Hallo,
ich wurde durch den Tip eines Freundes auf die Diskussion hier gerade aufmerksam. Nun ich zähle zu einem der Reiseteilnehmer, die im Dezember 2003 mit Bernd Seiler (Farrailtours [
farrail.net]) nach Nordkorea eingereist sind. Inklusive eines versteckten Journalisten, der sein Material später an versch. Fernsehsender verkaufte, die daraus eine stark verfälschten Bericht "strickten". Allein diese Erfahrung öffnete mir die Augen, wie viel uns Medien teilweise vorgaukeln können und man selbst zum Spielball wird. So wurde ein von uns gecharterter Dampfzug kurzerhand vom Sprecher zum regulären Dampfzug erklärt, der wegen Strommangel mit Dampf bespannt werden musste. Von den uns anschliessend folgenden zwei, mit Eloks der Klasse "roter Fahne" bespannten 12 Wagen langen Schnellzügen viel kein Wort.
Nun derzeit schlagen die Wellen hoch um die Lage in der DPRK. Und atomares Aufrüsten verurteile auch ich egal um welches Land der Erde es sich handelt. Aber man sollte auch das ganze genau betrachten.
Es gibt Missstände in der DPRK ohne Frage. Aber gab und gibt es diese anderen Ländern die sich mittlerweile in die Rige der Atommächte reihen nicht? Was man manchmal selbst von ansich seriösen Medienquellen über Länder erfährt, die sich verschlossen geben, eine andere Politik verfolgen, oder einfach eine uns schwer zugängliche Kultur haben, ist teilweise haaresträubend, politisch beeinflusst und schlichtweg falsch.
Ich selbst habe Nordkorea nicht als tristes, ödes Land erlebt. Zumal es im Winter in jedem Land diser Erde braun, weiss, grau aussieht (so halt auch im besagten Fernsehbericht). Die Menschen denen wir begegneten, waren durchweg freundlich, neugierig und aufgeschlossen. Klar ist es schwer Kontakt auf zu nehmen. Aber es ist mittlerweile nicht mehr unmöglich. Oft schämt man sich seiner Situation und Armut wegen und desshalb wird auch oft versucht vieles zu verstecken. Aber dies erlebte ich genauso oft in China oder anderen Ländern.
Um die Politik und Strukturen des Landes in groben Zügen zu verstehen, sollte man sich mit der koreanischen Geschichte intensiv befasst haben. Auch mir ist bis zum heutigen Tage vieles schleierhaft und unergründlich geblieben. Wir sahen aber auch viele positive Ansätze (neue Märkte, Kleidung, Kioske, Fahrräder etc.), die auf eine langsame Öffnung schliessen lassen.
Um genau zu Beurteilen sollte man ein Land wirklich mit eigenen Augen gesehen haben. Auch wenn es nur ein Blick durch einen Türspalt ist. Ein Blick von einem Satellit, einem Fernsehbericht oder aus einem Magazin, Zeitung etc. kann vieles verfälschen und ganz anderes darstellen.
Jedem der wegen der Menschenrechte nicht reist würde ich dann auch empfehlen keine Produkte (egal welcher Natur) made in China, India, Korea, Afrika.....mehr zu kaufen und konsumieren. Hier wird man dann aber sicher einige Einschänkungen von Lebensgewohnheiten hinnehmen müssen.
Ein Tip. Wer an Nordkorea interessiert ist sollte sich einfach einmal einer Reise (Farrailtour im April z.B) anschliessen und selbst ein Bild machen. Schädigen wird man damit niemandem. Im Gegenteil man gibt zu erkennen, dass man die Bevölkerung dort nicht ganz alleine lässt, interesse an ihrem Land hat und nicht nur mit dem Finger auf sie zeigt, oder sie wie eine Amöbe unter dem Mikroskop betrachtet.
Einreisen sind derzeit fast nur über die Grenzübergänge in Dandong/Sinijui und wie bereits erwähnt, von russischer Seite her möglich (per Bahn zweimal die Woche). Per Flugzeug gibt es eine Direktverbindung nach Pyongyang auch alle zwei Tage von Beijing aus.
Grüsse
Till Mosler