Nachdem hier kürzlich Bilder von der Strecke gewünscht wurden und ich heute etwas Zeit hatte, habe ich einmal meine wenigen Bilder von der Bahn herausgesucht.
1989, als ich zwischen Horb und Freudenstadt wohnte, wurde die Strecke nur noch bei Bedarf bedient. Also war es mit viel Ausdauer und Glück verbunden, überhaupt einmal zu Streckenaufnahmen zu kommen. Nachmittags kam von Hausach eine 212 nach Schiltach, die bei Bedarf einen Anschluß in Schenkenzell (an der Strecke nach Freudenstadt) und/oder die Strecke nach Schramberg bediente. Wenn ich also nachmittags Zeit hatte, fuhr ich nach Schiltach und schaute nach – am 6.7.1989 hatte ich dann endlich Glück.
Hier seht Ihr 212 211 auf der Rückfahrt von Schenkenzell nach Schiltach:
Für mich etwas überraschend fuhr die Lok in Schiltach auf die Schramberger Strecke. Im Hintergrund die Kirche, deretwegen das Großherzogtum Baden von Württemberg den Bau eines Tunnels verlangt hat. (Schiltach war badisch und Schramberg württembergisch – Württemberg war an einem Eisenbahnanschluß Schrambergs interessiert, der aber nur über badisches Territorium realisierbar war):
Hier ist der Rangierer gerade noch mit dem Öffnen der Schranke an der damaligen Bundesstraße beschäftigt, bevor die Lok im Tunnel verschwindet:
20 km/h Streckenhöchstgeschwindigkeit ließen trotz der beengten Straßenverhältnisse eine Verfolgung zu. Ein Stück außerhalb von Schiltach entstanden diese Aufnahmen. „Besser eine Lz als überhaupt nichts“ dachte ich mir und freute mich auf die Rückfahrt mit Zug ...
Bei Hinterlehengericht war es ziemlich eng:
In Schramberg erwischte ich die Lok zunächst in einer etwas schattigen Position:
Endlich hatte die Lok auch Güterwagen am Haken, ...
... die sie sogleich in einen Gleisanschluß schob:
Wenig später kam die Lok allein zurück. Beachtet auch das Grünzeug auf dem Umlauf!
Auf weitere Fotos vom Rangieren in Schramberg verzichtete ich, um mir eine geeignete Fotostelle für den Güterzug nach Schiltach zu suchen. Diese Stelle bei Schramberg erschien mir auch für einen Zug geeignet. Nach einigem Warten kam 212 211 dann endlich, aber wieder Lz!!!
Mit der allein fahrenden Lok bot sich dieser Nachschuß an, der die beengten Verhältnisse bei Hinterlehengericht verdeutlicht:
Kurz vor Schiltach existierte der Radweg schon, bevor die Strecke abgebaut war. Die gedeckte Holzbrücke befindet sich daher neben der Bahntrasse:
Durch den Tunnel war die Lok schneller als ich durch die Stadt Schiltach, so daß mir nur noch diese Gegenlichtaufnahme in der Einfahrt des Bahnhofs Schiltach möglich war:
Wie bereits oben erwähnt, war das einmal eine grenzüberschreitende Strecke. Bereits bei der Planung der badischen Schwarzwaldbahn Offenburg – Singen gab es Überlegungen, diese über Schramberg zu trassieren. Da aber Schramberg württembergisch war, wurde diese Trassenvariante zugunsten der heute noch benutzten verworfen. Die Industriestadt Schramberg (bekannt ist vor allem deren Uhrenindustrie) hatte also noch keinen Bahnanschluß. Aber auch von württembergischer Seite gab es ein Problem: Es gab nur über badisches Gebiet die Möglichkeit, eine Bahnlinie zu trassieren. Somit zogen sich die Verhandlungen in die Länge und der badische Staat forderte z. B. den Bau des Schiltacher Tunnels (anstelle eines Einschnittes), der die Baukosten für diese Nebenbahn in die Höhe trieb. Die Bahn wurde schließlich am 9. Oktober 1892 eröffnet. Der kleinste Kurvenradius von 100 m (!) stellte gerade zur Dampflokzeit besondere Anforderungen an die Lokomotivkonstruktionen.
Viele Grüße
Stefan
Edit: Bilder neu gescannt
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:01:17:20:24:20.