Ich habe heute das Modell des Wagens 01 RIV-EUROP 88 SNCB 135 1 593-1 •Glms erhalten. Wie man unschwer an der Nummer erkennen kann, ist der Wagen der frühen Epoche 4 zuzuordnen. Das Revisionsdatum vom 14.4.1964 scheint sogar etwas "rückdatiert", was eine sogenannte Computerbeschriftung betrifft. Die DB hatte erst am 1.10.1964 begonnen, Wagen nach dieser Norm zu beschriften; aber die Belgier waren uns ja auch schon 1832 ein paar Jahre voraus ...
Die SNCB hat diese Wagen 1946 in einer Stückzahl von 5000 bestellt; gebaut wurden sie wohl in den beiden Folgejahren. Die ursprüngliche Typenbezeichnung lautete 2211 A. Die Kurzbeschreibung in den Bestellunterlagen lautet wie folgt: geschlossener Wagen auf zwei Achsen, hölzerner/Multiplex Kasten, zwei Seitentüren und keine beweglichen Kopfklappen, sollen angepasst werden an automatische Kupplung, EUROP, 21 t [Ladegewicht], Achsstand 6,00 m, 21,80 m² [Ladefläche], 57,0 m³ [Rauminhalt]. Die LüP betrug 9549 mm, die Gesamthöhe über SOK 4115 mm, die Türen waren 1500 breit und 2020 mm hoch. Bremsbauart war O-GP oder W-PG.
Die Wagen waren anfangs in die Nummernreihe 455.000 bis 459.999 eingereiht, ab ca. 1956 trugen sie die Nummern 4422000–4426999. Anfang der Sechzigerjahre reicht die Nummernreihe bis 4427399, ohne dass ersichtlich würde, woher die zusätzlichen 400 Wagen kamen. Mit Einführung der UIC-Nummern erhielten die Wagen, die alle dem EUROP-Park zugeordnet waren, die Nummern 01 88 135 0 000 – 135 5 399. Damals ergänzte man auch die Typenbezeichnung um eine "0" zu "2211A 0". Mit dem Jahr 1980 erhielten die Wagen, nun als Gkklms bezeichnet, die neue Nummernreihe 01 88 138 5 000 – 138 7 999, was auch darauf verweist, dass viele Wagen schon aus dem Dienst geschieden waren. Genaue Bestandszahlen habe ich nur aus dem Jahr 1971 und 1972: In den EUROP-Unterlagen sind für beide Jahre 5340 Wagen verzeichnet. Das weitere Schicksal der Wagen ist mir nicht bekannt, da ich mich eigentlich nur für das Jahr 1970 interessiere.
Im Folgenden nun eine Gegenüberstellung von Modell und Maßskizze sowie ein Vorbildfoto von Per Topp Nielsen:
Ein weiteres Vorbildfoto – in Farbe – kann man auch bei Christian Wilke: Lackieren, Altern und Beschriften, Düsseldorf Alba 1984 auf S. 106 finden.
Wie gut der Wagen in Proportionen und Detaillierung getroffen ist, davon möge sich jeder selbst durch Augenschein überzeugen.
Beide Achsen haben Vollräder, was bei der SNCB seinerzeit wohl eher nicht die Regel war. Die Räder weisen einen matten Metallton auf; sie sind nicht brüniert oder geschwärzt. An der Lauffläche lässt sich ein maximaler Durchmesser von ca. 10,8 mm messen, an den Spurkränzen von 12,6. Die eher matte denn seidenmatte Lackierung von Dach und Wagenkasten wirkt authentisch; beim Scannen hat sich der Farbton leider leicht zu Rosa hin verschoben. Hinsichtlich der Farbe des Originals habe ich nur den Hinweis finden können, dass ab 1955 "braun" Standard gewesen sei; eine weitere Quelle führt für "goederenwagenrood" zwei Farbtöne an: "bruinrood" RAL 3011 und "oxiderood" RAL 3009; Letzterem entspricht der Wagen recht gut, gegenüber der ersten Angabe erscheint er als zu hell. Ob das Fahrgestell in der frühen Epoche 4 (wie hier) schwarz oder braun wie der Wagenkasten lackiert war, geben die mir vorliegenden Fotos nicht eindeutig her.
Die Beschriftung ist (z. T. nur unter Lupe) lesbar und konturenscharf, sie scheint auch für das frühe Revisionsdatum vollständig. Nicht ganz überzeugen kann allerdings die eigentliche Wagennummer, bei der in allen drei Zeilen bei der SNCB in aller Regel diesselbe Schriftgröße verwandt wurde - hier ist die "88" deutlich größer gesetzt als die beiden anderen Zeilen. Die Bremsumstellhebel sind weiß hinterlegt und farbig hervorgehoben; die Hebel weisen auf beiden Seiten zum selben Wagenende.
Es gibt auch ein paar kleinere Mängel und Auffälligkeiten zu verzeichnen: An allen vier Ecken sind - wohl auch zu weit abstehende - senkrechte Griffe aus Metall eingesetzt: auch dort, wo gar keine Rangiertritte sind. Die Fotos belegen, dass den nur zwei einander diagonal gegenüberliegenden Rangiertritten gleichermaßen nur zwei zugehörige Griffe entsprachen. Der Skizze allerdings zeigt beide Griffe an einem Wagenende. Die Puffer wirken recht plastikhaft; auch Trittbretter und Achslager glänzen ziemlich stark.
Das Foto von Per Topp Nielsen zeigt weniger auffällige, flachere Übergänge zwischen den einzelnen Bahnen der Dachabdeckung - die Skizze und auch das Wilke-Foto entsprechen aber den "Wülsten" des Modells. Auch bei den Bremsumstellhebeln kann man Abweichungen zwischen Nielsen-Foto und Modell erkennen.
Alles in allem in meinen Augen ein schönes Modell, dessen minimale Mängel ohne allzu großen Aufwand behebbar sind. Bezahlt habe ich dafür nicht ganz 26 Euro bei einem bekannten Versender in Münster.
Gruß
Gerhard
H0-Gleichstrom; frühe Epoche 4 (1970)
Lenz Digital Plus; Blücher GBS; Railroad&Co
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