Aktuell freut man sich in München über die Rückkehr des 420 001 in den aktiven (Sonderzug-) Dienst sowie die Jubiläums-Beklebung „40 Jahre S-Bahn“ an 420 089/589 – siehe z.B. hier:
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www.drehscheibe-foren.de]
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Das hat mich darauf gebracht, mal die „Bilderkiste“ hervorzukramen (Scans leider nur vom Papierabzug) und dem Start des Münchner S-Bahn-Betriebs sowie zeitgleich des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV) zu gedenken. Der MVV war nach dem bereits 1965 gegründeten Hamburger Verkehrsverbund (HVV) in Deutschland das zweite Verbundnetz, bei dem Tarife und Fahrpläne abgestimmt bzw. vereinheitlicht wurden ... klingt heute, wo fast jede Region über abgestimmte Fahrpläne und einheitliche Fahrscheine für Busse&Bahnen unterschiedlichster Verkehrsträger verfügt, wie eine Selbstverständlichkeit, war aber damals neu und (nach der Hamburger Pionierleistung) der zweite Antritt im Bundesgebiet, den Nahverkehr attraktiver zu machen. München war damals durch die Vergabe der Olympischen Spiele an die bayerische Landeshauptstadt "begünstigt", denn wegen dieses Termins mußten S-Bahn- und U-Bahn-System "stehen", d.h. bis August 1972 ein leistungsfähiges (v. a. neues unterirdisches) Nahverkehrsnetz im Verbund von Bundesbahn und Stadtwerke München/Verkehrsbetriebe geschaffen werden. Damals gab es noch keine Powerpoint-Präsentationen und Smartphone-Ablenkungsspielchen, sondern robuste Großrechner mit der dahinter noch stehenden Reißbrett-Notfall-Lösung (neudeutsch "Backup") sowie solide Netzplantechnik für die verzahnte Abwicklung von Großbauvorhaben ... eine Blamage wie beim neuen Berliner Flughafen wäre undenkbar gewesen und hätte das Bild der Deutschen in der Welt nachhaltig zerstört. Andererseits wurde von langer Hand geplant - 1967 wurde in Münchens Innenstadt die "Röhre" der S-Bahn-Tunnel-Stammstrecke in Angriff genommen, und bereits ein Jahr zuvor zuvor die Nord-Süd-Strecke der U-Bahn ausgehoben (bzw. der alte Tunnel Sendlinger Tor - Goetheplatz von Ende der 30er Jahre restauriert). Da Solidität, Verläßlichkeit und Rechtschaffenheit noch höchst respektierte Werte waren, und man sich auch ganz selbstverständlich fast rund um die Uhr ins Zeug legte (gut - das wird heute auch gemacht bei Projektteams, die einen CFK-Airbus A350 oder andere Innovationen stemmen), hat der ins Auge gefaßte Eröffnungstermin Mai 1972 für die S-Bahn-Tunnel-Stammstrecke (und alle Zufahrtsstrecken, alle neuen Triebzüge etc. pp.) und den Verkehrs- und Tarifverbund geklappt:
Der damalige OB Dr. Hans-Jochen Vogel hatte in seiner Eigenschaft als MVV-Aufsichtsratsvorsitzender eine große Zahl von Gästen am 26. Mai 1972 - zwei Tage vor dem eigentlichen Fahrplanwechsel - "zur festlichen Eröffnung des Verbundverkehrs in Stadt und Region München" für 9.30 Uhr auf den Marienplatz eingeladen. Neben den üblichen Ansprachen war dann die Überreichung von (antriebslosen) Röwa-Sondermodellen des ET 420 auf einem Holzsockel bereits ein Höhepunkt für den Eisenbahnfreund: Im Bild von links nach rechts OB Vogel, der damalige 1. Präsident der Deutschen Bundesbahn Wolfgang Vaerst sowie der damalige bayerische Staatsminister für Wirtschaft und Verkehr, Anton Jaumann ... ob die ihre Sondermodelle noch haben?
Die Festgesellschaft bestieg dann im UG zwei jeweils dreiteilige 420-Sonderzug-Garnituren, und über den Ostbahnhof und den Nordring ging es zunächst zum damals ebenfalls gerade so fertig gestellten Kopfbahnhof Olympiastadion (Oberwiesenfeld), den die Festgäste ausgiebig begehen und bewundern durften. Ja – heute sieht’s da gar nicht mehr gut aus.
Anschließend wurde die Festgesellschaft mit Sägefahrten nach Planegg zur Heide Volm-Großgaststätte gebracht - im Bild links die beiden MVV-Geschäftsführer Nikolaus L. Meyer und Walter Layritz im angeregten Gespräch mit (ebenfalls von rechts nach links) dem 1. DB-Präsidenten Wolfgang Vaerst, seinem kurz zuvor aus dem aktiven Dienst geschiedenen hochverehrten Vorgänger Prof. Dr. Heinz-Maria Oeftering (geb. 31.08.1903 in München, gest. 18.05.2004 in Frankfurt am Main) und dahinter nahezu ganz unscharf dem nachmaligen Münchner OB Georg Kronawitter.
Der erste Verbundfahrplan galt vom 28.05. bis 30.09.1972 und schloß die Spiele der XX. Olympiade mit zahlreichen Sonderverkehren ein - die mit 140.8 in Zugmitte bespannten "Jumbo-Züge" (jeweils acht Silberlinge vorn und hinten) zum Bahnhof Olympiastadion (Oberwiesenfeld) sowie die zur Ackermannschleife (Haltestelle "Olympiapark Süd") verkehrenden Tram-Sonderlinien X, Y und Z. Leider hat der erste MVV-Fahrplan diese Sonderverkehre nicht in seinen Tabellen aufgeführt ... aber was gab's damals denn (noch bzw. bereits) an normalen Linien für die Schienenfahrzeuge im Verbund:
U 3 Olympiazentrum - Goetheplatz, U 5 (!!!) Münchner Freiheit - Goetheplatz und U 6 Kieferngarten - Goetheplatz;
S 1 Freising - Kreuzstraße, S 2 Petershausen - Holzkirchen, S 3 (Nannhofen -) Maisach - Ismaning, S 4 Geltendorf - Ebersberg, S 5 Herrsching - Ostbahnhof, S 6 Tutzing - Erding, S 10 Wolfratshausen - Holzkirchner Bahnhof, S 12 Pasing - Mittersendling - Deisenhofen (- Holzkirchen) und S 22 (Holzkirchner Bahnhof - Mittersendling - Deisenhofen (- Holzkirchen);
Tram 1 Moosach Bf - Steinhausen, 2 Scheidplatz - Waldfriedhof (Fürstenrieder Straße), 4 Hanauer Straße - St. Veit-Straße, 7 Petuelring - Schwanseeplatz, 8 Scheidplatz - Fürstenried West, 9 Gondrellplatz - Cosimapark, 13 (und E 13) Hasenbergl - Scheidplatz, 14 Ostbahnhof - St. Veit-Straße, 15 Maximiliansplatz - Großhesseloher Brücke (-Grünwald), 17 Amalienburgstraße - Wettersteinplatz, 18 Sendlinger Tor - Ratzingerplatz, 19 Pasing - Lorettoplatz, 20 Cosimapark - Fürstenried West, 21 Amalienburgstraße - Ostbahnhof, 23 Harthof - Scheidplatz, 24 Ostbahnhof - Neuperlach, 25 Maximiliansplatz - Grünwald, 27 Moosach Bf - Schwanseeplatz, 29 Willibaldplatz - Lorettoplatz.
Interessant sind, neben der Vielzahl der mehrheitlich in den 70er Jahren eingestellten Straßenbahnlinien, die damaligen Endpunkte bzw. auch die (hier nicht dargestellten) Linienwege, eben auch bei den S-Bahn-Linien. Dann schaun mer mal, was sich bis zum 50jährigen Jubiläum von MVV und Münchner S-Bahn-Verkehr noch alles so verändern wird, und blicken in zehn Jahren wieder zurück!
Grüße
makna