... begann ich, nach ein paar nicht so genialen Versuchen, die Eisenbahn-Fotografie systematisch zu betreiben.
Eigentlich hatte mich das Eisenbahn-Virus vermutlich schon bei der Geburt befallen, als eine 93 mit ihrem Personenzug vor dem Fenster des Entbindungsheimes an der Aar-Salzböde-Bahn vorbeifuhr (das kann ich so genau beschreiben, weil mein Vater die Szene mit Normal-Acht gefilmt hatte – den Streifen habe ich allerdings vor 30 Jahren das letzte Mal gesehen). Vielleicht war es aber auch erst drei Jahre später, als ich aus meinem Kinderzimmerfenster einen herrlichen Blick auf den Dillenburger Rangierbahnhof und die Strecke nach Wallau/Lahn hatte. Ebenso kann ich mich noch gut an die Schnellzüge erinnern, wenn wir die Großeltern aus Frankfurt vom Bahnhof abholten – aus Achshöhen-Perspektive wirkten die Dampflokomotiven noch eindrucksvoller als aus der Sicht eines Erwachsenen!
Nach der Elektrifizierung der Strecke Hagen – Gießen zogen wir (nicht deswegen) nach Korntal bei Stuttgart, wo ich die nächsten Jahre häufig die Nachmittage an der Bahnschranke verbrachte – immer in der Hoffnung, mal eine Dampflok zu sehen. Hätte ich damals geahnt, wie nah die nächsten Dampflok-Strecken waren ...
So dauerte es bis zu meiner Konfirmation, zu der ich die erste Fachliteratur bekam: Rossbergs „Tempo 200“ und Obermayers „Taschenbuch Deutsche Dampflokomotiven“, die mich dann zunächst mit dem EDV-Nummernsystem und auch einigen Lokbaureihen vertraut machten. Es folgte die Phase des Nummernsammelns (leider ohne Ort und Datum, später mit Ort) erste fotografische Versuche mit Papas Apparat, die aber fast alle danebengingen.
Dann fand ich im Haushalt meiner Eltern einen alten 6x9-Rollfilm-Fotoapparat und stellte fest, daß er funktionsfähig war. Also kaufte ich mir einen S/W-Film und wagte neue Versuche. Dabei mußte alles einzeln eingestellt werden, selbst der Filmtransport und das Spannen waren zwei Arbeitsgänge! Das zwang mich aber, mich mit jedem Foto auch technisch auseinanderzusetzen, so daß ich schnell die Zusammenhänge zwischen Blende und Belichtungszeit begriff.
Aus heutiger Sicht war der Apparat für unser Hobby reichlich ungeeignet: Größte Blendenöffnung 1/6,3 und kürzeste Belichtungszeit 1/125 s, außerdem war die Optik nicht gerade randscharf. Trotzdem gelangen mir mitunter recht brauchbare Aufnahmen, von denen ich Euch heute drei Resultate des ersten Filmes präsentieren möchte.
Mein erstes Eisenbahnfoto dieses Filmes zeigt 194 041 bei der Ausfahrt aus Kornwestheim Rbf-Südost (8.9.1974)
Auf dem zweiten Bild ist 270 041 abgestellt in Korntal am 12.9.1974 – die Lok war in Korntal im Bauzugeinsatz. Rechts hinten ist sogar noch der Schrankenposten zu erkennen, der wenig später verschwand – dann wurde die Schranke vom benachbarten Stellwerk bedient, bis der Bü vor der S-Bahneröffnung im September 1978 aufgelassen wurde.
Das dritte Bild schließlich zeigt 110 365 mit ihrem Versuchsanstrich (weißes Dreieck auf blauer Lok) am 17.9.1974 im Stuttgarter Hbf. Leider hat der Fotograf beim Entwickeln da wohl irgendeine Klammer o.ä. auf dem Film liegenlassen, so daß nur die linke Bildhälfte brauchbar ist – ich hatte die Lok in Bildmitte fotografiert.
Viele Grüße
Stefan
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:04:25:19:43:10.