Bevor ich zum eigentlichen Thema komme, hier ein kleiner Leserservice:
In nächster Zeit werde ich nicht dazu kommen, ein ähnliches Werk über die HzL zu schreiben. Deshalb möchte ich auf zwei gute HiFo-Beiträge von Werner und von Palatino hinweisen.
Doch nun wieder zu Amstetten - Laichingen:
Zu der Aufarbeitung des VT 30 WEG und dem Unfall des VT 31 WEG hat mir Jürgen Ranger noch folgende detaillierte Daten geliefert:
zum T 30:
20.07.1982 Br 2
29.08.1982 Motoren 140830 durch 801012639, 143936 durch 8154327, 141241 durch 801013015 und Getriebe 6872 durch 6875, 6882 durch 6852, 8299 durch 7582 ersetzt, km Std. 214.844
Hier schiebe ich nun ein Foto vom 9.9.1982 dazwischen, das den „angefangenen“ T 30 WNB im Plandienst zeigt:
27.10.1982 Getriebe 6852 durch 6878 ersetzt, km Std. 216.555
27.12.1982 Motor 8154327 + Getriebe 6878 ausgebaut, km Std. 218.816
28.01.1983 Br 1
18.04.1983 Motor 143790 defekt + verschrottet, Laufleistung 150.055 km, Motor 801012639 und 801013015 ausgebaut und auf Lager gelegt, km Std. 243740
26.04.1983 Nach Neuffen (Hauptwerkstätte der WEG) zur Modernisierung nach 218.068 km. Neue Motoren: Büssing U 11 D, 170 PS, Baujahr 1983, 801018046, 801017827, 801017806, 801018247, Neulack orange/grau/blau
29.12.1983 Abschluß der Modernisierung, Transport nach Laichingen
12.01.1984 Zurück; Probefahrt.
17.01.1984 Hauptuntersuchung, km Std. 18.362
zum T 31:
06.08.1982 Unfall: Kollission mit Lkw in Merklingen
03.09.1982 Wegen Unfall Motor und Getriebe ausgebaut, km Std. 40.000
17.12.1982 Motor 8141368 + Getriebe 6872 in Rastatt eingebaut. km Std. 40.000. Br 2
20.12.1982 Beginn der Reparatur in Werkstatt Laichingen
27.12.1982 Motor 8154327 + Getriebe 6878 bei km Std. 40.000 eingebaut
18.01.1983 Motor 162054 + Getriebe 6882 bei km Std. 40.000 eingebaut + Probefahrt
25.01.1983 in Betrieb
Demnach ist die Angabe bei Ludger Kenning widerlegt, daß T 30 am 6.8.1981 verunglückt sei.
Natürlich bestand der Fahrzeugpark der Bahn nicht nur aus Lokomotiven und Triebwagen, sondern auch aus Wagen und Rollböcken. Diese möchte ich im folgenden in Text und - soweit verfügbar - Bild vorstellen.
Zur Eröffnung stellte die Bahn fünf zweiachsige Personenwagen mit offenen Endplattformen und Lüftungsaufsätzen in Dienst. Diese hatten die Nummern
1 bis
5. Alle diese Wagen haben noch nach 1950 existiert. Auf den Bildern im 2. Teil dieser Serie (Link s. u.) und Ludgers Anhang dazu könnt Ihr diese Wagen sehen. Ursprünglich hatten alle Wagen pro Seite 10 Fenster. Der BCi Nr. 1 blieb bis zum Schluß (1963) in diesem Zustand, während die Ci Nr. 2 bis 5 später auf je 5 Seitenfenster umgebaut wurden. Der Wagenkasten des Wagens 4 stand zunächst in Machtolsheim und gelangte später im Tausch gegen einen Güterwagen-Kasten ins Jagsttal, wo er letztendlich verschrottet wurde. Der Wagenkasten des Wagens 2 stand noch einige Jahre in Merklingen herum, während die Kästen der anderen Wagen 1963 auf freier Strecke von ihren Fahrgestellen gekippt und verbrannt wurden.
1949 erwarb die WEG von der schweizerischen Brünigbahn zwei Dreiachser der Baujahre 1888 und 1889 (!), die sie mit den Nummern
6 und
7 einreihte. 1957 setzte die WEG auf die Fahrgestelle dieser Dreiachser neue Auwärter-Kästen. Jeder besaß einen offenen Übergang, so daß sie zu einer Doppeleinheit gekuppelt werden konnten und auch so eingesetzt wurden. Der Wagen 6 hatte 50, Wagen 7 nur 44 Sitzplätze und dafür eine Toilette, beide waren mit dem Gattungszeichen „B3“ beschriftet. Im Jahr 1978 wurden sie außer Betrieb genommen. Laut Ludger Kenning wurden bei dem Umbau die Wagennummern vertauscht.
Hier seht Ihr Wagen 6 WEG (links) und 7 WEG am 21.2.1977 in Laichingen.
Dasselbe Pärchen am 20.3.1977 in Amstetten,
und noch einmal in Laichingen am 20.8.1978, vorn Wagen 6.
Der alte Wagenkasten des Wagens 7 blieb zunächst in Laichingen erhalten und gelangte dann 1974 ins Jagsttal. Nach der Ausmusterung erwarb die
Jagsttalbahn auch das Fahrgestell dazu und baute beides wieder zusammen. Dabei erhielt der Wagen Radsätze mit 750 mm Spurweite. Nachdem der Museumsbetrieb im Jagsttal seit Jahren ruht (hier tat sich die Stadt Möckmühl besonders unrühmlich hervor), gelangte der Wagen als Leihgabe zur Härtsfeld-Museumsbahn (
HMB), wo er (wieder in Meterspur) weiter vervollständigt wurde:
So präsentierte sich das Schmuckstück am 3.6.2006 in Neresheim
1963 entstand der zweiachsige
VS 150 WEG mit einem neuen Auwärter-Aufbau auf einem Neubau-Fahrgestell, das die Neuffener WEG-Werkstatt zusammen mit der Nürtinger Firma Gnida gebaut hat. In seinem Aussehen ähnelt er den ungefähr gleichzeitig entstandenen normalspurigen VT 01 WNB und T 09 WEG. Die Regelpuffer sind allerdings bei ihm auch höher angeordnet für den Rollbockbetrieb. VS 150 WEG hatte vorbereitete Steuerpulte. D.h. es fehlten die Instrumente und auch ein Fahrersitz war nicht vorhanden. Man hätte ihn sogar zu einem Triebwagen ausbauen können. Im WC war ein Rohr für die Abgase vorhanden. Das erklärt auch, warum er beidseitig ein Dreilicht-Spitzensignal hatte.
Hier steht der Wagen, der eigentlich ein VB war, in Laichingen am Streckenende: Die Laichinger Seite am 21.2.1977 und ...
... die Amstettener Seite am 20.3.1977.
Detlef Schikorr nahm den Wagen am 14.10.1984 in Amstetten auf.
Nach der Stillegung der Bahn gelangte der VS 150 zur Brohltalbahn.
Von der Härtsfeldbahn kamen noch die Beiwagen 101, 103 und 253 + 254 nach Laichingen. Die Wagen 253 + 254 waren ein Pärchen, das ebenfalls aus zwei Brünigbahn-Dreiachsern entstanden war. Im Gegensatz zu den Wagen 6 + 7 wurde bei ihnen jedoch die Mittelachse entfernt. Außerdem besaßen sie Gummiwulst-Übergänge. Die Wagen kamen auf Amstetten - Laichingen nie zum Einsatz. 1976 wurden sie nach Langeoog verkauft, wofür die Wagenkästen schmaler gemacht wurden. In diesem Zustand gelangten sie schließlich nach Neresheim, wo sie bei der HMB noch auf eine Aufarbeitung warten.
Die Wagen
101 WNB und
103 WNB wurden im Winter 1954/1955 bei Auwärter in Stuttgart-Möhringen umgebaut und trafen am 17.03.1955 in Neresheim ein. Sie hatten auf vorhandenen vierachsigen Fahrgestellen neue Aufbauten erhalten. Wagen 103 sollte ursprünglich sogar zu einem VT umgebaut werden, was bis zum Schluß an den Lampen erkennbar war. Nach Stillegung der Härtsfeldbahn gelangten beide Wagen nach Laichingen. Von diesen erhielt zumindest der 103 am 7.7.1973 eine Untersuchung und kam zunächst noch in der alten creme/roten Farbgebung bei der Laichinger Bahn zum Einsatz, bevor er ca. 1976 mit einem Achsschaden abgestellt wurde.
103 WNB am 30.1.1978 in Laichingen
Bei dem 101 wird es spannend:
101 WNB am 21.2.1977, ebenfalls in Laichingen. Ich notierte mir damals:
„Nächste Untersuchung 20.9.1972“, Gattungszeichen „C4“!!). Demnach dürfte zumindest dieser Wagen vor der Modernisierung hier nicht gelaufen sein. Andererseits steht in seinen Papieren, daß auch er am 7.7.73 eine Untersuchung erhalten habe, was ich angesichts des Fotos und meiner Aufschriebe anzuzweifeln wage ...
Das Gattungszeichen „C4“ war natürlich längst (seit 3.6.1956!) abgeschafft, offensichtlich wurde aber die Umzeichnung vergessen.
Mit Datum 24.9.78 erhielt der 103 WEG eine Br2-Untersuchung und den modernen Anstrich in orange/hellgrau/blau. Rüdiger Frey hat vor ein paar Tagen in
diesem Beitrag Bilder von dem Wagen aus dem Jahr 1979 gezeigt.
Bei dem 101 WEG zog sich die Aufarbeitung mindestens von 1979 bis zur Fertigstellung am 30.4.1982 hin:
101 WEG am 14.10.1984 in Amstetten, von Detlef Schikorr fotografiert.
Nach der Stillegung der Bahn gelangten sie ebenfalls zur HMB nach Neresheim, wo der 101 inzwischen restauriert wieder im Einsatz steht:
Beim HiFo-Treffen am 3.6.2006 fotografierte ich den Wagen, jetzt als „101 HMB“ bezeichnet.
Von der Eröffnung der Bahn bis 1959 gab es auch einen kombinierten Pack- und Postwagen, der ursprünglich sogar noch ein Abteil der alten 2. Klasse (!) enthalten hat. Der Wagen hatte nur an dem Ende mit Packabteil eine Plattform mit Übergang, zum Postraum gab es entsprechend den damaligen Vorschriften keinen Durchgang. Für das 2. Klasse-Abteil bestand jedoch so gut wie kein Bedarf, so daß es recht früh ausgebaut und als Batterieraum für die Zugbeleuchtung genutzt wurde.
Der Photograph, der diese Aufnahme mit Lok 1s für das Archiv der WEG im Jahre 1903 anfertigte, hätte wohl kaum gedacht, daß heute der Packwagen das interessanteste Detail ist ...
Im nächsten Teil geht es um die Fahrzeuge des Güterverkehrs
Gruß Stefan
Literatur
empfehlenswert:
Hans-Joachim Knupfer: Schmalspurig nach Laichingen - Die Geschichte der Alb-Bahn Amstetten - Laichingen, H&L-Publikationen-Verlag Wolfgang Bleiweis Schweinfurt 2002
Ludger Kenning: Die Schmalspurbahn Amstetten - Laichingen, Verlag Kenning Nordhorn 2001
leider in Bezug auf diese Bahn sehr fehlerhaft, die Bildqualität ist auch enttäuschend:
Hermann Bürnheim: Württembergische Eisenbahn-Gesellschaft - Die Geschichte einer bedeutenden Privatbahn, Motorbuch-Verlag Stuttgart 1986
weitere Quellen:
Gerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen, Teil 5: Baden-Württemberg, Zeunert-Verlag Gifhorn 1977
Michael Kochems: Privatbahntriebwagen in Deutschland von 1990 bis heute, Drehscheibe-Sonderheft 21, Köln 2001
Lok-Report, diverse Hefte
DB-Kursbücher
eigene Aufzeichnungen (auch der Co-Autoren)
Links
Folgende Beiträge über WNB/WEG-Bahnen habe ich hier schon gezeigt:
Strohgäubahn (Korntal - Weissach): Teile
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11a 11b 12 13 14 100_Jahre_Strohgäubahn
Härtsfeldbahn (Aalen - Neresheim - Dillingen): Teile
1 2 3 4
Reutlingen - Gönningen: Teile
1 2 3
Amstetten - Gerstetten: Teile
1 2
Vaihingen-Enzweihingen
Amstetten - Laichingen: Teile
1 2 3 4