Prolog
Eh-ha! Bilder vom 4. Februar!? Also „Tagesaktuell“ ist das mal nicht. Für das Historische Forum ist es allerdings noch etwas früh, da stellt sich eher die Frage ob das hier nun eher ins Alpenland- oder doch ins Sichtungsforum gehört. Dreh- und Angelpunkt dieses Bildberichts ist nämlich SIE NUR SIE, weitläufig und etwas nüchterner ausgedrückt: Eine Lokomotive der Baureihe 103. Präzise: 103 245 im Dienste des DB Fernverkehrs, Bw- und Einsatzstelle München Hbf. Das ich mich jetzt doch für dieses Forum entschieden habe, hat mit der tiefen Verbundenheit der Eisenbahn Österreichs mit dieser deutschen Schnellzuglok zutun. Es war das einzige Einsatzgebiet der 103 außerhalb Deutschlands, das nicht gleich am nächsten Grenzbahnhof sein Ende fand. Dank der Systemgleichheit und des „Naturalientausches“ (vor allem mit 1044ern), hatte diese Baureihe auch auf den Schienen der ÖBB „Heimrecht“. Natürlich zogen ihre Auftritte auch dort immer wieder Aufmerksamkeit auf Sie, doch noch viel mehr prägte Sie über Jahrzehnte das Bild des gewöhnlichen Fernverkehrs-Alltag auf einigen Magistralen Österreichs. Erst ihr allmähliches Verschwinden hat hie wie da die Fans wieder daran erinnert was sie an Ihr haben. Deshalb Willkommen 103 245 im Alpenland-Forum. Und: Auf Wiedersehen!
"Servus 103 245"
Fast drei Monate ist es bald her das 103 245 ihren Fristablauf hatte und unmittelbar zuvor von ihrem Heimat-Bw München ins Aw Dessau abgerufen wurde.
In den letzten Einsatzwochen gestand man Ihr einen regelmäßigen Wochenendausflug ins benachbarte Tirol zu. Jeden Samstag im Januar/Februar bespannte Sie das IC-Zugpaar IC 1283 / IC 1282 München - Innsbruck und zurück.
Dies sollte am 4. Februar dann auch ihre letzte Fuhre sein, denn bereits am darauffolgenden Sonntagmorgen stand die Überführungsfahrt nach Dessau an, die ebenfalls Dank DSO bildlich begleitet werden konnte [
1][
2][
3].
In meinem
Januar-Rückblick im Sichtungsforum hatte ich schon Bilder veröffentlicht, die nahe Brixlegg bei einer dieser Tirol-Einsätze entstanden. Da dieser Tag von heftigem Schneefall geprägt war, konnten zwar ganz nette Motive aus der "weißen Hölle" mitgenommen werden, doch das eigentliche Ziel mit der Burg Rattenberg und dem Tunnelportal darunter, musste ausfallen.
So nahm ich am 4. Februar einen zweiten Anlauf, ohne mir direkt bewusst zu sein das es sich tatsächlich um den letzten Umlauf vor der angestrebten HU handelte.
Auch wenn der bisherige Frühling als eher "Frisch" bezeichnet werden konnte, das ist nichts gegenüber den Temperaturen die man in jenen Tagen zu erdulden hatte. Unter Minus 15°C rangierte die Quecksilbersäule und so war jeder Außeneinsatz nur in Vollmontur und für begrenzte Zeitspannen erträglich.
Wir schreiben den 4. Februar, Anno 2012 und es beginnt in
Wörgl Hbf
Aus München brachte EC 87 zahlreiche Winterurlauber und mich nach Österreich. Nach der Ankunft war noch etwas Zeit um den bis dahin selbst genutzten Zug abzulichten:
1216 019 mit EC 87 nach Venezia im Hauptbahnhof Wörgl.
Dank eines Schneehaufens am Bahnsteigende verschafft man sich den rechten Überblick.
Ausfahrt des Eurocitys mit Taurus der in Italien als
E 190 019 verbucht wird, wie die Anschrift verrät.
Brixlegg
Das Fotomotiv am Bahnhof Brixlegg ist die Burg Rattenberg ab, die sich im Hintergrund recht düster abbildet. Im Winter bleibt die Burg, wie die Stadt Rattenberg (ehem. oberbayerische Grenzstadt!) linksseitig darunter, trotz Sonnenscheins dauerhaft im Schatten. Laut
Wiki geht diese Schattenperiode im Winter über mehrere Monate!
Das kann nur noch der Eisenbahntunnel unterhalb der Burg toppen: In dem ist es ganzjährig dunkel. ;-)
Von Wörgl ging die Reise mit einem E-Talent nach Brixlegg, wo ich schließlich am Fuzz-Punkt ankam.
Das sah dann in etwa wie beim folgenden Bild aus:
4024 078 kommt als REX 5220 (Ziel: Brenner/Brennero) nach Brixlegg reingefahren. Das Fotografenkomitee (schöne Grüße auch von dieser Stelle!) erwartet am Bahnsteigende die alsbaldige Durchfahrt einer Schnellzuglok in TEE-Farben.
Und da ist SIE!
103 245 mit IC 1283 nach Innsbruck kommt in den Bahnhof Brixlegg eingefahren...
...und fährt unter
Kamerabeobachtung unbeeindruckt weiter...
...und weiter nach vorne zum Lokportrait. Trotz Patina und Schlieren: Einfach schön die Dame. :)
So, jetzt hätte man sich bei der bibbernden Kälte und nach dieser erfolgreichen 103-Erlegung in eine Hütte zum Jagertee zurückziehen können. Doch wenn man erstmal so einen Schneehaufen erobert und zur Fotoplattform ummodelliert hat, möchte man ja nicht gleich wieder gehen.
Und diese eiskalte Entscheidung sollte sich alsbald auszahlen:
Da kommt doch tatsächlich
1110 522 der ÖGEG mit einem Sonderzug in Richtung Innsbruck anzuckelt.
Blank gewienerte Schlierenwagen und ein interessanter Gesellschaftswagen (oder Speisewagen), der den restlichen Zug überragt.
Das war Murphies Law mal anders herum: Wenn schon ein geplantes Motiv gelingt, warum nicht gleich noch ein ungeplantes dazu? ;-)
Dabei ist auch der Alltagsbetrieb auf der Inntalstrecke für mich interessant, da ich hier ja nicht alltäglich vorbeikomme:
4024 066 macht als S 5120 (nach Telfs-Pfaffenhofen) am Seitenbahnsteig von Brixlegg halt. Der Bahnhof wird derzeit umgebaut und bekommt angeblich einen neuen Inselbahnsteig.
Gegütert wird auf der Inntalstrecke natürlich auch ausgiebig, wie hier z.B. mit Kesseln und zwei Taurüsseln (der vordere erkennbar als
1116 151).
Es bahnt sich etwas später eine Dreifachtraktion an, wobei nur zwei davon tatsächlich arbeiteten:
185 283 + 186 106 + 189 901 mit einem KLV. So steht es auch
hier geschrieben.
Das Dreigestirn im Portrait.
Und das Motiv nochmals in dieser Form: Die Bahnhofsbaustelle, Die Burgruine und EC 89 nach Verona Porta Nuova, gezogen von
1216 024, respektive,
E 190 024.
Und noch ein Dreierpack, doch da war die Sonne schon fast weg und die Fotografen auf dem Bahnsteig bereits durch Fahrgäste ausgetauscht worden.
Portrait:
ES64 F4 287 in schwarz mit gelber Verwandtschaft und italienischer Bekanntschaft dahinter.
Es wird Samstagabend:
1144 215 schleppt schonmal die Stromschubse
1063 044 ab.
Nicht mehr allein für Rattenberg, nun hieß es „Schatten für alle“ – Die Temperaturen waren aber bereits dauerhaft schattig und so kamen Fluchtgedanken auf...
Es ist Zeit den Feldherrenhügel (links neben dem Talent) herabzusteigen und
4024 073 (als S 5121) nach Kufstein zu entern.
Kufstein
„Kennst Du die Perle von Tirol?“ – Nö, aber
111 003 so schön dekoriert mit dem österreichischen Zugheiz-Schild kannte ich zuvor auch noch nicht. Es hat in seiner Größe und Erhabenheit die Anmutung eines mittelalterlichen Schildes – passend zur Burg.
Und dann kamen Große Glocken... pardon, „Großglockner“, also der gleichnamige IC 1281:
115 448 im Portrait mit der nur ein wenig älteren Burg im Hintergrund (sorry, kleiner Scherz).
Die Falten standen ihr schon in jungen Jahren gut! Und so muss sich die ehrwürdige Dame keineswegs neben dem gleichfarbigen Plastikbausatz verstecken (so, wieder alles gut gemacht).
Mit ihren Regenwasserschlieren verlässt die 10er den Bahnhof in Richtung Wörgl und Schwarzach St. Veith und kurz danach erreicht eine weitere Altbau-Lady mit Regenwasserschlieren aus der Gegenrichtung den Grenzbahnof.
103 245 erreicht mit IC 1282 den Bahnhof Kufstein. Hoffentlich tat Sie dies nicht zum letzten Mal.
Diesmal tat Sie es aber auf jeden Fall zum letzten Mal vor ihrem Fristablauf.
So wollte ich mir nicht die Ehre nehmen lassen, ihrer vorläufig letzten regulären Fahrt beizuwohnen und stieg sogleich in Kufstein zu. So wurde das Verlassen von 103 245 aus dem Bahnhof Kufstein und aus dem ÖBB-Netz von anderer Stelle dokumentiert, nämlich
hier. Vielen Dank dafür auch von meiner Seite (ich hatte da gerade im zweiten Wagen vorne Platz genommen).
München Hbf
Ich kann mich nicht erinnern je mit einem Intercity in München am Holzkirchner Flügelbahnhof angekommen zu sein. Bei dieser Fahrt war dies aber erstmals der Fall. Die letzten Dienstmeter endeten für 103 245 unter reger
Beobachtung einiger Fans an Gleis 9:
Dienstende einer Legende:
103 245 hat den Endbahnhof erreicht.
Die Situation wurde noch mit der passenden Lichtstimmung untermalt.
Der Blick nach vorn, zurück: Auf das Sie baldmöglichst wieder in ihre bayerische Heimat zurück komme und uns wieder mit ihrer Erscheinung – am besten ihrer alltäglichen Erscheinung – beglückt. Und mit „uns“ meine ich auch alle Eisenbahnfans in Österreich, denn wie ich ja eingangs schon schrieb…
Ein "Servus" nach draussen an alle Endgeräte sendet
Dirk
"Er mag noch so beschissen sein: Mit einem Bahnhof fängt alles an."
Sergio Leone
4-mal bearbeitet. Zuletzt am 2012:04:28:02:34:22.