Guten Tag,
kaufhalle schrieb:
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> Ronald Kretzschmar schrieb:
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> > Die Strecke der Linie 1 nach Cossebaude war 1989/90 in Erneuerung begriffen. Zunächst wurde
> > der innere Teil (Hamburger Straße) erneuert, anschließend wäre die äußere Strecke nach
> > Cossebaude für Tatras ertüchtigt worden, einschließlich Wendemöglichkeit für den ER-Betrieb.
>
> Planungen für eine Wendemöglichkeit in Cossebaude?
> Die damalige Berichterstattung wusste nichts davon.
Schauen wir mal in die damaligen Medien:
> Es war beschlossene Sache bereits zu DDR-Zeiten, dass die Strecke nach Cossebaude mit
> Fristablauf der Gothas plattgemacht wird.
Nein. In den 1970er Jahren war die Stillegung tatsächlich beschlossene Sache, zugunsten des Ausbaus der S-Bahn. Allerdings ist man davon schon lange vor dem Ende der DDR wieder abgekommen. Den Unsinn hat erst die neue Verwaltung 1990 wieder auf die Tagesordnung gesetzt.
Es gab ein Projekt für eine kurze Verlängerung um 1 Haltestelle, eingleisig in Seitenlage, mit Wendeschleife. Dabei stand allerdings ein Haus im Wege (Bäcker, in Privatbesitz), außerdem hatte man den Platz z.T. mit Neubauten überbaut.
Deswegen wurde schließlich die Variante mit dem Gleisdreieck Schulstraße favorisiert.
Probefahrten zur Überprüfung der Stromversorgung sollen mit Heck-an-Heck-Zug durchgeführt worden sein, ich kenne allerdings kein Foto. Als kritisch galt die Brücke am Hp. Dresden-Kemnitz, weil deren Bauzustand schlecht war.
>Von Umstellung auf Tatras war nie die Rede.
Oh doch. Siehe die Bilder oben, insbesondere den Text unter der Fahrplantabelle.
Im Sommer 1990 wurden beim Dienstunterricht des Strbf. Waltherstraße bereits Einweisungen des Personals für die Cossebauder Strecke durchgeführt. Die meisten Fahrer dort hatten damals keine Streckenkenntnis für diesen Abschnitt, weil die ET zuletzt alle in Mickten und Trachenberge stationiert waren, sodaß der eigentlich naheliegende Btf. die SL 1 gar nicht stellte (aber witzigerweise den Rangierdienst am Endpunkt). Mit der Umstellung auf Tatra sollte das natürlich geändert werden und die SL 1 wäre von Waltherstraße und Tolkewitz bestückt worden.
>Es hat wohl noch Planungen zum Erhalt einer Rumpfstrecke bis Stetzsch gegeben mit Gleisdreieck an der Hst. "Am Urnenfeld".
Mit Wendeschleife. Diese Planung war aber erst die Folge aus dem Stillegungsbeschluß vom Herbst 1990. Das Grundstück wurde von der Stadt dann jedoch zum Bau einer Tankstelle vergeben, wobei die DVB eine Brechung an dieser Stelle ohnehin nicht gerne wollten.
>> Man hat doch nicht das Gleisprovisorium an der Ecke Cossebauder Straße zur Weiterführung des Straßenbahnbetriebes
>> während der Sperrung der Hamburger Straße gebaut um danach doch auf Bus umzustellen. Dann hätte man doch gleich auf Bus umgestellt.
Richtig.
>Willst Du behaupten, dass man in der DDR immer gleich alles auf Bus umstellen konnte, was man wollte?
Das konnte man zum Glück nicht, und deshalb haben viele Straßenbahnstrecken die Zeit 1965-1980 überlebt. Das gilt auch für Dresden-Cossebaude. Es gilt aber nicht mehr für die Zeit ab der Währungsunion Juli 1990 bzw. der deutschen Einheit. Da konnte man Busse, Reifen und Diesel problemlos beschaffen.
>> Vielmehr war es so, daß die überstürzte Stilllegung der Strecke nach Cossebaude im Jahre 1990 und der Abbruch der weiteren Erneuerung der Stecke der Linie 1 die erste von vielen verkehrspolitischen Untaten der neuen autogeilen Machthaber war.
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> Das ist schlichtweg falsch.
Nein, das ist schlichtweg richtig.
>Die Stilllegung der Cossebauder Strecke war zu DDR-Zeiten beschlossene Sache und wurde planmäßig realisiert...
In der DDR wurde weniger "planmäßig realisiert" als in der BRD. Von Plänen und Planwirtschaft wurde zwar viel geschwätzt, aber noch öfter wurden sie wieder geändert oder eingestampft.
>Der Stilllegungsgrund war ja auch nicht entfallen, zuletzt hatte man ja nicht mal mehr genug
> betriebsfähige Gothas, um bis zum Stadtzentrum zu fahren.
Unsinn. Man fuhr zuletzt Cossebaude-Wölfnitz, weil die Hamburger Straße wegen der laufenden Erneuerung gesperrt war. Dazu hatte man extra an der Cossebauder/Warthaer Straße den Knoten aufwendig provisorisch umgebaut. Die Freiberger Straße war zu dieser Zeit wegen Bauarbeiten ebenfalls langfristig gesperrt, d.h. ins Stadtzentrum wäre man nur mit einer doppelten Umleitung über Löbtauer Straße gelangt. Eine solche Linienführung war wenig sinnvoll und alleine schon vom Personalaufwand schwer zu bestücken. Außerdem war diese Strecke bereits von den umgeleiteten SL 7 und 8 belegt, zusätzlich zur 12 und abschnittsweise 2, 14 und 17.
>Aber es gab da speziell in Dresden eine erstaunliche Kontinuität.
Es gab keine Kontinuität, sondern ein ständiges hin und her (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
Plauen/Nöthnitzer Straße: Wiederaufbau 1953
Nossener Brücke (ca. 1960): ohne Straßenbahn, ohne Trassenfreihaltung
Stillegung Lennéplatz - Zschertnitz ca. 1965, aber Plan Neubau Ackermannstraße - Zellescher Weg - Südvorstadt
Dieser wurde nicht realisiert, stattdessen Erneuerung und Wiedereröffnung der Strecke 1976.
Ostra-Allee (Julian-Grimau-Allee): Wiederaufbau 1969
Nord-Süd-Achse: Wiederaufbau (quasi Neubau): ca. 1968-74
Budapester Straße (ca. 1970): ohne Straßenbahn, aber mit Trassenfreihaltung Brücke und Mittelstreifen
Carolaplatz-Köpckestraße-Neust. Markt: ca. 1975, Neubau
Diese galt lange als Ersatz für die stillzulegende Innenstadtstrecke Neust.Markt - Postplatz, aber auch hier konnte sich letztlich die Straßenbahn behaupten. Nur Neustädter Markt-Albertplatz (Pl.d.Einheit) wurde zur reinen Fußgängerzone.
Dresden - Freital, Stillegung 1974 (neuer Fahrplan mit Umstellung auf Tatra war schon veröffentlicht...)
Als kurzfristiger Grund galt auch hier die S-Bahn, im Vergleich zu Cossebaude ist allerdings tatsächlich der Eisenbahnverkehr dort wesentlich verdichtet worden.
Dresden - Kreischa, Stillegung 1977 (wenige Jahre zuvor noch Gleiserneuerungen)
Dresden - Schlachthof, lange Zeit SEV, schließlich Stillegung wegen Brückenzustand
Ausbau Dresden - Pillnitz, Erneuerung Gleise, Weichen, Fahrleitungen, neues UW um 1984. Dennoch 1985 Stillegung wegen Brückenzustand Loschwitzer Brücke ("Blaues Wunder").
Eine echte Stillegung war das bis ca. 1991 nicht: Alle Anlagen wurden erhalten, insbesondere die sonst immer sehr schnell abgebaute Fahrleitung. Lediglich die Signalanlagen hat man demontiert, da sie ohnehin auf ESA Typ Leipzig umzustellen waren. Erst nach der deutschen Einheit wurde die Stillegung der Strecke wirklich zementiert.
Neubaustrecken Prohlis und Gorbitz, 1980er Jahre
zweigleisiger Ausbau Teilabschnitte in Leuben und Reick, 1970er/80er Jahre
Dresden - Cossebaude, Stillegung 1990 (s.oben)
Erneuerung Straßenbrücke Stauffenbergallee/Prießnitzgrund, 1990er Jahre, lt. Projekt ausdrücklich für Einbau von Gleisen vorgesehen
zweigleisiger Ausbau Teilabschnitte in Niedersedlitz, Kleinzschachwitz, Reick, Mickten-Übigau, 1990er Jahre
Neubau Brücke Schlachthof/Ostra-Gehege 1990er Jahre, ohne Straßenbahn und ohne entsprechende Vorbereitung
Waldschlößchenbrücke, 1990er Jahre beschlossen mit Straßenbahn, Projekt wurde erst später geändert
Stillegung Löbtau - Altplauen - Coschütz 1998, aber Neubau Plauen - Coschütz 1999
Stillegung Johannstadt 2000
Stillegung Übigau 2002 zugunsten NBS Kaditz (indirekte Folge des Hochwassers)
Brücke Waltherstraße über DB (Rangierbf. Friedrichstadt), um 2004, lt. Projekt ausdrücklich für Einbau von Gleisen vorgesehen
Neubau Gorbitz - Pennrich 2008
Neubau extra Straßenbahnbrücke Ostra-Gehege/Messe neben der Straßenbrücke, 2011
Auch für die Waldschlößchenbrücke wurde inzwischen die Idee einer parallelen Straßenbahnbrücke geäußert.
Grüße,
Jan B.
EDIT: Zschertnitz ergänzt
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:07:30:09:21:21.