Und bei Betrieben, wo das noch nicht ganz so neumodisch läuft (zum Beispiel in Hannover) gibt es drei Möglichkeiten:
1.) wenig genutzte Weichen (wir reden jetzt natürlich nur über welche an der Oberfläche, also nicht in der Zugsicherung!), etwa in Überhol- und Abstellgleise, werden nach wie vor mit dem Stelleisen von Hand gestellt. Ebenso natürlich defekte E-Weichen. Oder solche, die man mit falscher Zielkennung angefahren hat. Beispiel: man soll zwecks Zug-Auswechslung auf den Betriebshof fahren, hat diese Anweisung aber erst bekommen, als man schon über die Fernabfrage weg war. Wenn die Weiche bereits verblockt ist, kann sie nur noch mechanisch umgepumpt werden.
2.) Weichen auf Strecke stellen sich per Fernabfrage-Magnet nach der Zielkennung des Zuges. Dafür befindet sich eine Koppelspule etwa 50-100m vor der Weiche, die die von der Wagenspule abgestrahlte Kennung auswertet und die Weiche entsprechend umlaufen lässt. Dies funktioniert bei uns beim größten Teil der Streckenweichen inzwischen hydraulisch. Bei älteren Weichen elektromagnetisch nach dem Märklin-Prinzip (mit Schnappfeder!).
Wenn die Weiche in Endlage und verriegelt ist, leuchtet das W-Signal (W11 geradeaus, W12 rechts oder W13 links) entsprechend der Fahrtrichtung, wodurch man die Berechtigung erhält, die Weiche schneller als 10 km/h zu befahren (bei geradem Strang bis zur Streckenhöchstgeschwindigkeit).
Weiche mit W13-Signal (Langenhagen)
3.) Weichen in Betriebshofzufahrten oder Kehranlagen werden mit dem Weichentaster vom Fahrerstand aus gestellt. Das funktioniert ebenfalls induktiv, aber erst zehn Meter vor der Weiche. Früher, nach der Beseitigung der Fahrleitungskontakte, wurden die meisten Weichen auch auf Strecke so gestellt. Es gab da ein paar sehr lustige Exemplare (Steintor, Strangriede...), die man gern bei Regen stellte, wenn gerade ein Fußgänger daran vorbei oder darüber hinweg schritt ;). "Klatsch! Platsch! Iiiih!" Im günstigsten Fall spritzte das Wasser aus der Rillenschiene drei Meter hoch!
Der Weichentaster kommt auch zum Einsatz, wenn die Fernabfrage nicht funktioniert, was relativ oft vorkommt. Das W-Signal leuchtet dann nach dem Überfahren der Fernabfragespule nicht auf.
Dafür gibt es dann noch eine zweite Koppelspule ein paar Meter vor der Weiche. In diesem Fall gibt es zwei Möglichkeiten: entweder liegt die Weiche richtig (oder läuft um), oder sie liegt falsch und läuft nicht. Im ersteren Fall gibt es wiederum zwei Möglichkeiten: entweder leuchtet dann das W-Signal auf oder es bleibt dunkel. Wenn es aufleuchtet — siehe oben. Wenn nicht, ist Schrittgeschwindigkeit mit der gesamten Zuglänge angesagt, da die Zungen dann nicht verriegelt sind.
Bleibt die Weiche auch am Nahstellpunkt in der falschen Lage, kommt das Stelleisen zum Einsatz. Anschließend, da dann nie ein W-Signal leuchtet, wieder Schrittgeschwindigkeit!
Das waren wohl die wichtigsten Fälle.
Ein Sonderfall sind die mit Motorantrieben (wie in der ZS) versehenen Weichen an der Oberfläche, Endpunkt Langenhagen. Die laufen teilweise automatisch, teilweise per Weichentaster. Stumpf befahrene, die nicht elektrisch umlaufen, dürfen nur mit Kenntnis der Leitstelle aufgeschnitten werden. Spitz befahrene, deren Antrieb den Dienst verweigern, können noch von einem Stellkasten am Mast versucht werden, zu stellen. Der Weichensperrkreis muss dabei belegt sein, der Wagen also dicht vor den Zungen stehen.
Funktioniert das Stellen am Kasten auch nicht, muss der Zug so lange stehen bleiben, bis ein Fahrdienstleiter mit der Weichenkurbel eintrifft. Der Motor muss dann von Hand gekurbelt werden, anders ist es, wie in der Zugsicherung, nicht zu machen. Dieses Spielchen kommt so im Schnitt einmal im Quartal vor.
Die Fahrstraßensteuerung in der ZS ist wieder ein anderes, wesentlich komplexeres Thema.
Gruß
Holgi
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:08:10:19:38:03.