Mahlzeit allerseits!
Die Geschichte spielte sich anno 1994 ab. In den Tagen zuvor war die Gleisverschlingung an der Rhein-Herne-Kanal-Brücke in Duisburg abgearbeitet worden, Olpe und Lemgo standen auf dem Programm. Am 08.08.1994, ein Montag, war dann wieder ein wenig Akku-Kübel-Fahren angesagt.
Über Dortmund, Wuppertal und Essen ging es nach Bottrop. Von dort nach Dorsten. Ankunft 17:29 Uhr. Planmäßige Abfahrt des Nahverkehrszuges nach Wanne-Eickel Hbf war um 17:47 Uhr. Alle Fahrgäste waren pünktlich da, Zug und Personal ebenfalls und einer Abfahrt stand nur ein rotes Signal im Wege. Das blieb auch hartnäckig auf rot.
Nach etlichen Minuten wurde unser Lokführer nörgelig und hakte über Funk nach, woran es denn jetzt hapere. Die Antwort fiel wohl ebenso pampig aus - okay, normaler Umgangston im Ruhrgebiet. Die genaue Begründung ging jedenfalls in Richtung "Störung im Betriebsablauf". In der Ferne sah man derweil ein paar Güterzüge fahren.
Unseren Lokführer nervte das. Er schimpfte vor sich hin; Tenor: Ja, ja, Güterzüge sind ja wichtiger als die pünktliche Abfahrt unseres Zuges, was natürlich nur der Ignoranz bzw. der Unfähigkeit der Fahrdienstleitung zuzurechnen sei. Wir kamen dann ein bißchen ins Gespräch, weil ich neugierig war, was denn jetzt genau los sei. Er erklärte mir ein wenig das Ganze - mit den oben schon genannten Worten und Begründungen. Dann meinte er, dass alles beschweren hier aber nicht helfe, denn:
"Dorsten ist 'ne Direktion für sich."
Er echauffierte sich weiter über die Blindgänger in der Firma und meinte, dass er äußerst ungern hier fährt - eben aus dem Grund.
Mit einigen Minuten Verspätung ging es dann aber doch noch auf die Reise. Meinen Umstieg in Wanne-Eickel Hbf Richtung Dortmund konnte ich jedenfalls durchführen. Weil in Dortmund der Heimat-IC grad weg war, ging's eben mit IC 509 "Rheinfels" (Berlin - Karlsruhe) nach Bochum zwecks IZB-Klau's, um dann mit IC 724 "Berchtesgadener Land" (Berchtesgaden - Hamburg) den Weg ins Friedensstädtchen einzuschlagen, welches 21:19 Uhr pünktlich erreicht wurde. Dieser und sein Gegenzug hatten bzgl. der gastronomischen Versorgung übrigens im Kurswagenverzeichnis ein ganz eigenes Symbol.. ;-)
Und wer die Gleisverschlingung und den Akku-Kübel und den morbiden Charme und die Endzeitstimmung in Duisburg-Ruhrort (nochmal) nachvollziehen will, sei auf [
www.drehscheibe-foren.de] verwiesen.
Der im verlinkten Beitrag genannte Alibi-Zug zwischen Laasphe und Erndtebrück stand übrigens ein paar Tage später im Rahmen einer 5-tägigen (und -nächtlichen) TMT-Kreuzfahrt auf dem Programm, in der als weitere Höhepunkte Königshütte und Cursdorf angesteuert wurden.
Hach, die gute alte Zeit ;-). Da hat man von der Nordwestbahn noch nicht mal geträumt. Mittlerweile ist sie so groß wie manch DB Regio-Direktion und hat genau dieselben Probleme wie manch anderer Großer auch...
Schöne Grüße aus der Friedensstadt Osnabrück von
jörg
Wenn Du tot bist, dann weißt Du nicht, dass Du tot bist. Es ist nur schwer für die anderen. Genauso ist es, wenn Du blöd bist. :-)))