Zwei Reiseberichte in einem Beitrag:
1) Die zweite Reise nach Brasilien (Guaruja und Sao Paulo) in 2011
1a) Brasilien - Hafenbahn von Guaruja
1b) Hinflug nach Sao Paulo
1c) Automatisierte Metro Linie 4
1d) Umsteigestationen Se, Bras, Luz und Barra Funda
1e) Fahrt in CPTM-Zügen auf den Linien 8 und 9
1f) Depot der Metro-Linie 1 in Jabaquara
1g) Rückflug nach Deutschland
2) Die Reise nach Warschau während der Umleitung über die Ostbahn
2a) Berlin-Warschau im EC BWE über Kostrzyn
2b) Warschau Metro und Tram
2c) Rückfahrt mit EuroNight Jan Kiepura via Kostrzyn
Ich bin mit Sicherheit kein professioneller Photograph, das ist auch nicht meine Priorität. Wenn man als Reisender ein wenig um die Welt kommt, dann knipse und probiere gerne den einen oder anderen Zug.
Wie bereits erwähnt, so meine ich, dass der Bahnverkehr in Brasilien eine schwierige Angelegenheit ist. Sao Paulo kann ein stark wachsendes Netz aus Regional- und U-Bahnlinien vorweisen. In anderen brasilianischen Städten sieht es mit Bahnverkehr eher mau aus. Fernverkehr existiert quasi gar nicht mehr. Eine Katastrophe, denn dank der überhitzten Wirtschaft steigen die Flugpreise im Binnenverkehr auf unerträgliche Weise. Mit 4 Wochen Vorlauf muss man für einen Hin- und Rückflug zwischen Rio und Sao Paulo bei GOL oder TAM gut EUR 400,- hinlegen - für eine magere Entfernung von 350 Kilometern. Flüge existieren im 30-Minuten Takt, aber es reicht trotzdem nicht aus.
Wieso ein solches Land zwischen diesen beiden Metropolen keine Bahnverbindung anbietet, ist Testament für absolute Fehlplanung.
Buse sind in meinen Augen keine wirkliche Alternative. Jeweils zwei Stunden sass ich in einem sog. VIP Bus zwischen Sao Paulo und Guaruja. Die Lüftung funktionierte nicht, so dass die Fahrt eine schwitzige Angelegenheit wurde.
Die erste Reise nach Brasilien in 2011 kann hier betrachtet werden. [
www.drehscheibe-foren.de]
1a) Brasilien - Hafenbahn von Guaruja
Beginnen wir zunächst mit der Hafenstadt Guarujá, die etwa 2 Busstunden südlich von Sao Paulo am Atlantischen Ozean liegt.
Im Sommer ist natürlich Regenzeit!
Guarujá kann eine interessante Hafen- und Güterbahn vorweisen. Leider verkehrt keine Personbahnverkehr zwischen Sao Paulo und Guarujá, so dass man auf den Bus angewiesen ist, der sich die Serpentinen hinunter quält.
ÖPNV-Karte für Guarujá (im Norden der Hafen mit der Bahn, im Süden der Strand):
Zu den u.g. Loktypen und Cargo-Betreibern kann ich leider nur wenig sagen. Kommentare sind gerne gesehen.
Bahntechnisch ist Brasilien ein schwieriges Pflaster, so dass ich froh war, überhaupt diese Güterzuge zu photographieren.
Der Strand von Guarujá während der Regenzeit:
Die Innenstadt von Guaruja - es ist Weihnachten!
Das war der Ausflug nach Guaruja. Jetzt folgen weitere Bilder vom Moloch Sao Paulo.
1b) Hinflug nach Sao Paulo
Los ging es mit dem ICE über die verregnete Saaletalbahn.
Ich nahm den Direktflug von München nach Sao Paulo. Obwohl ich kein Fan von Lufthansa auf der Langstrecke bin,
biss ich hier gerne in den sauren Apfel. Lieber wäre ich nach Sao Paulo mit TAM oder Singapore Airlines geflogen.
Beim Lufthansa Airbus A340-600 befinden sich die Toiletten im Keller, die muss man erst einmal finden.
Die Bar befindet sich auch im Keller und ist mit Softdrinks und Brezel-Tütchen bestückt. Nach 10 von diesen Tütchen
meldet sich garantiert der Bauch.
Ankunft in Sao Paulo Guarulhos:
Sao Paulo im Dezember verspricht warmes und regnerisches Wetter. Die Sonne steht Mittags mit fast 90 Grad im Zenit.
Hochstehende Sonne im Dezember in Sao Paulo (Sommer Südhalbkugel):
Hochstehende Sonne im Juli in Dubai (Sommer Nordhalbkugel)
1c) Automatisierte Metro Linie 4
Die gelbe Metro-Linie 4 wurde in 2010 eröffnet und verbindet den Zentralbahnhof Luz mit der CPTM Station Pinheiros im
Südwesten von Sao Paulo. Die Züge fahren automatisiert. Die Stationen erinnern mich stark an die Linie 14 in Paris.
Einige Stationen auf der eröffneten Strecke sind noch nicht im Betrieb, so ähneln also Geisterbahnhöfen a'la Nord-Süd S-Bahn in Berlin.
Lüftungsschacht der Linie 4:
Station Faria Lima der Linie 4 :
Alles neu und sauber in Sao Paulo:
Im Zug der Metro Linie 4:
Führerstand ohne Fahrer:
Der Tunnel mit dem Geisterbahnhof Fradique Coutinho:
Die Umsteigestation Paulista, wo ein langer Tunnel zur Station Consolacao der Linie 3 umsteigen können.
Die Linie 3 fährt im Westabschnitt unter der Prunkmeile Avenida Paulista.
Transfertunnel Linie 4 und Linie 3:
Jetzt geht es hoch auf die weihnachtliche Avenida Paulista:
Hier gibt es sogar eine Eisenbahn zu bewundern:
Es scheint sogar!!! (allerdings nur Schaum)
1d) Umsteigestationen Se, Bras, Luz und Barra Funda
Weiter geht es in Richtung Se. Diese Beton-Station liegt in der Mitte des historischen Zentrums von Sao Paulo.
Sie ist ein Kreuzungs-Turmbahnhof zwischen der Linie 3 und Linie 1.
Unter diesem gruseligen Platz liegt die Station Se:
Weiter geht es nach Bras (riesige Beton-Transferstation zwischen CPTM und Metro Linie 3)
Weiter geht es nach Luz (auch eine wichtige Transferstation im klassischen Stil zwischen CPTM und den Metro Linien 1 und 4)
Weiter geht es nach Barra Funda (wiederum eine extrem grosse Beton-Transferstation zwischen CPTM und Metro Linie 3)
1e) Fahrt in CPTM-Zügen auf den Linien 8 und 9
Mit einem älteren CPTM-Zug fahre ich Richtung Westen auf der Linie 8 Richtung Itapevi:
Die Fenster lassen sich öffnen:
Werbung für Dampfloks?
Die Bahnhöfe von CPTM StuS:
CPTM StillstandsManagement:
Im Bahnhof Presidente Altino laufen die CPTM Linien 8 und 9 zusammen. Hier befindet sich auch ein großes Depot der CPTM.
Mind the Gap!
Weiter geht es mit der CPTM Linie 9 Richtung Süden nach Grajau. Die Trasse verläuft östlich entlang des Flußes Rio Pinheiros, welches
Sao Paolo in einer Tangente westlich durchschneidet.
Die Trasse mit Blick in Westen:
Hier zeigt sich Sao Paulo von seiner hässlichen Seite.
Mitten im Gleisdreieck zwischen Linie 8 und 9 befindet sich ein Gefängnis.
In der CPTM Station Hebraica-Reboucas steige ich aus.
1f) Depot der Metro-Linie 1 in Jabaquara
Hier sind noch einige Photos vom Metro-Depot Jabaquara in der Nähe vom nationalen Flughafen Sao Paulo Congonhas.
Jabaquara ist die südliche Endstation der Metro Linie 1, die Sao Paulo in der Mitte von Norden nach Süden durchquert.
Die Trasse verläuft unterirdisch. Das Depot liegt aber oberirdisch.
1g) Rückflug nach Deutschland
Nach einer tollen Zeit in Sao Paulo ging es bald wieder in Richtung Deutschland:
Abschied nehmen am Flughafen Guarulhos:
Eine nagelneue Singapore Airlines Boeing 777-300ER aus Barcelona! Das wäre richtig genial gewesen - von Sao Paulo nach
Barcelona zu fliegen, um dann weiter mit dem Trenhotel zumindest in Richtung Deutschland zu fahren.
Aber leider ging diese Option nicht.
Der Lufthansa Airbus A340-600 wartet auf mich (Bus-Boarding a'la Ryanair):
Auf dem Weg von Sao Paulo nach München muss der Flieger die Innertropische Konvergenzzone passieren.
Bei Lufthansa kann ich zumindest darauf vertrauen, dass die Piloten die Tropenstürme weit umfliegen
und nicht wie Air France da einfach durchbrettern und dann vergessen, die Nase nach unten zu halten, wenn es
zum Strömungsabriss kommt.
Eines dieser Stürme bei Nacht.
Landeanflug auf München:
Frühstück in München:
2a) Berlin-Warschau im EC BWE über Kostrzyn
Die Hinfahrt erfolgte auf der Teilstrecke Berlin-Warschau im EuroCity Berlin-Warszawa-Express, die Rückfahrt ging im EuroNight Jan Kiepura im Schlafwagen.
An diesem Wochenende wurde bei Frankfurt/Oder irgendeine Brücke gesperrt, so dass der Verkehr die Dieselstrecke von Berlin nach Kostrzyn nutzen musste.
In Kostrzyn am unteren Bahnsteig stand der Saratov-Express in Richtung Berlin.
Weiter ging es mit 40km/h nach Rzepin. Der Zug war schon +30 Minuten verspätet. Das BordRestaurant war nicht bewirtschaftet
und abgeriegelt.
Hier ist das Video, das die Fahrt von Kostrzyn nach Rzepin dokumentiert:
In Rzepin stiegen Grenzbeamte zu einer Schengen-internen Kontrolle zu:
Östlich von Rzepin wurde das BordRestaurant wieder betrieben, von 4 Wars Mitarbeitern. Essen und Trinken kosteten EUR 8,-.
Poznan Glowny gleicht einer riesigen Baustelle:
In den renovierten Abteilwagen vom Berlin-Warszawa-Express:
20 Minuten vor Warschau endete die Fahrt im BWE plötzlich im Bahnhof Blonie - eine schreckliche PU mit einem Radfahrer
vor uns. Unser Zug war nicht betroffen. Den Reisenden wurde einsprachig in Polnisch empfohlen, irgendeinen Bus ab Plonie
zu nutzen. Da ich es nicht eilig hatte und erst 5 Stunden später in Warschau verabredet war, blieb ich im Zug.
Irgendwie musste die Garnitur ja nach Warschau kommen, um zum EC 42 zu wenden.
Im Bahnhof Blonie:
Der Regio Express Mewa aus Stettin wurde auch gewendet.
Wie zu erwarten wurde die Husarz-Lok gewendet und der Zug fuhr zurück in Richtung Poznan.
Kurz vor Lowicz bog der Zug in Richtung Südosten ab und bewegte sich weiter Richtung Skierniewice.
Obwohl als elektrifizierte Hauptbahn ausgezeichnet, empfand ich den Streckenzustand als erbärmlich. Der Zug
fuhr bis Warschau nie mehr als 40km/h.
Die Reisenden auf den Bahnsteigen staunten nicht schlecht, dass sich ein Zug mit der Aufschrift "Berlin-Warszawa-Express"
hierher verirrt hat.
Die Verspätung wuchs und wuchs. Das RIS aktualisierte fortan die Verspätungsprognose.
Wir erreichten Skierniewice, welches auf der Hauptstrecke Lodz-Warszawa liegt. Bis zur Einfädelung der CMK wurde fleissig an den Gleisen gebaut und Schallschutzwände aufgestellt.
Einfädelung der CMK auf die Hauptstrecke Lodz-Warszawa:
Mit fast 4 Stunden Verspätung (kurz nach 16:00) erreichte der EC nun Warszawa:
Laut Zeitungsberichten wurde die Hauptstrecke nach dem PU um 14:30 wieder freigegeben, so dass die Umleitung
über Skierniewice letztendlich unnötig war.
Mittlerweile war es schon dunkel. Neben Warszawa Centralne befand sich jetzt diese neue Shopping-Mall. Im Hintergrund ganz oben ist die Spitze vom IC Hotel zu sehen.
Sicht auf dem IC Hotel (in unmittelbare Nähe zum Hauptbahnhof) am nächsten Tag:
Das IC Hotel (sehr zu empfehlen) von draussen:
2b) Warschau Metro und Tram
Ein paar Bilder von Warschau (Metro, Tram und der Bahnhof Warszawa Gdanska)
2c) Rückfahrt mit EuroNight Jan Kiepura via Kostrzyn(Gr)
Zurück ging es mit dem EuroNight Jan Kiepura im Schlafwagen. Ich hatte wieder von pfeiffenden Schlafwagen erwischt. Irgendwo
im Lüftungssystem muss der Wurm drin sein, denn es pfeifft die ganze Zeit auf hoher Frequenz.
Der EuroNight war etwa 15 Minuten verspätet, da ein defektes BordRestaurant ausgereiht werden musste. Da ich genug gegessen hatte,
war das nicht weiter tragisch. Ich würde sowieso nie im Leben darauf vertrauen, einen Speisewagen im Zug zu haben.
Ein paar Bilder vom Inneren des Jan Kiepura (Single Schlafwagen-Abteil):
Wir trafen alsbald in Kostrzyn ein. Ein DB ERS Mitarbeiter hechelte die ganze Zeit um den Zug, um das Rangieren zu koordinieren.
Noch im Bahnhof Kostrzyn wurde die DB Diesellok hinten angekuppelt. Dann wurde der Zug etwa 500 Meter nach Norden vom Husarz gezogen.
Diese wurde dann abgekuppelt und über die Verbindungskurve im Nordwesten des Bahnhof fuhren wir dann in umgekehrter Richtung auf die Ostbahn Richtung Grenze.
Auffallend ist, dass die ZUBs von PKP IC das grelle helle Licht im Sitzwagen Warschau-Amsterdam die ganze Zeit anlassen.
Erst der DB ERS erlöst ab Grenze die Leiden der Fahrgäste und schaltet das Licht komplett aus.
Im Schlafwagen um 1:01
Das war es zunächst. Mehr gibt es nicht mehr zu berichten.
Liste aller Reiseberichte (chronologisch sortiert):
Aug 2007: DB NachtZug Elk-Berlin: [
www.drehscheibe-foren.de]
Sep 2009: Im Nachtzug zum Goldstrand/Singapore: [
www.drehscheibe-foren.de]
Apr 2010: Ukraine Nordroute: [
www.drehscheibe-foren.de]
Apr 2010: Ukraine Südroute: [
www.drehscheibe-foren.de]
Okt 2010: Nachtzug EN Basel-Minsk: [
www.drehscheibe-foren.de]
Okt 2010: Nachtzug CNL Schweiz: [
www.drehscheibe-foren.de]
Okt 2010: Nachtzug CNL München-Amsterdam: [
www.drehscheibe-foren.de]
Okt 2010: Nachtzug EN Metropol: [
www.drehscheibe-foren.de]
Dez 2010: High-Speed-Spain Barcelona-Lleida[
www.drehscheibe-foren.de]
Dez 2010: Von New York Central nach Stamford, CT [
www.drehscheibe-foren.de]
Feb 2011: EuroNight Jan Kiepura Poznan-Seattle: [
www.drehscheibe-foren.de]
Feb 2011: Talgo Seattle-Vancouver: [
www.drehscheibe-foren.de]
Feb 2011: Eisenbahn auf Hawaii: [
www.drehscheibe-foren.de]
Mär 2011: Nachtzug San Francisco-Denver: [
www.drehscheibe-foren.de]
Jul 2011: Schlafwagen Shanghai-Peking: [
www.drehscheibe-foren.de]
Jul 2011: Velaro Peking-Shanghai: [
www.drehscheibe-foren.de]
Aug 2011: Velaro Peking-Tianjin und Metro Dubai [
www.drehscheibe-foren.de]
Aug 2011: Eisenbahn um Washington, Sao Paulo und Boston: [
www.drehscheibe-foren.de]
Okt 2011: Mit der Bahn nach Lvov, Kiev, Peking und Yanqing [
www.drehscheibe-foren.de]
Nov 2011: Nach Limoges mit CNL, Teoz, Teoz Eco und TGV Alleo [
www.drehscheibe-foren.de]
7-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:01:21:21:50:59.