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[CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: Ernst

Datum: 24.06.12 10:32

In einem Artikel der NNZ am Sonntag äussert sich der Aviatikjournalist Sepp Moser zur Infrastruktur der SBB. Danach sollten jährlich 220km erneuert werden. Die SBB schafften aber 2011 nur 155km, im Jahre 2012 werden es 165km sein und 2013 sind 180km geplant. Grund dafür sieht Moser in internen Problemen: "Eine wirksame Sanierung wird durch ausufernde Bürokratie verhindert. Diese ist ein Resultat der schleichenden Verdrängung von erfahrenen Eisenbahn-Fachleuten durch Juristen und Betriebswirtschafter und manifestiert sich in Gestalt endloser Reorganisationen, Workshops, Koordinationsmeetings, Bereinigungssitzungen, unzähliger Powerpoint-Präsentationen sowie in immer mehr Formularen und komplexen Geschäftsprozessen." Qualifiziertes Personal verlasse die SBB: "Die für das Bahnnetz verantwortliche SBB-Division Infrastruktur unter Philippe Gauderon leidet seit Jahren unter einem schlechten Arbeitsklima, dem Absprung wichtiger Know-how-Träger, einer wuchernden, bisweilen chaotischen Bürokratie und schlechter Kosteneffizienz." An anderer Stelle steht: "Es kann nicht erstaunen, dass sich angesichts dieser Umstände immer wieder Fachleute aller Hierarchiestufen von der Division «SBB-Infrastruktur» verabschieden. In jüngerer Zeit waren darunter Schlüsselpersonen aus den Bereichen Einkauf, Gleisanalyse und Brückenbau."

Gruss
Ernst

[www.ernst-joss.ch]




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:06:24:10:32:55.
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Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: sensor

Datum: 24.06.12 10:45

@Ernst

Interessant, dass Sepp Moser sich nicht nur zur Luftfahrt, sondern jetzt auch noch zur Eisenbahn äussert. Aber wo er Recht hat, hat er Recht. Nur dieses Problem ist doch allgemein bekannt, dass Theoretiker irgendwelcher Art eingestellt werden und die Fachleute sich verabschieden. Darum ist heute ja auch alles viel besser als früher!!

Mit Gruss



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:06:24:10:59:27.
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Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: guru61

Datum: 24.06.12 19:21

Sozusagen die quintessenz von Mosers Buch.
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Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: Biotom

Datum: 24.06.12 22:48

Das ist doch nicht nur ein SBB-Infra-Problem, sondern auch Cargo etc. Und eigentlich auch überall sonst: Als Fachspezialist im Gesundheitswesen muss ich feststellen, dass das Controlling-Gelaber immer mehr überhand nimmt und echtes, wertschaffendes Arbeiten immer weniger geschätzt wird.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:06:24:22:54:08.
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Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: Maesi

Datum: 25.06.12 08:58

Ich würde auch sagen, dass dies kein Branchen-Problem, sondern eher eine moderne Zeiterscheinung ist. Man hat das Gefühl, man könne nur noch mit einem Manager-Diplom ein Team erfolgreich und wirtschaftlich führen, und Fachkenntnisse "lassen sich ja leicht dazulernen". Tja, man sieht's überall, wie gut diese Philosophie funktioniert ...



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:06:25:08:58:59.
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Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: Ennstalsportzug

Datum: 25.06.12 11:12

Und wie kommt Hr. Moser auf 220 km "Erneuerung" (Generalsanierung?) pro Jahr? Das Netz der SBB ist gut 3000 km lang. 220 km pro Jahr würde bedeuten, dass jeder Streckenabschnitt durchschnittlich alle 14 Jahre erneuert werden muss und das wäre doch sehr stark übertrieben, oder?
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Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: Ernst

Datum: 25.06.12 11:51

Wirklich eine interessante Frage. Ob hier jemand mehr weiss? Ich denke allerdings auf der Gotthardlinie wird wesentlich häufiger erneuert. Auch ist die Frage, ob nicht ein Nachholbedarf besteht.

Gruss
Ernst

[www.ernst-joss.ch]
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Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: bahnjurist

Datum: 25.06.12 14:50

Hallo

Ich stimme zwar meinen Vorschreibern in Sachen Kritik an der "modernen Management-Philosophie" zu.

Sepp Moser in Ehren, dennoch ist dies m.E. eine der für den selbsternannten "Experten" Sepp Moser typischen aufgebauschten, panikmachenden und leidlich einseitigen Publikationen - Sepp Moser ist dafür bekannt, dass er zuweilen etwas zur Pauschalisierung und Aggravierung neigt...;-(

Auch im Flugverkehr - seine sonstige Domäne - betätigt er sich ja seit Jahren als "Warner", der stets den Zusammenbruch bzw. den "Weltuntergang" unmittelbar kommen sieht...!

Wenn er aber so noch mehr Druck auf die Politik erzeugen kann, mehr Geld für die Bahninfrastruktur bereit zu stellen, solls mir recht sein;-)
Im übrigen wurde der Infrastruktur-Kredit des Bundes bereits erhöht, nachdem die SBB selber ein Warnsignal gegeben hatten! Insoweit rennt Moser offene Türen ein....

Insgesamt muss man aber klar festhalten, dass die CH-Bahninfrastruktur die wohl bestunterhaltene weltweit ist, und zwar auch auf den kleinsten Nebenlinien - es gibt auch kaum wo LA's in CH! Insofern jammert Moser auf sehr hohem Niveau...

Natürlich steigt mit dem stets zunehmenden Bahnverkehr in CH auch der Unterhaltsbedarf stetig - die Politik hat dies aber mittlerweile auch erkannt - es gibt mehr Geld!;-)

LG Bahnjurist
Optionen:

Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: Re465

Datum: 25.06.12 18:22

bahnjurist schrieb:
-------------------------------------------------------
...
> Insgesamt muss man aber klar festhalten, dass die
> CH-Bahninfrastruktur die wohl bestunterhaltene
> weltweit ist, und zwar auch auf den kleinsten
> Nebenlinien - es gibt auch kaum wo LA's in CH!
> Insofern jammert Moser auf sehr hohem Niveau...

Das pflichte ich dir bei.
Das Problem ist dass dann immer der Finger nach dem Ausland geht mit dem Verweis "da geht es doch auch" und man dann gerne mal auf Verschleiß fährt.
Das geht, gerade bei Infrastruktur, sehr gut und relativ lange. Aber irgendwann schlägt die Infrastruktur zurück. Nicht leise und kontinuierlich linear. Die Störhäufigkeit steigt dann eher exponentiell... und dann ist das Geschrei groß. Aber die Politiker und "Manager" die es verbrochen haben sind dann nicht mehr da oder an anderer stelle unangreifbar.

>
> Natürlich steigt mit dem stets zunehmenden
> Bahnverkehr in CH auch der Unterhaltsbedarf stetig
> - die Politik hat dies aber mittlerweile auch
> erkannt - es gibt mehr Geld!;-)

Ihr glücklichen.
In D generiert man angebliche Effizienzsteigerungen um das zu finanzieren.

Gruß, Ralf
Optionen:

Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: RuhrIndianer

Datum: 25.06.12 18:49

Hallo an die Unterhaltsfetischesten (Ihr habt recht, siehe Simplon zwischen Domodossola und der Staatsgrenze),

das Material schlägt zurück, und in der Regel verhält sich die Technik wie eine Funktion f(x) = e**x. Und genau die steigt ziemlich schnell. Aber leider sind die Gesundbeter von der Finanzfraktion dann über alle Berge, und ausbaden muss es dann das Funssvolk oder nicht nichtwissenden Nachfolger.

Nur das Niveau, über das die Presse schreibt, unterscheidet sich. In der Schweiz soll es recht wenig Einschränkunken geben, hier im Grossraum Ruhrgebiet gab es haufenweise unschöne Anblicke auch beim Fahrweg. Jetzt wird gebaut auf Teufel komm raus, nur die Reste - Schotter, Aushub, neue und alte Schienen - liegen wie wild in der Gegend herum. Das spricht nicht für ein Vorgehen mit Sinn und Verstand.

RuhrIndianer

Tante Edith mahnte Interpunktion und Rechtschreibung an.....



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:06:25:18:51:20.
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Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: bahnjurist

Datum: 25.06.12 19:29

@ruhrIndianer

Nein, nicht nur das Presseniveau unterscheidet sich zwischen CH und D (und anderen Ländern), sondern auch das tatsächliche Unterhaltsniveau!

Die Strecke Domodossola-Simplon/Sraatsgrenze CH/I, wo einiges im Argen liegt bzw. lag, ist KEINE SBB-Strecke, sondern gehört der italien. FS (auch wenn bloss Schweizer Züge darauf fahren). Der Unterhalt ist allein Sache Italiens!!
Wäre es eine CH-Strecke, wäre es nie soweit gekommen - garantiert!!

Das nur pro memoria und zur Klarstellung;-)

LG Bahnjurist



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:06:25:19:32:04.
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Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: Reinhard Greulich

Datum: 25.06.12 20:15

Re465 schrieb:
-------------------------------------------------------

> Das Problem ist dass dann immer der Finger nach
> dem Ausland geht mit dem Verweis "da geht es doch
> auch" und man dann gerne mal auf Verschleiß
> fährt.
> Das geht, gerade bei Infrastruktur, sehr gut und
> relativ lange. Aber irgendwann schlägt die
> Infrastruktur zurück. Nicht leise und
> kontinuierlich linear. Die Störhäufigkeit steigt
> dann eher exponentiell... und dann ist das
> Geschrei groß. Aber die Politiker und "Manager"
> die es verbrochen haben sind dann nicht mehr da
> oder an anderer stelle unangreifbar.

Die sind nicht nur einfach weg. Mit ihren Fünfjahresverträgen konnten sie absehen, dass sie weg sein würden, wenn das Material zurückschlägt - so viel verstehen sie davon. Aber ihre Chefs, die Aufsichtsräte (im Wesentlichen abgehalfterte Politiker verschiedenster Couleur) verstanden das natürlich nicht, und so sind die "Manager" nicht nur einfach weg, sondern haben ihre Boni und Prämien abgegriffen, weil sie ja so toll viel gespart haben. Für mein Empfinden gehören diese Typen in den Knast, es gibt sogar einen Straftatbestand dafür, nennt sich "Untreue". Naja, sie können sich immer darauf herausreden, das so nicht geplant zu haben.

Das eigentliche Verbrechen ist ja das System mit einerseits kurzfristigen Verträgen und andererseits Boni für kurzfristige Erfolge. Sowas kann eigentlich nur nach hinten losgehen, wird aber bis heute als "modernes Management" verkauft.

Gruß - Reinhard.
Optionen:

Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: guru61

Datum: 26.06.12 07:29

bahnjurist schrieb:
-------------------------------------------------------

> Sepp Moser in Ehren, dennoch ist dies m.E. eine
> der für den selbsternannten "Experten" Sepp Moser
> typischen aufgebauschten, panikmachenden und
> leidlich einseitigen Publikationen - Sepp Moser
> ist dafür bekannt, dass er zuweilen etwas zur
> Pauschalisierung und Aggravierung neigt...;-(
>
> Auch im Flugverkehr - seine sonstige Domäne -
> betätigt er sich ja seit Jahren als "Warner", der
> stets den Zusammenbruch bzw. den "Weltuntergang"
> unmittelbar kommen sieht...!
>

Ja der Seppi!
Lies einfach mal das Buch, Die Swissair Story!
Leider ist es so, dass fast alles eingetroffen ist, was er damals prophezeit hat.

Auch wenn ich sein Buch lese, Warnsignal, dann sind die Fakten für mich nachvollziehbar. Nur gefällt dies natürlich den kleinen Königen bei den SBB nicht!
Wenn ich z. B. auf Seite 103 die Irrfahrt der Stopfmaschine ansehe, dann muss ich sagen, wer das verbrochen hat, soll bei der Müllabfuhr arbeiten!

Als Instandhaltungsfachmann mir eidg, FA mit über 30 Jahren Berufserfahrung kann ich dir bestätigen, dass sich die Verschlechterung des Zustandes zuerst sehr lange im verborgenen abspielt.
Da ein Rissli, dort eine kaputte Schwelle, hier ein Erdungskabel ab. dort eine kleine Verwerfung des Gleises, da ein Schienenstoss der klappert usw. Alles Bagatellen. Man glaubt zu sparen, indem man die Arbeiten hinauszögert. Und plötzlich sind die Massen der Bagatellen ein Problem, dass die Befahrbarkeit der Gleise infrage stellt.

Natürlich wird dann nicht der Jurist oder der BW Mensch in der Geschäftsleitung, der die Mittel zu knapp gehalten hat belangt, sondern der Bahnmeister vor Ort. Denn der trägt ja die unmittelbare Verantwortung.

Oder wie war das bei der Berliner S- Bahn, an dem die DB Stadtverkehr den Druck aufsetzte, dass die S Bahn soviel mehr abliefern musste und dadurch den Unterhalt vernachlässigte? Hab nie gehört, dass der Taximeyer der SBB dafür belangt wurde, der seinerzeit CEO der DB Stadtverkehr war!

Fazit: Auch hier hat der Sepp wahrscheinlich recht!
Insbesondere auch, weil der Meyer der SBB auch schon auf das Problem aufmerksam gemacht hat und beim Bund Geld schnorrt.
Auch wenn Moser nicht überall recht haben wird, ist die Aussage nicht infrage zu stellen, dass ein Nachholbedarf besteht am Unterhalt der Infrastruktur. Und wenn ich sein Buch lese, bekomme ich den Eindruck, dass er sehr gute Beziehungen zu den "Leuten vor Ort" hat. Leider ist es heute bei den SBB nicht mehr so, dass das Wort eines Bahnmeisters Gewicht hat. Er hat halt nicht studiert! Dass man da Viel Wissen brachliegen lässt, dass die Geschäftsleitung zu ihrem Vorteil nutzen könnte, ist dort oben offensichtlich unbekannt. Wahrscheinlich wird das in der Kaderschmiede in St. Gallen nicht gelehrt!

Auf alle Fälle hat er es verdient, dass man seine Aussagen diskutiert, und nicht die Person pauschal verunglimpft!
Hätte die Swissair, deren Exponenten seinerzeit mit fast den gleichen Ausdrücken wie du auf die "Swissair Story" und Moser reagierten, sich die Zeit genommen und die dort gemachten Aussagen vorurteilslos analysiert und ausgewertet, dann würde, da bin ich überzeugt, die Swissair heute noch bestehen!

Gruss Guru



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:06:26:07:58:04.
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Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: RuhrIndianer

Datum: 26.06.12 19:07

Hallo Bahnjurist,

die Eigentumsverhältnisse "kurz vor Domo sonstwas" waren mir bekannt: Nur ist genau diese Strecke (die ausschliesslich unter intalienischer Verantwortung betrieben wird!), das beste Beispiel, wie schnell es dann bergab geht. Habe im Netz (www.bahnforum.ch?) erschütternde Bilder gesehen....

Nix für ungut!

RuhrIndianer
Optionen:

Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: Urs Nötzli

Datum: 26.06.12 22:51

RuhrIndianer schrieb:
-------------------------------------------------------
> Hallo Bahnjurist,
>
> die Eigentumsverhältnisse "kurz vor Domo sonstwas"
> waren mir bekannt: Nur ist genau diese Strecke
> (die ausschliesslich unter intalienischer
> Verantwortung betrieben wird!), das beste
> Beispiel, wie schnell es dann bergab geht. Habe im
> Netz (www.bahnforum.ch?) erschütternde Bilder
> gesehen....
>
> Nix für ungut!
>
> RuhrIndianer

Soll ich jetzt morgen nicht den direkten Zug Zürich - Domodossola - (Milano) nehmen? Man mache mir hier keine Angst! ;-)

Nein - ich kenne die Strecke, weiss von den Problemen der FS - immerhin geht dort jetzt was!

Aber zu Sepp Moser - den ich auch kenne und gelegentlich über solche Sachen mit ihm diskutiere: So ganz von der Welt weg ist er ja auch wieder nicht!
Und ich bin froh, dass er ein wenig Lärm macht, um etwas, was tatsächlich "verlauert" wird. Als Eisenbahner störe ich mich schon lange am mangelnden Unterhalt - und wenn dann Unterhaltspersonal sagt, dass sie Fahrzeuge in den Dienst geben müssten, die sie eigentlich in Ordnung bringen sollten, aber keine Ersatzteile und keine Zeit zur Verfügung hätten, so lässt dies aufhorchen!

Habe auch schon bei meinem dem ZVV unterstellten Unternehmen mehrmals unter Zeugen und schriftlich auf mangelnden Unterhalt hingewiesen. Mein Chef wurde fuchsteufelswild und versandte ein Mail, wo er die "Anschuldigungen" zurückwies. Da gerade Vollmond war, reagierte ich nicht sofort und wartete eine gute Gelegenheit ab. Ich sagte ihm, dass ich weiter dazu stehen würde, ich ihn nicht angegriffen hätte, aber er mir nicht widersprechen könne, da ich dies schon vor der Direktion unter Zeugen gesagt hätte . . .

Zum Glück führt der für das Rollmaterial Zuständige eine immer länger werdende Liste von Störmeldungen und Problemen, welche nicht bearbeitet werden. Damit sichert er sich ab, denn diese Liste geht an die Geschäftsleitung - welche dann jeweils sagt, dass sie dies das erste Mal hören würde . . .!

23 Jahre war ich im technischen Dienst, auf elektrischer Seite des Rollmaterial tätig - wir hatten keine Listen an Mängel, Störungen wurden immer in möglichst kurzer Frist erledigt, was heute Jahre dauern kann:
In einem Siemens-Fahrzeug hörte ich beim Führerstandseinrichten ein komisches zischendes Geräusch, keine Luft . . - plötzlich sah ich beim Ausgang des Kabel der Heizscheibe vor dem Führerstand ein Leuchten - ich liess es geschehen, bis ein Kurzschluss mit Rauchentwicklung den halben Führerstand anschwärzte. Ich meldete den Vorfall der Leitstelle, putzte den Staub weg und fuhr los - Reservefahrzeuge waren ja keine vorhanden . . .!

Bis zu Revision nach 3 Jahren blieb die defekte Scheibe drinn, der Führer hätte sie in einem strengen Winter nicht mal heizen können. Kaum ein paar Wochen nach der Revision wieder das bekannte Geräusch mit gleichen Folgen - die Scheibe ist seit mehr als vier Jahren nicht einsatzfähig!

Ein weiterer gleichartiger Vorfall durfte eine Kollegin erleben, nur mit viel mehr Schrecken als bei einem "alten Elektriker" . . .

Wenn man auf solche Sachen in den Bahnforen hinweist, dann zerstört man Bahnfans ihre heile Welt, von der sie keine Ahnung haben. Dies betrifft auch das "Klima" bei vielen Bahnen . .

Urs
Optionen:

Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: bahnjurist

Datum: 27.06.12 00:19

@guru61
@urs nötzli

Also, zunächst gebe ich Euch im Grundsatz absolut recht! Aber ich wehre mich dagegen, in die Ecke der "bahnfremden Manager/Juristen" gestellt und auf diese Weise abqualifiziert zu werden!!;-(

Auch als Jurist und unbedingter und überzeugter Verfechter des Systems Eisenbahn kann ich mich mit den Alltagssorgen in Sachen Unterhalt etc. sowie mit Fehlentwicklungen in der heutigen BWL-gesteuerten Welt sehr gut beschäftigen - und das tue ich auch regelmässig!!
Ich unterhalte mich sehr oft mit aktiven Eisenbahnern von der Front, insbedondere mit altgedienten Lokführern - auch mein Vater war 44 Jahre (!) lang SBB-Lokführer des Depots Zürich!

Ich weiss um die leider vielfach negativen "Management"-Entwicklungen v.a. der letzten ca. 20 Jahre sehr gut Bescheid, keine Sorge! Man kann nicht ständig sparen, "optimieren" oder "umstrukturieren", sonst gehts an die Substanz und wird kontraproduktiv - auch m.E. ist die Zitrone langsam, aber sicher ausgepresst, wenn wir unser im internationalen nach wie vor hervorragendes Bahnsystem (um das uns die Welt beneidet!) erhalten wollen, und DARUM gehts mir ebenso wie Euch!;-)

Natürlich müssen genügend finanzielle und personelle Ressourcen Mittel für Unterhalt von Infrastruktur und Rollmaterial bereit stehen, dafür kämpfe auch ich auf meine Weise!

Und ich habe nicht gesagt, Sepp Moser habe überall unrecht! Ich meinte nur, dass er vielleicht gelegentlich etwas überzeichnet... aber das ist gut so, so steigt der Druck auf die Politik, damit dem Unterhalt wieder (mehr) Beachtung geschenkt wird (sagte ich schon oben;-)).
Gegenüber einem Politiker oder "Manager" würde auch mich u.a. auf Mosers Analyse berufen!;-)

Zudem wollte ich nur festhalten, dass wir uns im Vergleich zum Ausland glücklich schätzen können und unser Bahnniveau nach wie vor und trotz allem auf hohem Niveau ist, aber - da gebe ich Euch recht - man muss den Finger auf die kritischen Punkte halten und dem anspruchsvollen und komplexen System stets Sorge tragen, ansonsten wirds am Ende viel teurer!

Fazit:
Man sollte - bei aller berechtigten Kritik - vor lauter Bäumen nicht den Blick auf den Wald, sprich aufs Ganze vernachlässigen, oder m.a.W., nicht immer nur das "halb leere", sondern auch das
"halb volle Glas" sehen!;-)

LG Bahnjurist



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:06:27:04:07:19.
Optionen:

Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: Urs Nötzli

Datum: 27.06.12 07:56

bahnjurist schrieb:
-------------------------------------------------------
> @guru61
> @urs nötzli
>
> Also, zunächst gebe ich Euch im Grundsatz absolut
> recht! Aber ich wehre mich dagegen, in die Ecke
> der "bahnfremden Manager/Juristen" gestellt und
> auf diese Weise abqualifiziert zu werden!!;-(
>
Nein - das tun wir nicht, wir qualifizieren Niemanden ab - es ist auch nie die Idee, auf Menschen "zu schiessen"!
Das Problem der unkundigen Manager haben wir aber nicht nur bei der Bahn . .
Und: ich kenne durchaus Manager der Bahn, welche Fehler erkannten, dazu gestanden sind und korrigert haben. Einer wollte bei einer SBB-unabhängigen Bahn die Aufgabe des Chef übernehmen, kam dann aber genau unter SBB-Aufsicht - hat sich dort aber recht beliebt gemacht. Sein Vater arbeitete auch schon bei der Bahn . . . Du kannst Dir gut vorstellen, wen ich meine!


> Auch als Jurist und unbedingter und überzeugter
> Verfechter des Systems Eisenbahn kann ich mich mit
> den Alltagssorgen in Sachen Unterhalt etc. sowie
> mit Fehlentwicklungen in der heutigen
> BWL-gesteuerten Welt sehr gut beschäftigen - und
> das tue ich auch regelmässig!!
> Ich unterhalte mich sehr oft mit aktiven
> Eisenbahnern von der Front, insbedondere mit
> altgedienten Lokführern - auch mein Vater war 44
> Jahre (!) lang SBB-Lokführer des Depots Zürich!
>
Das merkt man an Deinen Voten, welche ich sehr schätze, nur - es sollte mehr solcher Leute in den richtigen Positionen geben!
Auch den Bahnverantwortlichen oben muss man gelegentlich auf die Finger klopfen und deren Hirn durchlüften - obs nützt, ist eine andere Sache.

> Ich weiss um die leider vielfach negativen
> "Management"-Entwicklungen v.a. der letzten ca. 20
> Jahre sehr gut Bescheid, keine Sorge! Man kann
> nicht ständig sparen, "optimieren" oder
> "umstrukturieren", sonst gehts an die Substanz und
> wird kontraproduktiv - auch m.E. ist die Zitrone
> langsam, aber sicher ausgepresst, wenn wir unser
> im internationalen nach wie vor hervorragendes
> Bahnsystem (um das uns die Welt beneidet!)
> erhalten wollen, und DARUM gehts mir ebenso wie
> Euch!;-)
>
Einig!

> Natürlich müssen genügend finanzielle und
> personelle Ressourcen Mittel für Unterhalt von
> Infrastruktur und Rollmaterial bereit stehen,
> dafür kämpfe auch ich auf meine Weise!

Ich weiss und bin froh darum - leider sehen dies Viele nicht und glauben, dass mit kollektorlosen Fahrmotoren kein Unterhalt mehr nötig sei . .

>
> Und ich habe nicht gesagt, Sepp Moser habe überall
> unrecht! Ich meinte nur, dass er vielleicht
> gelegentlich etwas überzeichnet... aber das ist
> gut so, so steigt der Druck auf die Politik, damit
> dem Unterhalt wieder (mehr) Beachtung geschenkt
> wird (sagte ich schon oben;-)).
> Gegenüber einem Politiker oder "Manager" würde
> auch mich u.a. auf Mosers Analyse berufen!;-)

Sepp mag manchmal überzeichnend darstellen, aber um gehört zu werden muss man dies öfters. Er ist natürlich kein "NZZ-Bosshard", welcher ein tiefes Wissen und auch gute Kontakte zur GD unterhielt. Nur - er wusste und erzählte im privaten Kreis auch GD-Ideen, welche sich nicht verwirklichen liessen, schrieb aber nicht darüber - er war Diplomat!

> Zudem wollte ich nur festhalten, dass wir uns im
> Vergleich zum Ausland glücklich schätzen können
> und unser Bahnniveau nach wie vor und trotz allem
> auf hohem Niveau ist, aber - da gebe ich Euch
> recht - man muss den Finger auf die kritischen
> Punkte halten und dem anspruchsvollen und
> komplexen System stets Sorge tragen, ansonsten
> wirds am Ende viel teurer!
>
Unterstützung!

> Fazit:
> Man sollte - bei aller berechtigten Kritik - vor
> lauter Bäumen nicht den Blick auf den Wald, sprich
> aufs Ganze vernachlässigen, oder m.a.W., nicht
> immer nur das "halb leere", sondern auch das
> "halb volle Glas" sehen!;-)
>
> LG Bahnjurist

Als betroffene Eisenbahner sehen wir natürlich eher das "halb-leere" Glas! Weil wir die Leidtragenden sind . . .
Uns macht das "halb-volle" Glas - so wie ich es am letzten Lf-WK erlebt habe - hellhörig und wir betrachten dies als "Schönmalerei" der "Verwaltung" (weil Direktionen sind die nicht . . !).
Generell jammern wir schon auf hohem Niveau - das sei eingestanden: unser System, so ausgereizt es auch ist, funktioniert toll. Dafür müssen wir aber Sorge tragen, wie Du es ja auch siehst! Zudem: das Schweizer Volk hat genügend seinen Wille bekundet, die Bahn zu unterstützen und die Qualität zu erhalten.

Herzlichen Gruss
Urs
Optionen:

Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: hans-j.

Datum: 27.06.12 10:54

bahnjurist schrieb:
-------------------------------------------------------
>
> Zudem wollte ich nur festhalten, dass wir uns im
> Vergleich zum Ausland glücklich schätzen können
> und unser Bahnniveau nach wie vor und trotz allem
> auf hohem Niveau ist,

Wohl eher auf allerhöchstem Niveau ;-) ...

Aber auf höchstes Niveau zu kommen ist die eine Sache, auf höchstem Niveau zu bleiben meist noch viel schwieriger!
Aber im Wesentlichen machen mir unsere Nachbarn in CH da keine Sorgen ;-) ...

"Inzwischen wird gemeldet, es seien Menschen auf dem Mond gelandet, mit Raketenantrieb. - Das mag ja sein. Aber unsere Kinder spielen mit der Eisenbahn und ich denke, sie wissen, warum." (Roman Brodmann)
Optionen:

Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: Ulf Kutzner

Datum: 27.06.12 11:18

Moin,

bahnjurist schrieb:

> Insgesamt muss man aber klar festhalten, dass die
> CH-Bahninfrastruktur die wohl bestunterhaltene
> weltweit ist, und zwar auch auf den kleinsten
> Nebenlinien - es gibt auch kaum wo LA's in CH!
> Insofern jammert Moser auf sehr hohem Niveau...


Wie war das noch gleich mit der Simplonstrecke bis Domodossola? Die LA mögen auf fremdem Staatsgebiet liegen, jedoch...

P.S. Lese gerade in einer anderen Threadverzweigung, daß alles noch etwas komplizierter sei...

Gruß, ULF



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:06:27:11:20:51.
Optionen:

Re: [CH] Schlecht unterhaltene Infrastruktur bei den SBB?

geschrieben von: Reinhard Greulich

Datum: 27.06.12 11:30

Ulf Kutzner schrieb:
-------------------------------------------------------

> Wie war das noch gleich mit der Simplonstrecke bis
> Domodossola? Die LA mögen auf fremdem Staatsgebiet
> liegen, jedoch...

... jedoch gehört die Infrastruktur der FS, nicht den SBB.

Gruß - Reinhard.
Optionen:

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