Diesen Beitrag widme ich Ulf Haller, der diesen Sommer tödlich verunglückt ist. Ohne sein Organisationstalent wäre diese Sonderfahrt sicher nicht zustande gekommen.
Eigentlich hatten wir vom Eisenbahnclub ADLER geplant, wie jedes Jahr im November eine Fahrt mit dem Gläsernen Zug (491 001) ab Stuttgart anzubieten. Als Ziel hatten wir Garmisch-Partenkirchen ausgewählt, und als Schmankerl sollte es einen Anschlußzug mit E 69 02 und einem oder zwei Silberlingen nach Mittenwald geben.
Doch dann kam so manches anders. Zunächst erreichte uns die Hiobsbotschaft, daß der Gläserne Zug wegen eines AW-Aufenthaltes nicht zur Verfügung stünde. Als Ersatz wurde uns von der DB ein 628 angeboten, mit dem die anderen Kunden auch zufrieden wären. Nur für uns kam der natürlich nicht in Frage ...
Da traf es sich gut, daß im November auch die „Horber Schienentage“ stattfanden. Just in diesem Jahr sollte aus Berlin der 675 anreisen. Wäre das vielleicht eine Möglichkeit? Ulf hatte schnell die nötigen Kontakte zu den Horber Veranstaltern und zur DR in Berlin geknüpft, und tatsächlich, für den 21.11. war noch keine Fahrt geplant. Auch für Fahrzeugmiete und Anteil an den Überführungskosten bekamen wir einen gerade noch akzeptablen Preis, so daß wir begeistert zusagten.
Doch dann kam die Ernüchterung und für uns die nächste Hängepartie: Kaum ein Berliner wollte eine Mehrtagesfahrt im November in die schwäbische Provinz buchen! Letzten Endes klappte es dann aber doch, allerdings vor allem deshalb, weil unsere Fahrt ausverkauft war. Am Abend des 18.11. sollte der Schnelltriebwagen in Horb eintreffen und anschließend zur Übernachtung nach Tübingen fahren.
Die Ankunft des Zuges wollte ich mir trotz Dunkelheit nicht entgehen lassen. Außerdem wollte Ulf sicherstellen, daß der Zug auch wirklich da ist ...
Mit etwas Verspätung traf der Zug tatsächlich in Horb ein. In Stuttgart-Nord hatte das Personal die Landkarte zu Rate gezogen, ob die Richtung auch stimmte:
Nach kurzem Aufenthalt verließ der VT Horb wieder und verschwand in der Dunkelheit. Aber von Gleis 1 kommt man doch nicht nach Tübingen?!
Als ich Ulf am nächsten Tag die erfolgreiche Ankunft meldete, hatte dieser schon die Nachricht, daß der Triebwagen nach Eisenach zurückgefahren sei!
Was war geschehen? Auf der Fahrt nach Horb hatte ein Triebkopf einen Getriebeschaden erlitten. Die Reichsbahner wollten sich im „Westen“ keine Blöße geben und steuerten das nächstgelegene DR-Bw an, um den Schaden zu beheben. Für uns ging damit die Hängepartie weiter ...
Am 20.11. sollte eine Fahrt für die Teilnehmer der „Horber Schienentage“ zum Bodensee stattfinden. Zwischen Feierabend und Einbruch der Dunkelheit fuhr ich zum Kloster Birnau, um dieses seltene Motiv auf den Film zu bekommen:
Hurra, der Triebwagen war tatsächlich wieder da!
Am nächsten Morgen stand dann unsere Fahrt auf dem Programm. Kurz vor der Abfahrt in Stuttgart Hbf:
Die Geislinger Steige erklomm der Zug mit einer Maschinenanlage, die zweite war kurz vorher ausgefallen. Doch anschließend wurde das Personal mit einer Schnellfahrt von Augsburg nach München-Pasing belohnt, bei der der Zug endlich einmal seine Höchstgeschwindigkeit erreichte.
Während kurz zuvor der Tf seinen Tacho fotografiert hatte, nahm ich den Zug beim Richtungswechsel in Pasing auf:
In Hechendorf legten wir einen Fotohalt ein:
Als wir in Garmisch-Partenkirchen ankamen, stand schon die E 69 02 bereit:
E 69 03 spielte an diesem Tag nur eine Statisten-Rolle:
Wer jetzt glaubt, die Bestellung des E 69-Zuges wäre ohne Überraschungen über die Bühne gegangen, täuscht sich gewaltig. Die DB übte sich schon im Hinblick auf die „Privatisierung“ in Kundenabwehr. So konnten wir zwar die E 69 mieten, doch die Silberlinge hätten wir nur als „Modul“ im Dreierpack bekommen. Einerseits durfte die E 69 aus Lastgründen nur zwei Wagen nach Mittenwald ziehen, andererseits waren drei Silberlinge auch entsprechend teuer. Also sann Ulf auf Alternativen. Zufällig stand gerade ein Wagen der Ulmer Eisenbahnfreunde in München, den wir günstig bekommen konnten. Dieser bot aber zu wenige Plätze. Doch woher bekam man im südlichen Bayern einen zweiten bezahl- und heizbaren Wagen? Ulf meinte, ich solle mal bei der Tegernseebahn anfragen. Dort war man über unser Ansinnen sehr überrascht. Wir waren die ersten (und blieben vermutlich die einzigen), die einen Wagen der Tegernseebahn anmieten wollten. Schließlich bekamen wir tatsächlich ein sehr günstiges Angebot und griffen selbstverständlich zu.
Hier stand also unser Anschlußzug nach Mittenwald:
Der Berliner Triebwagen in ungewohnter Umgebung und E 69 02 mit ihrem einmaligen blauen Anhang:
Fotohalt in Kaltenbrunn:
„Deutschlands höchstgelegener Intercity-Bahnhof“ Klais:
Der Grund unseres Aufenthaltes war die Überholung durch die ÖBB-1042 604:
Mittenwald war erreicht:
Jetzt schnurrte die Kleine einmal um die Wagen herum:
Während die Lok umsetzte, portraitierte ich den Wagen 48 der Tegernseebahn:
Jetzt sah der Zug etwas fotogener aus:
Noch einmal Fotohalt in Klais:
Es wurde zunehmend ungemütlicher und dunkler, so daß ich die Kreuzung mit 111 220 in Kaltenbrunn nur mit einer gewissen Bewegungsunschärfe dokumentieren konnte:
Die Heimfahrt verlief dann ohne besondere Vorkommnisse im Schutz der Dunkelheit.
Am nächsten Tag machten sich die Berliner von Horb aus auf die Heimreise. Für ein Abschiedsfoto postierte ich mich in den Weinbergen bei Besigheim:
Einen schönen Sonntag wünscht Euch
Stefan