Da ich ja lange Zeit an der Strohgäubahn lebte, merkte ich schon bald, daß es außer den von Obermayer in seinen Taschenbüchern beschriebenen Bundesbahn-Fahrzeugen auch noch andere gab. Schnell wuchs mein Interesse an den damals noch existierenden neun WNB- und WEG-Strecken. (Aalen – Dillingen war gerade schon stillgelegt, da blieben nur noch „philosophische“, ich meine archäologische Betrachtungen). Korntal – Weissach hatte ich vor der Haustüre, Vaihingen – Enzweihingen konnte ich auch noch nachmittags mit dem Fahrrad erreichen, die anderen Bahnen mußte ich dann mit der Bahn bereisen, wenn wir außerplanmäßig schulfrei hatten – die Fahrpläne „lebten“ meist vom Schülerverkehr, und als Schüler desselben Bundeslandes war es nicht so einfach, an Schultagen die Bahnen zu bereisen. Besonders schwer zugänglich war Reutlingen – Gönningen, wo es laut Kursbuch nur einen Zug gab: Nachmittags von Gönningen nach Reutlingen Hbf. Später, als ich dann in Tübingen studierte, kamen erste Hinweise auf die bevorstehende Stillegung in der Fachpresse – den Personenverkehr gab es längst nicht mehr. Also erkundete ich die Bahn nach dem Verfahren „Versuch und Irrtum“ mit viel Geduld. Zunächst fand ich heraus, daß der Zug nachmittags von Gönningen nach Reutlingen fuhr, demnach mußte er vormittags andersherum fahren ...
Im Rahmen meiner Tübingen-Serie habe ich mir auch diese Bahn vorgenommen (zur Zollernbahn kommen noch Fortsetzungen!) und dachte, ich könnte sie „mal schnell“ zwischenschieben – doch ein Blick in mein handschriftliches Foto-Verzeichnis nannte mir über hundert Aufnahmen! Also habe ich auch hier die Qual der Wahl.
Die Strecke begann in Reutlingen-West südlich der DB-Strecke, überquerte diese auf einer Brücke und führte dann über Betzingen – Ohmenhausen – Mähringen nach Gomaringen. Gomaringen war ein Kopfbahnhof, die Strecke führte in einer Spitzkehre weiter über Bronnweiler nach Gönningen.
Zum Schluß hatte Gomaringen noch Stückgutaufkommen, dieses wurde während des Aufenthaltes verladen. Gomaringen war nach der Kommunalreform die einzige Station, die nicht auf Reutlinger Stadtgebiet lag, sondern im Kreis Tübingen.
T 02 WEG (Gotha 28058/1934 mit neuem Aufbau) am 26.10.1977 abends in Reutlingen Hbf:
VT 07 WNB kam nach Abstellung des T02 von der Strohgäubahn zur Gönninger Bahn. Dieser gehört zu einer Serie von fünf zweiachsigen Fuchs-Triebwagen für die WNB- und WEG-Bahnen (T 05 bis T 08 und T 36, dieser ursprünglich Meterspur) und hatte die Fabriknummer 9059/1956
Abfahrbereit im tief verschneiten Gönninger Bahnhof am 20.1.1981:
Rege Ladetätigkeit in Gomaringen:
Der Aufenthalt in Gomaringen war mit Rangiermanövern verbunden, zumal damals auch noch Wagen beigestellt wurden:
Eine Entgleisung wegen eines vergessenen Hemmschuhs führte in Reutlingen-West zu umfangreichen Rangierarbeiten und einem späten Feierabend:
Am 27.1.1981 lag bei Bronnweiler noch mehr Schnee:
Einfahrt nach Gomaringen aus Gönningen am 11.2.1981:
Rangieren in Gomaringen – im Hintergrund in der Mitte das Gleis nach Gönningen, links nach Reutlingen:
Bei Gomaringen in Richtung Reutlingen:
Ohmenhausen im letzten Abendlicht:
Viele Grüße
Stefan
Edit: Layout verbessert und Bilder ersetzt
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2009:01:12:20:05:37.