Hallo und guten Tag zusammen,
es gibt Lokomotiven, die man fotografiert, von der man Tonaufnahmen macht, deren Einsatzgebiete man besucht hat. Und irgendwann sagt man sich dann, "so, jetzt bin ich mit dieser Lok durch, jetzt mache ich was anderes." Und es gibt die Lokomotiven, von denen man nie genug bekommen kann, nach denen man süchtig wird, wie ein Raucher von der Zigarette oder der Alkoholiker vom Schnaps. Der man hinterherjagt, als gäbe es kein morgen. Und so eine Maschine ist für mich die jugoslawische, nach einer Lizenz von General Motors gebaute Diesel-Elektrik-Lokomotive G 26 HW-2 oder besser gesagt, die Reihe 664. Zur Einführung gleich mal ein paar Bilder von diesem lautstarken Schmuckstück, ausgesucht wurde auch gleich unsere Akteurin der Dieseltour, alle 3 Bilder in Kolbnitz auf der Tauernbahn-Südrampe:
zu sehen ist hier das Fabrikschild der 664 108.
Detailansicht der Maschine und darunter ein Portrait. Sie erhielt in Maribor Anfang September eine komplette HU mit anschließender Neulackierung und präsentiert sich optisch sowie technisch in einem hervorragenden Zustand.
Die Lokomotiven wurden 1984-1985 in einer Serie von 20 Maschinen in Slavonski Brod bei DURO DAKOVIC im heutigen Kroatien gebaut und verblieben nach dem Zerfall Jugoslawiens in Slovenien. Sie sind hier als 664 101-120 eingereiht. Angetrieben werden sie von einem 2-Takt-Dieselmotor 16 645 ohne Turbolader, er leistet 2200 PS. Auf den Einbau eines Schalldämpfers wurde bei den amerikanischen Lokomotiven lange verzichtet, so das sich auch diese Lokomotive "ohne" präsentiert und uns auf unserer Sonderfahrt nicht nur optischen, sondern auch akustischen Hochgenuss garantierte.
Wie kam es aber nun, das solch eine Lokomotive in Österreich anzutreffen war und sogar fast nach Deutschland gekommen wäre? Wie so immer fanden sich ein paar Verrückte ein, die es sich zum Ziel machten, eine Dieseltour mit lauten amerikanischen Lokomotiven bis Deutschland durchzuführen. So konnte der englische Eisenbahnfreund P. Wormald für Ptg Tours diese Erlebnisreise organisieren:
unter dem Motto "Weihnachtsmärkte mit maximaler Leistung" sollte es in einer mehrtägigen Tour von Ljublijana über Österreich (Salzburg) bis nach Deutschland-nach Mühldorf in Oberbayern-gehen. Da hier ja nun auch schon seit einem Jahr amerikanische Dieseloks der Class 77 im Einsatz stehen. Diese stellen den derzeit modernsten Bau der Lokfamilie Class 66-77 dar, mit Klimaanlage, Turboladerschmierpumpe am Diesemotor 12 710 G, Spiegel und anderen technischen Raffinessen dar. Nur leider sind diese Loks mit Schalldämpfern ausgerüstet, so das sie innen drin im Führerstand -zum Leidwesen der Lokomotivführer- ziemlich laut, außen aber dafür ziemlich leise sind. Da in Österreich die 664 schon längere Zeit eine Zulassung besitzt, man konnte bereits letztes Jahr eine Rundfahrt mit einer 664 über den Obdacher Sattel durchführen, Bleiburg wird regelmäßig mit einem Übergabegüterzug erreicht, stand so einer erneuten Fahrt in Österreich kein größeres Hindernis entgegen. Anders aber in Deutschland: hier verweigerte man den alleinigen Einsatz dieser gewaltigen Maschine aus versch. Gründen, man hätte eine deutsche Lok vorspannen müssen. So hieß das Ziel der Reise letzendlich Salzburg, die wunderschöne Mozartstadt, die traumhaft im Tal der Salzach eingebettet in den Bergen liegt. Vorher noch ein wenig Statistik. Hier:
mal eine Übersicht aller bei der SZ einsatzbereiten Lokomotiven.
Am 10. Dezember hieß es für die engländischen Reiseteilnehmer nach einem slovenischen Kulturprogramm "auf zum Bahnhof" der Slovenske Zeleznice in Ljublijana. Dort stand dann der Sonderzug zur Fahrt n. Salzburg bereit. Die Reise führte nun über Jesenice und die Tauernbahn nach Salzburg, wo es am Abend natürlich auch wieder ein kulturelles Programm zu erleben gab. Der Salzburger Hbf wird derzeit aufwendig saniert und zu einem Durchgangsbahnhof ausgebaut. Am 11.12. fand dann eine Alpenrundfahrt statt. Morgens startete der Zug mit der 664 108 und 3 slovenischen Reisezugwagen zu einer Tagesreise über die Westbahn, durch das Salzkammergut nach Selzthal, von dort ging es dann via Schladming-Radstadt-Bischoffshofen wieder zurück nach Salzburg. Hierbei gab es auch zahlreiche Fotohalte und Scheinanfahrten. Was für ein Erlebnis, die laut brüllende Lok von den Berghängen schallen zu hören, oder das original amerikanische Typhon! Dazu folgen nun ein paar Bilder.
Bild 1:
das Wetter präsentierte sich am 11. Dezember leider in den Alpen von seiner schlechten Seite. Nass-kalt, regnerisch und Hochnebel sorgten für trübe Stimmung bei den Fotografen. Trotzdem wurde das beste aus der Situation gemacht, einige recht nette Motive konnten umgesetzt werden. Leider musste ISO 800 herhalten, trotzdem wurde der Zug bewegungsunscharf. Der Ort Ebensee mit seinem gleichnamigen Gewässer sollte als erstes herhalten. Am Hp. Ebensee Landungsplatz dröhnt 664 108 mit E 14019 Salzburg-Selzthal an den hier nicht sichtbaren verwunderten Reisenden vorbei. Die Kirche des Ortes und der ÖBB-Pflatsch haben solch einen Zug hier sicher auch noch nicht gesehen.
Bild 2:
664 108 mit E 14019 in Lahnstein. Wunderschön anzusehen die alte ÖBB-Schrankenalage.
Bild 3:
hinter Bad Aussee fährt der Zug in das einzige Sonnenloch, etwa 1 km groß. Zusammen mit den Wolken ergibt das eine gewaltige Stimmung, etwas Wind verhinderte eine Spiegelung des Zuges im Fluß. E 14019, Salzburg HBF-Selzthal
Bild 4:
hier noch etwas näher.
Bild 5:
664 108 mit E 14019 in Kainisch. Die Eisenbahnlinie gewinnt im Salzkammergut rasch an Höhe, während die Reise in Attnang-Puchheim auf einer Höhe von 415 Meter ü. d. Meer beginnt, befinden wir uns hier nun schon auf 768 Meter Höhe über dem Meer. Bis zum Bahnhof Tauplitz, der auch gleichzeitig den höchsten Punkt der Eisenbahn im Salzkammergut darstellt, wird der Zug auf 835 Meter ü. d. Meer ansteigen. Auch hier war das Licht äußerst schlecht, so musste abermals ISO 800 in die Kamera eingestellt werden. Trotz der Belichtungszeit mit 1/640 Sekunde wurde der Zug etwas bewegungsunscharf.
Bild 6:
die Entscheidung, hierher zu fahren, erwies sich als richtig. Zu unserer Verwunderung blieb der Zug im Bahnhof stehen. Wir dachten erst, es gibt eine außerplanmäßige Zugkreuzung, als aber ein laut "MAXIMUM POWER" krakeelender slovenischer Zugführer und der halbe Zug ausstieg, wussten wir, das ein Fotohalt gemacht wurde. Der Zugführer sollte übrigens noch öfters mit der Lok um die Wette brüllend "Maximum Power" verkünden, er war wohl als Werbetrommler von der SZ mitgegeben worden. Nach einem Sprint konnte die schöne Lok im Bahnhof Kainisch erlegt werden.
Bild 7:
der Zug mit dem Aufnahmsgebäude. Meinem Kumpel ging es sehr schlecht, er hatte sich eine böse Grippe eingefangen, so das wir uns entschieden hier abzubrechen. Nach diesem Foto fand noch eine Scheineinfahrt mit Fahrstufe 8 statt, herrlich schallte die Lok von den Berghängen zurück. Leider schaltete ich zu spät, so das es da leider keine Tonaufnahme gibt.
Bild 8:
Bild 9-12:
am nächsten Morgen fuhr ich früh mit dem ersten Zug von Mühldorf n. Salzburg, um rechtzeitig zum aufrüsten der Lok im BW zu sein. Da ich auch Lokomotivführer bin und von Bayern aus auch Salzburg erreiche, durfte ich auch offiziell in die Remise, so konnte das aufrüsten der Lok erlebt werden. Sie stand in der Halle drin... Hier: [
www.loksounds.eu] kann man Stück für Stück das aufrüsten der Lok erleben, das Personal führt eine technische Untersuchung an der Maschine durch, hierbei wird u. a. die Wirkung der Sandstreueinrichtung überprüft, das Laufwerk+Bremse (und Kolbenhub+Beschaffenheit der Bremsklötze) kontrolliert, sowie am Dieselmotor nach Undichtigkeiten abgesucht und der Ölstand gemessen. Die Maschinisten rufen sich zu, zum Schluss wird dann der 16 Zylinder 2-Taktdiesel angelassen, herrlich schallt es im Lokschuppen. Nachdem weitere Prüftätigkeiten an der Lok durchgeführt wurden, konnte der Gigant ins freie rollen, wo sie auf die Drehscheibe in der Morgendämmerung zu ihrem Wagensatz fährt. Der Lokführer muss auch erstmal ein Foto machen.
nun noch ein paar weitere Fotos aus dem BW Salzburg HBF. 12.12.2011.
Bild 13:
ich ging nun zum Interspar, Frühstück machen. Kurz vor 9 stand unser Sonderzug, der E 14021 zur Abfahrt bereit. Ich ergatterte noch den Logeplatz hinter der Lok. Das erste Abteil war frei, so stand donnerndem Dieselgenuss nichts mehr im Weg! Heute nun ging ein Traum für mich in Erfüllung. Ich bereiste mit einer lauten, amerikanischen Diesellok die Tauernbahn! Dieser Zug sollte an den Yugoslavija-Express erinnern, der von Dortmund nach Zagreb fuhr. Bild 14:
nun hieß es auch für die Engländer wieder, Abschied von der Mozartstadt zu nehmen. Der Zug fuhr ab Jesenice als Zug 15003 weiter n. Ljublijana weiter, von dort sollte es dann per Flug wieder heim nach Großbritannien gehen. Herrlich war aber auch eines: wann kann man schon mal so eine Bahnhofsansage wie diese mit GM-Dieselunterstreichung hören? [
www.loksounds.eu] (zu hören ist hier die Abfahrt des Zuges im Salzburger HBF, auch unser slovenischer Propagandazugführer grölte wieder fröhlich mit)
Bild 15:
nun führte also die Reise durch den Tennengau hinauf nach Bischoffshofen, wo unser erster Fotohalt stattfand.
Bild 16:
so, das war nun Teil 1, im Teil 2 geht es dann lautstark die Tauernnordrampe rauf. Im Bahnhof Badgastein hatten wir dann die ungeteilte Aufmerksamkeit des Ortes für uns. Warum? Das erfahrt ihr im Teil 2.
Gruß, 219 003-1, FAUR-Power aus Rumänien für die DR-das U-Boot!!!
.....DIE Seite mit Sound !!!