Die WNB-Strecke Korntal - Weissach
Zunächst hier noch ein Bericht, den ich zu der Diskussion um die Ts1-Signale erhielt:
Zum Schild Ts 1 "Nachschieben einstellen" möchte ich Ihnen mitteilen, dass es dieses Schild Anfang der 1970er-Jahre noch nicht gab. Die Personale wussten auch ohne Schild, wann sie das Schieben einzustellen hatten.
Hier nun eine realistische Geschichte zum "Schieben auf der Strohgäubahn" aus der Zeit Anfang der 70er Jahre, jedes Jahr im Herbst (Zuckerrübenkampagne) erneut erlebt:
Auf den Bahnhöfen Münchingen, Schwieberdingen und Hemmingen wurden werktäglich immer jeweils zwischen 8 und 10 zweiachsige E-Wagen mit Zuckerrüben verladen.
Nach Ankunft des Zuges 20 (VT 01, VB 201-203 + VB 207 (leer mitlaufend, da keine Türsteuerungsleitung durch die VB 201-203 verlegt war) in Weissach, wurden die VB`s abgestellt und der VT 01 fuhr als Bg 425 in Richtung Korntal ab. In Hemmingen stellte er 8 beladene E-Wagen und ggf. leere G-Wagen (aus Düngemittel) ein und fuhr mit diesen nach Schwieberdingen zur Kreuzung mit Lt 100 (VT 07 aus Zug 23, sofort nach Ankunft in Korntal zurückgefahren). Der Lt 100 stand dann schon im Kreuzungsgleis in Schwieberdingen. Der Bg 425 nutzte den Schwung aus dem Gefälle Hemmingen-Schwieberdingen und zog im Hauptgleis in Schwieberdingen über die Weiche des Kreuzungsgleises vor. Auf den stehenden Bg 425 setzte sich hinten der VT 07 als Schiebetriebwagen (Schtr.) 425 und das Gespann fuhr ab. Der Schtr. war nicht gekuppelt und nicht an die Hauptluftleitung angeschlossen. So verkehrte der Zug "bis zur Autobahn", wo sich der Schtr. ohne Halt vom Zug absetzte. Heute würde man die Stelle mit dem Schild "Ts 1" definieren. Ab der Autobahn lief der Bg 425 mit VT 01 und den Güterwagen alleine bis Korntal. Der VT 07 kehrte als Schtr 425 nach Münchingen zurück, wo er sich vor 8 beladene E-Wagen + ggf. leere G-Wagen (aus Düngemittel) setzte und diese inkl. Bremsprobe vorbereitete. Der VT 01 fuhr sofort nach dem Abstellen der E-Wagen in Korntal als Lt 102 nach Münchingen zur Kreuzung mit Bg 427 zurück und setzte sich als Schtr. 427 hinten auf die Güterwagen mit dem VT 07 an der Spitze. Auch dieses Mal war der Schtr. nicht gekuppelt und verschlaucht. So ging es erneut "bis zur Autobahn", von wo der VT 07 mit seinen Wagen alleine bis Korntal weiterfuhr. Der VT 01 setzte sich ohne Halt vom Zug ab und kehrte als Schtr. 427 nach Münchingen zurück. Von dort fuhr er als Lt. 104 bis Schwieberdingen zur Kreuzung, wo der planmäßige G 357 (VT 10) zwischenzeitlich mit den restlichen Wagen aus Weissach (hauptsächlich Stückgut) angekommen war. Mit den beladenen Zuckerrübenwagen aus Schwieberdingen sowie ggf. leeren Kühlwagen (Lebensmittel aus Polen) und leeren K-Wagen (aus Landmaschinen) setzte sich das Gespann, VT 10 führend, VT 01 schiebend, aber nicht als Schiebetriebwagen, da gekuppelt und verschlaucht, Richtung Münchingen - Korntal in Bewegung. In Münchingen war dann noch die Kreuzung mit Zug 30 (Korntal-Weissach), der vom VT 07 durchgeführt wurde. Der VT 10 aus G 357 fuhr nach Ankunft in Korntal den Zug 32 (solo) und der VT 01 den Zug 38 (mit 1-2 VB) jeweils von Korntal nach Weissach.
Mit dieser Praktizierung wurden innerhalb von weniger als 3 Stunden rd. 25 beladene Zuckerrübenwagen und die Stückgutwagen + leere Güterwagen über den Berg (Autobahn) gebracht. Eine beachtliche Leistung für eine Bahn, die nur drei Dieselschlepptriebwagen einsatzbereit zur Verfügung hatte!
Nachzutragen wäre noch, dass die leeren Wagen (aus Düngemittel) von Heimerdingen und der Überhang aus Münchingen am Abend mit Gmp 341 (VT 07) nach Korntal mitgenommen wurden.
Eigentlich wäre das Bild erst später an der Reihe, doch ich bin Euch ein Farbbild der V 83 WNB schuldig Hier seht Ihr sie am 1.6.1982 bei Münchingen mit dem Vormittags-Güterzug von Korntal kommend:
Jetzt habe ich wieder die Qual der (Aus)wahl. Vom Alltagsbetrieb ab 1980 habe ich jede Menge Bilder.
Hier steht T 10 Wüna am 27. Mai 1980 in Korntal auf Gleis 7, während 140 160 als Lz durch Gleis 1 in Richtung Sindelfingen fährt. Der Güterschuppen ist bereits einem P+R-Parkplatz gewichen:
Im Juli 1980 probierte ich meinen neuen Fotoapparat aus. Dabei fotografierte ich am 25.7.1980 den T 10 Wüna in Korntal. Ohne Farbfilter fotografiert, sieht der Triebwagen einfarbig aus. Als Konsequenz kaufte ich mir einen Gelbgrün-Filter, womit sich der blaue Streifen und die Beschriftung wieder vom orangen Untergrund abhoben:
Hier seht Ihr den Korntaler Bahnhof am 18.8.1980. T 21 WNB fährt gerade in Richtung Weissach aus. Das fotogene Gebäude der Faßfabrik Wimmer fiel leider Mitte der 1990er-Jahre einem Blitzschlag zum Opfer:
Am 19.8.1980 kommt V 83 WNB von Schwieberdingen nach Münchingen herauf:
Hier rückt V 83 WNB zum Feierabend in ihr neues Heim ein, während T 22 Wüna den Tag über in Korntal auf die Rückleistung des Lokführers nach Weissach wartete. (19.8.1980)
V 83 war das einzige Triebfahrzeug zumindest seit Mitte der 1970er-Jahre, das in Korntal übernachtete. Vergleicht das Bild einmal mit dem Bild aus Teil 4! :
Der morgendliche Güterzug an der Stelle des späteren Hp. Gymnasium Korntal am 29.8.1980:
Am Wochenende 20./21.9.1980 wurde der frisch aufgearbeitete VT 19 WNB (ex VT 101 Frankfurt-Königstein) der Bevölkerung mit mehreren Pendelfahrten präsentiert, genug Gelegenheit für mich für zahlreiche Fotos.
Einfahrt in den Bahnhof Hemmingen, 20.9.1980:
Am Sonntag, 21.9.1980, bei Korntal. Ob die Werbung dem Neuffener Elektriker wohl Kundschaft gebracht hat? Und die Natur spielte mir auch einen Streich ...
Kurz vor der Ankunft in Weissach am 21.9.1980 ...
... und wenige Minuten später in Weissach neben dem abgestellten WNB 80:
VT 19 WNB am 3.3.1981 in Korntal:
Teil 7 folgt
Viele Grüße
Stefan
Hier die Links zu den anderen Teilen dieser Serie:
Teil 1 -
Teil 2 -
Teil 3 -
Teil 4 -
Teil 5 -
Teil 7 -
Teil 8 -
Teil 9 -
Teil 10 -
Teil 11a -
Teil 11b -
Teil 12 -
Teil 13 -
Teil 14
100 Jahre Strohgäubahn
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