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[ZM] Vom Aufpasser am Stellwerk zu DB Schenker Rail Automotive

geschrieben von: Frank Dampf

Datum: 24.05.12 09:36


Hallo,
aus der heutigen Sächsischen Zeitung:

"Der weite Weg von BMW nach China

Von Michael Rothe
Der Dresdner Jens Nöldner managt die Containerzüge mit Autoteilen aus Leipzig –und weitere 250 Züge in Europa. Ein Ossi, der es geschafft hat.

Das hätte sich Ex-Reichsbahner Jens Nöldner im Herbst 1989 nicht träumen lassen: Er mal einer der gesamtdeutschen Güterbahnchefs und verantwortlich für den Transport von Westautos rund um die Welt? Am 4. Oktober 1989, gerade ein Jahr im Job, war er noch Aufpasser am Stellwerk Reick gewesen, als die drei Züge mit den DDR-Botschaftsflüchtlingen aus Prag durch Dresden gen Westen ratterten. Nöldner hatte Feierabend. Doch aus Angst, aufgebrachte Dresdner könnten aufspringen, hatte die Bahn im Auftrag der SED-Obrigkeit alle Kräfte mobilisiert. Ob die wollten oder nicht.

Nächste Woche nimmt der Streckenposten von einst im Chefsessel der DB Schenker Rail Automotive GmbH Platz, die den Schienengüterverkehr der Deutschen Bahn für die Autoindustrie bündelt. Im Netz der europäischen Nummer eins fahren täglich bis zu 250 Züge Ersatzteile und fertige Fahrzeuge.

Der 48-jährige Dresdner ist einer der wenigen Ossis, die es nach der Wende auf einer Konzern-Karriereleiter ganz weit hoch geschafft haben. Auf dem Weg gab es Trainingsprogramme, Stationen wie der Güterbahnhof Dresden-Friedrichstadt und Ortswechsel wie nach Hannover. Heute wohnt er mit Lebensgefährtin und vier Kindern nahe Frankfurt am Main. „Ich freue mich immer, wenn ich nach Dresden komme“, sagt er. „Aber von Heimweh zu reden wäre übertrieben.“

Nöldner ist Eisenbahner mit Leib und Seele – wie Großvater, Vater, Cousins. Der Absolvent der Verkehrshochschule Dresden gilt als Fachmann. Einer, zu dem auch Konzernbosse aufschauen. Und nicht nur, wenn er am Rednerpult steht und neue Projekte vorstellt. Eins seiner Babys ist seit September ein täglicher Containerzug von Leipzig nach Shenyang in China. Darin: Teile für den 3er und den X1 von BMW, die im Stadtteil Dadong, im Nordosten der Fünf-Millionen-Metropole, zusammengebaut werden. Dort gibt es heute auch im übertragenen Sinn einen großen Bahnhof: In Tiexi, im Westen der Stadt, startet BMW sein zweites Werk in China, dem größten Automarkt der Welt. Konzernchef Norbert Reithofer hatte jüngst auf der Hauptversammlung erklärt: „Auch in Indien und China bewährt sich unser Grundsatz: Die Produktion folgt dem Markt.“ Mit dem neuen Werk steige die Kapazität in Shenyang auf bis zu 300000 Fahrzeuge.

Im ersten Quartal hatte BMW in China 80 000 Autos verkauft – plus 37 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Über das Jahr werde es in jedem Fall ein zweistelliges Wachstum geben, heißt es in München. Der Run auf Edelkarossen „Made in Germany“ ist so groß, dass BMW in China jede Woche einen Laden eröffnet.

Die Züge ab Leipzig, wo die 3-er-Reihe und der X1 gebaut werden, spielen bei den BMW-Wachstumsplänen eine große Rolle. DB Schenker investierte 33 Millionen Euro in das Projekt. Im einstigen Quelle-Logistikzentrum werden etwa 8000 verschiedene Bauteile aus Zulieferwerken von BMW in Empfang genommen, verpackt und als Bausätze im Container nach China verschickt. „Aus Kosten- und Logistikgründen“, sagt BMW-Sprecher Frank Wienstroth. Es sei gängige Praxis, nicht alle Teile vor Ort einzukaufen. Zum konkreten Inhalt der Container und zu Kosten will der BMW-Mann nichts sagen.

Uneingeweihte sehen nur Kisten: rot, blau, gelb. Verplombt, Tür an Tür und so nicht zu öffnen. 40 Fuß, etwa zwölf Meter, messen die Riesen – das Doppelte der Normalgröße. Ein paar chinesische Schriftzeichen sind Indiz, wo es hingeht. Die Strecke führt über 11000 Kilometer durch Polen, Weißrussland, Russland nach China – zum Großteil auf der Route der Transsibirischen Eisenbahn. „Die Strecke ist nicht überlastet“, sagt DB-Schenker-Manager Nöldner. Das verspreche reibungslosen Verkehr. Kritisch seien nur Be- und Entladen, Verzollung und der Wechsel von der Normal- auf die russische Breitspur in Brest und zurück in Zabaykalsk an der chinesischen Grenze. Der sibirische Winter mit minus 30Grad Celsius sei kein Problem. „Wenn alles klappt, dauert die Reise 21 Tage“, sagt Nöldner, der auch diese Geschicke von Kelsterbach bei Frankfurt aus steuert. Zugesagt seien 23 und Rekord 19 Tage. DB Schenker fahre selbst nur in Deutschland, das Gros der Strecke bedienten ausländische Partner.

Ost-West-Bahner Nöldner denkt schon weiter: „Ich kann mir mehrere Ziele in China vorstellen“, sagt er. Schließlich sei der Transport via Schiene doppelt so schnell wie der per Schiff und billiger als der mit dem Flugzeug. Im Idealfall gibt es einen Container-Rundlauf: etwa mit Autoteilen hin und zurück mit Elektronik zu einem anderen Kunden nach Duisburg. Noch steht die Kette nicht, bleiben die geleasten Kisten meist im Reich der Mitte.

Aber was, wenn die Chinesen mal alle BMW-Teile selbst fertigen? Lohnt dann der Containerzug? „Ich glaube nicht an ein Auslaufmodell“, sagt Nöldner. Sicher gebe es gerade „Mehrbedarf, da im neuen Werk die Pipeline gefüllt wird“. Der werde sich von sechs bis sieben auf zwei bis drei Züge pro Woche einpendeln. „Aber wir rechnen mit weiteren Kunden“, sagt der Manager. So werde geprüft, ob sich auch fertige deutsche Luxusautos derart nach Fernost transportieren lassen. Es gebe Gespräche mit russischen und chinesischen Partnern, und womöglich sei das Konzept schon 2013 umsetzbar. Neben BMW könnte es auch für den Audi A8 und den Phaeton aus der Gläsernen VW-Manufaktur in Dresden passen."

Fahrt Frei Frank

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 [ZM] Vom Aufpasser am Stellwerk zu DB Schenker Rail Automotive (747) Frank Dampf 24.05.12 09:36

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