindigkeit!

Das waren wohl die wichtigsten Fälle.

Ein Sonderfall sind die mit Motorantrieben (wie in der ZS) versehenen Weichen an der Oberfläche, Endpunkt Langenhagen. Die laufen teilweise automatisch, teilweise per Weichentaster. Stumpf befahrene, die nicht elektrisch umlaufen, dürfen nur mit Kenntnis der Leitstelle aufgeschnitten werden. Spitz befahrene, deren Antrieb den Dienst verweigern, können noch von einem Stellkasten am Mast versucht werden, zu stellen. Der Weichensperrkreis muss dabei belegt sein, der Wagen also dicht vor den Zungen stehen.
Funktioniert das Stellen am Kasten auch nicht, muss der Zug so lange stehen bleiben, bis ein Fahrdienstleiter mit der Weichenkurbel eintrifft. Der Motor muss dann von Hand gekurbelt werden, anders ist es, wie in der Zugsicherung, nicht zu machen. Dieses Spielchen kommt so im Schnitt einmal im Quartal vor.

Die Fahrstraßensteuerung in der ZS ist wieder ein anderes, wesentlich komplexeres Thema.

Gruß
Holgi



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:08:10:19:38:03.
Optionen:

Re: ?Blöde Frage wg. Weichenbedienung?

geschrieben von: Roger König

Datum: 11.08.12 07:05

silvestergm schrieb:
-------------------------------------------------------
> Hallo Fachleute,
>
> wie werden heutzutage die Weichen bei der
> Straßenbahn gestellt?
> Ich kenne nur das Stellen von Hand durch den
> Fahrer, bzw. Schaffner, so gesehen 1974 (meine
> letzte Straba-fahrt) bei der Hagener Straßenbahn.
> (meine nächste Straba-fahrt war dann Mitte 2007 in
> Kölle).

Hallo Leute,

eure Ausführungen in allen Ehren, aber in Gelsenkirchen-Horst ist das alles für die Katz!
Die Situation:
Regelspurige U11 (B-Wagen und Docklands aus Essen) treffen auf Meterspurige 301 (M-Wagen und Variobahnen aus Gelsenkirchen). Die Ein- und Ausfädelung des Dreischienengleises sowie der mit auf der Gleistrasse laufende Busbetrieb (SB36, 252, 253, 259, 260, 383, 396 zum Teil Übergänge der Wagen zwischen den Linien) soll eigentlich per Signalschleifen und Meldekontakten geregelt werden.

Die Realität:
Mitten auf der Kreuzung stehende B-Wagen Doppeltraktionen, laut schimpfende Fahrer die sich von den Hochflurwagen herunterhangeln, per Weicheneisen die Weichen herumwerfen, wieder den Wagen erklimmen und dann im Schritttempo abfahren. Das Ganze natürlich (wir sind schließlich in Deutschland wo niemand ohne Erlaubnis denken darf ;-) ) werden diese Zugfahrten vorher per Funk in der Leitstelle angefragt und dann auf mündlichen Befehl (Fahrtauftrag gegen gesperrtes Signal unter Beachtung der Weichenlage) durchgeführt. Im Nebengleis steht dann die Tram und deren Fahrer verschafft sich Luft weil danach...die Tram steht mitten auf der Kreuzung und der Fahrer geht mit dem Weicheneisen... Das die Busse natürlich hinter den B-Wagen und der Tram däumchedrehender Weise zusehen müssen wie Ihr Steuergerät +1, +2, +3, +4...anzeigt kommt noch dazu.

Und dabei fragen sich alle die das mit ansehen warum diese Technik so störanfällig ist. Früher waren vergleichbare Situationen durch Taster am Signalmast erreichbar. Der Fahrer konnte mit langem Arm die Anforderung drücken und alles lief. Aber wir leben ja Zeitalter des Hightech.

Computer helfen uns Probleme zu lösen die wir ohne Computer gar nicht hätten.

Glückauf
Roger



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:08:11:07:10:41.
Optionen:

Re: ?Blöde Frage wg. Weichenbedienung?

geschrieben von: silvestergm

Datum: 11.08.12 08:03

Danke für die Hilfreiche Antwort :-)
Ich hatte das damals gesehen, als die Straba vom rechten auf das linke Gleis gewechselt hat. Das war auch das einzige mal das ich so etwas gesehen hatte.
Da ich damals noch Kind war und wir wenig Geld für ÖPNV-Fahrten hatten, sind wir nur sehr selten mit der Straba gefahren, meist sind wir per pedes unterwegs gewesen. :-) Den Älteren unter uns ging es bestimmt genauso, da war eine Fahrt etwas besonderes :-)

Als ich in Kölle war habe ich mir das Treiben auf dem Rudolfplatz angeschaut und mich gewundert wie sich die Weichen von Geisterhand stellten.



Der Westfale im Rheinland.
Optionen:

Re: ?Blöde Frage wg. Weichenbedienung?

geschrieben von: Komischeskind

Datum: 11.08.12 10:24

Ich bin kein "Insider", aber ich möchte versuchen, die Situation in Dresden im Rahmen meines Wissens aus Beobachtung und Vorlesung zu schildern.

Grundsätzlich müssen die Fahrer in Dresden kurz vor der Weiche einen Knopf für die Weichenlage drücken. Davon gibt es drei Stück - rechts, links, geradeaus. An Kreuzungen, die nur zwei Richtungen kennen kommen nur die Tasten für links und rechts zum Einsatz, z. B. rechts abzweigende Weiche, für Geradeausfahrt wird die Taste für links gedrückt.
Die historischen Wagen des Straßenbahnmuseums sind noch teilweise darauf angewiesen, dass der Schaffner die Weiche per Hand stellt.
stumpf befahrene Weichen werden i. d. R. aufgefahren und besitzen keinen Antrieb. An den eingleisigen Streckenabschnitten gibt es Rückfallweichen, die stumpf aufgefahren werden um dann wieder für den Zug aus der Gegenrichtung in die richtige Lage zurückzufedern.

Zur Verabschiedung der Tatrawagen aus dem Regelbetrieb gab es eine Parallelfahrt eines Tatrazuges und eines Flexity. Einer der Züge fuhr - abgesichert durch die Polizei - auf dem linken Gleis. Hierfür mussten alle Weichen per Hand gestellt werden und wurden spitz mit Schrittgeschwindigkeit befahren, da sie im Normalfall nur aufgefahren werden und nicht in der jeweiligen Lage verriegeln.

Grüße aus Elbflorenz!
Andreas
Optionen:

Re: ?Blöde Frage wg. Weichenbedienung?

geschrieben von: supercargo

Datum: 11.08.12 11:55

In Chemnitz gibt es noch eine Rückfallweiche. Am HBF wird aus Gleis 102 in das Stumpfgleis gefahren und nach dem Fahrtrichtungswechsel geht es über Gleis 101 in Richtung Bernsdorf, Altchemnitz und Stollberg.

Befinden wir uns in einer Demokratie mit Meinungsfreihet oder herrschen noch Diktatur und Zensur?
Optionen:

Re: ?Blöde Frage wg. Weichenbedienung?

geschrieben von: Wolfgang Hardt

Datum: 11.08.12 18:46

Hallo, wie wärs denn hiermit. Maibaumexpress Gleidingen 2.5.10.

Weiche Laatzen.jpg

Sollte ja weiter nach Sarstedt gehen, also Handarbeit.
Als ungewollter Bonus war dann noch mal eine Sonderfahrt von Döhren nach Rethen-Schleife.
Ups, schon war der Zug über der Weiche Rethen-Schleife geradeaus. Zurück ging es nicht weil der Zug vollbesetzt war. Also bestimmte das Personal, wir machen einen Sonderzug nach Sarstedt.
Mit Begeisterung aller Mitfahrer. Wann das war kann ich leider nicht zuordnen.
Gruß Wolfgang
Optionen:

? 10 km/h ?

geschrieben von: HLeo

Datum: 11.08.12 21:11

Ist "10 km/h" eine Anweisung der ÜSTRA oder eines anderen Betriebes? Die BOStrab (§50(4)) erlaubt sonst max. 15 km/h bei nicht formschlüssig festgelegten Weichen. Das widerspricht natürlich keiner stärker einschränkenden Regelung.
Optionen:

Karslruhe

geschrieben von: SpDr60

Datum: 11.08.12 21:32

Hallo,

in Karlsruhe werden slle Straßenbahnstrecken und die S1 zwischen Albgaubad und Hochstetten und die S2 auf dem kompletten Laufweg per IWS (Induktie Weichensteuerung) gestuert. Für jede linie und jeden Fahrweg ist in der IWS eine Kennung hinterlegt die dem Fahrer durch den Fahrplan vorgegben wird. Diese Kennung gibt der Fahrer/Tf mittels Zählwerk ein drückt den Startknopf und Weichen sollten alle einlaufen. Die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Weiche läuft über Gleiskoppelspulen. Also Elektromagnete mit unterscheidlichen Schwingkreisen. Wenn die Fahrt umgeleitet wird, oder die IWS Route nicht programiert ist muss der Fahrer alle Weichen von Hand stellen, dafür gibt es 3 Taster geradeaus links und rechts. Sollte ein Fahrer die Weiche nicht stellen oder diese nicht korrekt einlaufen bleibt das Signal auf F0 stehen uund der Faher muss den Signalmagneten nach Auftrag durch die Leitstelle überbrücken. Wenn in Karlsruhe das Dreieck komplett ist darf die Weiche abzweigend mit 25 km/h befahren werden gibt es nur so ein Zeichen > mit maximal 15 km/h. im geraden Strang stets mit der Streckengeschwindigkeit.
Optionen:

? im geraden Strang stets mit der Streckengeschwindigkeit ?

geschrieben von: HLeo

Datum: 11.08.12 22:12

"... im geraden Strang stets mit der Streckengeschwindigkeit": Auch wenn das Dreieck "nicht komplett" ist? "Mit der Streckengeschwindigkeit" wäre BOStrab W11. Aber auch für "geradeaus" gibt es das "nicht komplette Dreieck" W1, das genauso die Geschwindigkeit auf 15 km/h begrenzt. Die 25 km/h bei W12/W13 sind i.O., das "nicht komplette" Dreieck ist dann W2/W3.
Optionen:

Re: ? 10 km/h ?

geschrieben von: Tw480

Datum: 11.08.12 22:23

Normale Weichen ohne Zungenverriegelung dürfen auch bei der Üstra spitz mit 15 km/h befahren werden. Schnellfahrweichen, bei denen die Verriegelung defekt ist bzw. im Einzelfall nicht funktioniert hat: 10 km/h. Das deshalb, weil der Fahrer ja nicht wissen kann, was mit der Weiche ist und warum die Verriegelung nicht gefunzt hat, ob evtl. ein Teil des Gestänges gebrochen ist oder ähnliches.

Wir hatten da schon mal eine Entgleisung in Empelde, bei der die defekte Verrieglung von mehreren Fahrern zwar beachtet, aber der BL nicht gemeldet worden war. Nachdem einige Züge darüber gefahren waren, lag dann irgendwann eine Zunge nicht mehr an. Die Weiche hatte sich nach und nach immer weiter geöffnet.
Der 2. Wagen des Zuges, der sie dann überfuhr, wollte ins Überholgleis, wurde an seinem Vorhaben aber durch einen Fahrleitungsmasten gehindert.
Die Aufräum- und Raparaturarbeiten dauerten Wochen.

Seitdem ist man hier besonders pingelig, oder besser, korrekt, was Schnellfahrweichen angeht. Nicht leuchtende W-Signale müssen in jedem Fall gemeldet werden und der Fahrdienstleiter fragt dann auch immer den oder die nachfolgenden Züge ab, ob die Weiche bei ihnen ordnungsgemäß funktioniert hat. Wenn nicht, und auch das "Bügeln" nicht klappt, werden sofort die Weichenschlosser in Trab gesetzt.

"Nicht komplette Dreiecke" im Signalgeber gibt es bei uns übrigens nicht.

Gruß
Holgi



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:08:11:22:26:02.
Optionen:

Re: ? 10 km/h ?

geschrieben von: 1418

Datum: 11.08.12 23:53

Hallo,
Zitat:
"Nicht komplette Dreiecke" im Signalgeber gibt es bei uns übrigens nicht.
Anderswo schon.
In Leipzig wird die Lage der Weiche durch den (offenen) Winkel angezeigt, die Verriegelung durch ein zusätzliches X, welches nach Räumung der Weiche wieder erlöschen sollte.
MfG
1418
Optionen:

Re: Weichenbedienung

geschrieben von: Jan Bochmann

Datum: 12.08.12 07:08

Guten Tag,

Türen schließen selbsttätig schrieb:
-------------------------------------------------------
> Normalerweise macht der Fahrer heute gar nix mehr - das Betriebsleitsystem erledigt das für ihn...

Nicht überall. Es gibt Betriebe, die das so nicht wollen, weil die Fahrer nicht in die Routine verfallen sollen, daß sich die Weichen immer von alleine richtig stellen. Z.B. Dresden, ich glaube auch Stuttgart.

> Und als Du damals Dein Hagener Erlebnis hattest war es eigentlich üblich, dass vor einer Weiche entweder stromlos über eine Trennstelle gefahren wurde (dann blieb die Weiche so stehen wie sie stand) oder mit eingeschalteter Bremsstufe
- dann haute es die Weiche rum...

Die "Bremsstufe" war doch wohl eher eine Fahrstufe, bzw. ein Weichenwiderstand?

Außerdem ist das nur eines der beiden üblichen Verfahren: Es gab auch das Prinzip der Rechtsstromweiche, d.h. stromlos ging es immer nach links, und mit Strom immer nach rechts. Beide Methoden gibt es seit ca. 100 Jahren, angesteuert über Kontakte an der Fahrleitung.

Später gab es dann auch Verfahren mit induktiver Steuerung und Kombinationen aus beiden.

An komplizierten Knoten gab es früher auch die Variante, daß ein stationärer Mitarbeiter die Weichen mit Stelleisen oder aus einem kleinen "Stellwerk" heraus steuerte. Vor langer Zeit z.B. Dresden Postplatz und Leipzig Nähe Hbf, bis Anfang der 1990er noch Magdeburg Hasselbachplatz. Ein Grund dafür war, daß die älteren Verfahren zur Ansteuerung vom Zug aus immer nur 2 Stellungen unterscheiden konnten, d.h. an echten Drei-Weg-Weichen oder sehr knapp folgenden mehreren Weichen funktionierten sie nicht. Mit Stadtbahnen und Tunnelstrecken kamen z.T. Stellwerke wieder, aber in der Regel läuft da alles automatisch, und das ist nur eine Rückfallebene für den Havariefall.

Weichen, die spitz immer in der selben Richtung befahren werden, z.B. bei Ausweichen an einer eingleisigen Strecke, werden schon immer als Federweichen gebaut. Die werden stumpf aufgefahren und stellen sich von alleine wieder zurück. Meist geht das mit recht simplen Federn, aber heute zwecks Minimierung von Verschleiß und Lärm manchmal auch mit hydraulischer Dämpfung oder sogar elektrischem Antrieb. Seit einigen Jahrzehnten gibt es solche Weichen auch bei Eisenbahnen, aber bei Straßenbahnen haben sie eine längere Tradition.

Grüße,
Jan B.
Optionen:

Re: Karslruhe

geschrieben von: JanH

Datum: 12.08.12 13:45

SpDr60 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Sollte ein Fahrer die Weiche
> nicht stellen oder diese nicht korrekt einlaufen
> bleibt das Signal auf F0 stehen uund der Faher
> muss den Signalmagneten nach Auftrag durch die
> Leitstelle überbrücken.

Jein. Was da in der noch fehlt, ist die Tatsache, dass in Karlsruhe so ziemlich alle Weichen mit einer Fahrsperre ausgerüstet sind (gibt es sowas auch noch anderswo?).
Diese ist in Grundstellung immer aktiv, und wird nur abgeschaltet, wenn die Weiche einen gültigen Stellbefehl bekommen hat, und sich dann auch tatsächlich in die richtige Richtung gestellt hat. Sobald die Weiche freigefahren wurde, also der Weichensperrkreis einmal belegt, und dann wieder freigegeben wurde, wird die Fahrsperre wieder aktiv. Außerdem werden hier keine Stellaufträge zwischengespeichert, dass heißt, es darf sich immer nur eine Straßenbahn zwischen Stellkontakt und der Weiche befinden.

Für die Erklärung, was das F0, welches ja eigentlich kein Weichensignal ist, damit zu tun hat, muss man auch etwas weiter ausholen. Bisher war die Situation so, dass die Fahrsignale (= Balkensignale), die den Straßenbahnverkehr an Kreuzungen etc. (sowohl untereinander, als auch mit dem sonstigen Verkehr) geregelt haben, unabhängig von der Weichenlage waren. Das heißt, das Fahrsignal konnte z.B. Fahrt frei nach rechts anzeigen, während die Weiche geradeaus gestellt war.
Nachdem es da aber zwei schwere Unfälle gegeben hat, bei denen eine Bahn fälschlicherweise links abgebogen ist, und mit einer entgegenkommenden Bahn zusammengestoßen ist (Albtalbahnhof und Kongresszentrum) *, hat man damit begonnen, die Signalanlagen sukzessive so umzubauen, dass das Balkensignal erst dann auf Fahrt geht, wenn die Weiche korrekt gestellt wurde, und zwar in die gleiche Richtung wie das Balkensignal.

Wenn bei diesen Signalanlagen die Weiche nicht, oder falsch gestellt wurde, bleibt das Balkensignal dann tatsächlich auf F0. Im Störungsfall kann man die Sicherung umgehen, indem man, falls vorhanden, sich die Signalanforderung per Schlüsselschalter am Ampelmasten holt.

* Den glimpflich ausgegangenen Unfall am Hauptfriedhof gab es auch noch, aber das war schon nachdem der Umbau der Signalanlagen begonnen wurde.

> Wenn in Karlsruhe das
> Dreieck komplett ist darf die Weiche abzweigend
> mit 25 km/h befahren werden gibt es nur so ein
> Zeichen > mit maximal 15 km/h. im geraden Strang
> stets mit der Streckengeschwindigkeit.

Nein, die Regelungen sind folgende: Weichen mit Verriegelung (W11 - 13) dürfen mit Streckenhöchstgeschwindigkeit befahren werden. Weichen ohne Verriegelung (W1 - 3, oder die alten 4-Punkt-Signale), aber mit Fahrsperre mit maximal 30 km/h, alles andere, also E-Weichen ohne Fahrsperre (falls es sowas überhaupt gibt), Handweichen, und generell im Störungsfall maximal 15 km/h. Für Fahrten über den abzweigenden Strang gibt es keine speziell festgelegte Geschwindigkeit, sondern lediglich die Forderung, die Geschwindigkeit an den Kurvenradius anzupassen.
Sonstige Besonderheiten sind maximal 30 km/h über 90°-Rillenschienen-Kreuzungen, und *keine* Linksweichenregel, *außer* die Fahrtsignalanlage ist gestört, oder existiert gar nicht, wie z.B. am Marktplatz, wo das Gleisdreieck dort komplett auf Sicht befahren wird.
Optionen:

Nene Holger - hast schon recht...!

geschrieben von: ASa

Datum: 12.08.12 15:10

Hallo,

bei W1, W2 und W3 immer mit maximal 15 km/h - spitz versteht sich. Für das stumpfe Befahren gelten örtliche Regelungen.

Gruß!

Asa

----------------------------------
Meine Windmühlenflügel sind:

Humorlosigkeit in Internetforen.

Ich weiß, es ist fast aussichts-
los, aber wer aufgibt, hat schon
verloren.

-----------------------------------
Optionen:

Re: ? 10 km/h ?

geschrieben von: R 450

Datum: 12.08.12 17:22

1418 schrieb:
-------------------------------------------------------
> ...
> In Leipzig wird die Lage der Weiche durch den
> (offenen) Winkel angezeigt, die Verriegelung durch
> ein zusätzliches X, welches nach Räumung der
> Weiche wieder erlöschen sollte.
> MfG
> 1418

In München beispielsweise ist es auch so. Und der Fahrer muss die Weichen selbst stellen. Dreifachweichen werden durch vorgezogene Weichen "entzerrt", da es nur zwei Schaltmöglichkeiten gibt.

Für eine europaweit einheitliche Symmetrieminute [de.wikipedia.org] und [de.wikipedia.org]
Optionen:

Re: ? 10 km/h ?

geschrieben von: Linie 711

Datum: 12.08.12 17:32

R 450 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Dreifachweichen werden durch vorgezogene Weichen
> "entzerrt", da es nur zwei Schaltmöglichkeiten
> gibt.

Düsseldorf dito. Da gibts nur rechts oder links, niemals aber geradeaus. Eine Doppelweiche (bei Fuzzies als Dreiwegweiche bekannt) ist das halt einmal rechts und einmal links.
Optionen:

Re: ?Blöde Frage wg. Weichenbedienung?

geschrieben von: der weiße bim

Datum: 12.08.12 17:42

Türen schließen selbsttätig schrieb:
-------------------------------------------------------
> Und als Du damals Dein Hagener Erlebnis
> hattest war es eigentlich üblich, dass vor einer
> Weiche entweder stromlos über eine Trennstelle
> gefahren wurde (dann blieb die Weiche so stehen
> wie sie stand) oder mit eingeschalteter Bremsstufe
> - dann haute es die Weiche rum...

Bei der klassischen Art der Weichensteuerung wird der Stromabnehmer durch eine Kufe vom Fahrdraht abgehoben so dass der Fahrstrom zum Triebwagen auf einen Umweg über den Weichenmagneten gezwungen wird. Fließt im einfachsten Fall viel Strom (bei eingeschalteten Fahrmotoren) zieht der Magnet an und stellt die Weiche um, fließt wenig oder kein Strom (Rollen oder Bremsen) bleibt die Weichenstellung bestehen. Von dieser Schaltung entstanden im Laufe der Zeit betriebsspezifisch sehr vielfältige Varianten. Seit der BOStrab 1987 sind fahrstromabhängige Schaltungen sämtlich unzulässig.

> Weichen mit einem Stelleisen per Hand zu stellen war als
> Standard eigentlich selbst in den 1960er Jahren
> schon so gut wie Geschichte. Die lange Jahre auf
> Verschleiß und mit dem Ziel völliger Einstellung
> betriebene Straßenbahn in Westberlin stellt die
> Weichen bis zum Ende (1968) mit Stelleisen vom
> Fahrer aus dem Wagen raus (die Wagen hatten ein
> schmales Fenster an der Stirnwand, wo dann davor
> draussen das Stelleisen hing)

Bereits die Vorgängergesellschaften der BVG hatten in den 1920er Jahren 75 Weichen auf verkehrsreichen Streckenabschnitten nach und nach mit elektromagnetischen Antrieben versehen, um die Reisegeschwindigkeit zu erhöhen. Noch 1929, dem Gründungsjahr der BVG sollten weitere 72 Weichen auf elektrischen Antrieb umgerüstet werden, wie ein lesenswerter Artikel in der Mitarbeiterzeitung "Die Fahrt", Heft 18/1929 vom 1.10.1029 beweist:

18 - 1929-10-01 (E-Weichen1a).jpg18 - 1929-10-01 (E-Weichen2).jpg

Diese E-Weichenantriebe und entsprechend weiter entwickelte Nachkriegserzeugnisse waren natürlich auch in den Westsektoren bis zur Betriebseinstellung funktionstüchtig. Die BVG-Ost (BVB) ersetzte die Weichensteuerungen in ihrem seit 1953 getrennten Teilnetz durch Eigenentwicklungen.

So long

Mario




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:08:12:17:46:09.
Optionen:

Seiten: 1 2 All nächste Seite

Aktuelle Seite: 1 von 2    Angemeldet: Niemand

Gehe zum Thema :

Navigation :

Serverüberwachung / Servermonitoring mit Livewatch.de
Servermonitoring mit Livewatch.de