Hallo zusammen,
die Februars- bzw. Fasnachtszeit scheint in unseren Kreisen ja zu besonderer Tätigkeit im Ausland anzuregen. So fahren die einen nach Irland, die anderen lassen sich in Nordschweden einschneien und ganz harte wagten sich gar wieder nach Belgrad um im Single WL für schlappe 100 Euro ab Villach zu frieren. Viele Forenteilnehmer hingegen hätte es eher nach Rumänien und in die Türkei gezogen, um dem eigentlich geplanten "Bosphor" Abschied beizuwohnen. Doch leider kam es anders; hier nochmal zum Nachlesen: [
www.drehscheibe-foren.de]
So mussten zwangsläufig die meisten die Tour fallen zu lassen und ich hoffe ihr habt wenigstens möglichst viel von Eurem Geld erstattet bekommen. In meinem Fall hatte ich den Flug über Opodo gebucht und deren Regularien sehen eine Servicegebühr von 25 Euro vor, eine Erstattung der Gebühren hätte sich daher nicht mehr gelohnt und so hatte ich das Geld schon abgeschrieben. Bis mich am "Schmutzge Dunschtig" bzw. "Altweiberfassnacht" (andere Bezeichnungen für diesen Tag variieren nach Region) nachmittags Martin anrief und mir einen Flug nach Istanbul für 70 Euro ab Zürich empfahl. Mit einigen technischen Schwierigkeiten liess sich dieser nach einigen Preisschwankungen auch buchen, und so machte ich mich Sonntag nachmittag auf den Weg nach Istanbul um zu retten was zu retten war.
Eines vorweg: die folgenden Fotos von Martin können mit den Qualitätsdokumenten anderer User leider nicht mithalten und dienen nur der Dokumentation und dem Trost der Nichtmitgereisten. Auch warne ich eher spartanisch, bzw. genußfeindlich eingestellte und weniger lebensbejahende User dringend vor deren Anblick. Allen anderen wünsche ich hoffentlich viel Vergnügen mit einem eher ungewöhnlichen Rosenmontag.
Doch beginnen wir erst mal mit einem Aushang aus dem Bahnhof Sirkeci:
Nach Ankunft in Istanbul wurde ich von Martin Kop. und Baron schon empfangen und gemeinsam fuhren wir mit der noch nicht eingestellten S-Bahn zum Bahnhof Hayderpasa, wo ein opulentes Abendessen die ideale Einstimmung auf die Türkei bot. Später nahmen wir die Fähre nach Karaköy, benutzen die "Tünelbahn" und nach einem kleinen Stadtrundgang folgten noch ein paar Bomontibiere, nach denen in unserem Hotel kurz darauf Nachtruhe einkehrte. Dummerweise endete diese, als gegen drei Uhr morgen mit Abrissarbeiten am gegenüberliegenden Haus begonnen wurde....
So machten wir uns morgens um 6.30 Uhr recht unausgeruht auf den Weg nach Yenikapi um die Fähre nach Bandirma zu nehmen. Gottlob hatte Martin am Vortag schon alles gebucht, sodass wir ohne weitere Verzögerungen das Schiff sofort betreten konnten. Nach dem Ablegen folgte ein kleines Frühstück (zum fotografieren war es definitiv noch zu früh) und nach zwei Stunden ruhiger Fahrt erreichten wir Bandirma.
Dort war eine Stunde Aufenthalt, die sowohl dazu genutzt wurde Proviant zu fassen, als auch mich bei einem Friseur in ein türkeitaugliches Aussehen versetzen zu lassen. Zwar durfte mein Vollbart nach längerer Diskussion erhalten bleiben, aber der Meister zog mit Schere, Rasiermesser, flambierten Wattestäbchen und diversen Duftwässerchen alle Register seines Könnens.
Danach gings mir besser und vor der Tür konnte noch der alte Bahnhof abgelichtet werden, bevor nebenan bereits unser Zug 6 "Süper Express" bereitgestellt wurde. Dieser verlässt den Bahnhof Bandirma Sehir übrigens geschoben - Belgrad lässt grüssen - und nach etwa 500 Meter wird im Bahnhofsteil "Gar" Kopf gemacht und es geht bergan Richtung Balikesir.
Es folgte eine angenehme Fahrt im Grossraumwagen (kein WR, aber eine eifrige Minibar sorgte für Gastlichkeit) über eine recht interessante Strecke und schneller als gedacht trafen wir in Izmir ein. Dort wurden wir wiederum von einem DSO-Mitglied begrüsst und "K. Malzahn" führte uns anschliessend durch die Stadt. Hier der Zug bei Ankunft in Izmir Alsancak.
Zuerst ging es am Meer entlang, wo uns ein Monumentaldenkmal an den Sieg der Türken gegen Griechenland erinnerte bis zu einem Pier an dem die Fähren des Nahverkehrs anlegen.
Dort bogen wir in die Stadt ein um eine Wechselstube ( die Preise lagen doch höher als vorher erwartet), ein Internetcafe und die Vertretung von Turkish Airlines zu suchen. Bis auf letzteres klappte alles, sodass ich ohne Check-In (online zeigte die Homepage an, dass mein Ticket nicht existiere) für meinen Rückflug verbleiben musste... es ist aber am Flughafen dann gutgeganen.
Über die Haupteinkaufstrasse Izmirs machten wir uns - nicht ohne noch etwas Shopping zu betreiben - auf den Weg zurück zum Bahnhof und hätte Martin nicht auf einer Seitengasse abseits der Touristenpfade zur Restaurantsuche bestanden, würden wir noch immer das Rotlichtviertel der Stadt suchen ;-) In diesem jedoch fanden wir ein kleines, einfaches und freundliches Lokantes (zwar führt der von uns gebuchte "Izmir Mavi Treni" einen Speisewagen, aber das Vorhandensein von Speisen ist lt. Aussage von Kai wohl nicht allzu verlässlich), wo wir mit 40 TYL inkl. Getränken exakt die gleiche Summe zahlten wie am Abend zuvor im Bahnhof Hayderpasa... in letzterem allerdings p.P. und ohne flüssiges statt wie hier komplett zu dritt.
Da uns auch die Alkoholpreise ein kräftiges Loch in den Geldbeutel rissen (die türk. Regierung hat die Alkoholsteuer in den vergangenen Jahren massiv auf 70% angehoben), entschieden wir uns zum Einkauf des begehrten Gutes an einem Kiosk nahe des Bahnhofs und verzichteten auf den Besuch des WR um unsere Devisenvorräte zu schonen. Nun also hinein in die Halle und dort wartete schon unser Nachtzug mit 2 WL. Doch zuerst noch ein Erinnerungsbild mit der aufgestellen Denkmaldampflok ;-)
Und jetzt ins Abteil, wir hatten ein Double für 66 TYL p.P. gebucht:
Selten bin ich bislang in einem derart großzügigen WL gereist und hier stimmte einfach alles. Man beachte die den Reisenden zur Verfügung gestellten Schlappen mit TCDD-Logo (hier bereits im Einsatz) und als Krönung der Reisekultur gibt es einen eigenen Kühlschrank in dem unser mitgebrachter Proviant gleich ein kühles Plätzchen fand!
Auch die Fahrt war sehr angenehm, der Wagen lief sehr ruhig und die Lampe des Waschbeckens spendete ein warmes Funzellicht. Nach einem Halt in Naldöken (der Name war uns schon auf der Hinfahrt aufgefallen, und ehrlich gesagt hätten wir diesen Ort eher im Landkreis Wesel vermutet) begannen wir mit dem Versuch die "Hagia Sophia" mit unseren bescheidenen Mitteln nachzubauen.
Aber es kam, wie es kommen musste...
So begaben wir uns gegen Mitternacht in Balikesir zur Bettruhe, nicht ohne uns zu wundern wieso der Zug für die verbleibenden 331 km noch volle 7 Stunden benötigen sollte, zumal wir für die bereits zurückgelegten 241 km gerade mal 4 Stunden gebraucht hatten. Egal: wir schliefen beide tief und fest und als wir morgens bei Licht erwachten, fühlten wir uns bei Minusgraden und geschlossener Schneedecke sofort wieder wie daheim.
In Eskisehir musste nun alles schnell gehen. Wir eilten zur Strassenbahnlinie 1, die zum Busbahnhof führt, da ich von da einen Bus nach Istanbul zum Flughafen erreichen musste. Martin hingegen konnte es gelassener angehen und mit dem Bogazici Treni per Schiene zumindest bis Arifeye fahren um abends dann noch die nicht stattfindende letzte Abfahrt des Bosphor zu betrauern. Aber davon kann er Euch dann selbst berichten...
Am Aschermittwoch war dann auch für ihn alles vorbei und es bleibt die Erinnerung an eine eindrucksvolle - wenn auch völlig zweckfreie - Reise verbunden mit dem Wunsch diese Schlafwagen auf einer weiteren Strecke Richtung Osten mal ausführlicher zu geniessen. Ich hoffe der Bericht hat halbwegs gefallen und bedanke mich noch bei unseren Mitusern "Baron" und "K.Malzahn" für die interessanten Gespräche und die investierte Zeit uns zu begleiten.
Beste Grüsse an alle da draussen, die nicht mitfahren konnten.
Erik
P.S. Ich glaub ich hab´noch was für unsere Nummernfreaks vergessen.....
Und als gar nichts mehr half, tranken wir den Rest dieser Flasche halt auch noch ;-)
Edit: noch ein, zwei Rechtschreibfehler ausgemerzt
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:02:24:22:52:09.